Serie „Blick ins alte Emden“
Emder Kino ist Geschichte – diese Woche gibt’s Neuigkeiten
Vor knapp 13 Jahren schloss das Apollo-Theater in Emden. Seitdem ist nicht klar, was aus dem Gebäude wird. In dieser Woche könnte es neue Infos geben. Wir blicken in die Vergangenheit.
Emden - Viele Emderinnen und Emder können sich sicher noch an ihren ersten Besuch im Apollo-Theater erinnern - an die drei Säle Apollo, Rex und Stern, die Bedienung am Platz, die Brause-Lollis an der Verkaufstheke. Und womöglich auch an den letzten Besuch. Das Kino schloss am 31. Juli 2009. Seitdem wird darum gerungen, was mit dem Gebäude passieren könnte. In dieser Woche am Donnerstag steht das Apollo auf der Tagesordnung des Ratsausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt. Dann soll es Neuigkeiten zum Zeitplan und zu möglichen Projekten geben. Grund genug, in unserer Serie „Blick ins alte Emden“ einmal auf die Geschichte der Emder Institution zu schauen.
Am 10. Dezember 1908 war ein Tonbild-Theater mit dem Namen Apollo in Emden mit rund 240 Plätzen eröffnet worden - mit einem „exquisiten Großstadtprogramm“. Zwölf Streifen liefen zu Beginn, beispielsweise „Der Magnet als Diebe“ und „Die Narrheiten des Herrn Fettmops“. Zeitgleich gab es zwei weitere Kino-Salons und auch Wander-Kinos machten auf örtlichen Jahrmärkten Halt. Das erste Apollo aber stand nicht lange: Es brannte bereits knapp eine Woche nach Öffnung komplett ab. Niemand wurde verletzt: Alle Besucher hatten das Kino verlassen können. Der Grund des Feuers: Ein Film hatte Feuer gefangen. Nichts Ungewöhnliches damals.
Kino könnte zu „Teeater“ werden
Ein weiteres Kino ungefähr am heutigen Standort unter dem Namen wurde beim Luftangriff auf Emden 1944 zerstört. Erst 1948 konnte es wieder eröffnen. Zwischenzeitlich gab es fünf Kinos in Emden gleichzeitig. Eines überdauerte: das Apollo. Nach mehreren Umbauten, Erweiterungen und auch Inhaberwechseln ging das Theater 1980 an den Leeraner Kinounternehmer Friedo Buschmann. Über eine Million D-Mark investierte er, um aus einem großen Kinosaal die drei bekannten zu machen, schrieb diese Zeitung damals. Was heute ganz normal ist, war damals etwas Besonderes: Unter einem Dach konnten gleichzeitig Filme verschiedener Stilrichtungen starten. Die Kino-Sessel wurden bequemer, die Bedienung am Platz eingeführt. Und: Damals durfte in den Sälen geraucht werden. Eine leistungsstarke Klimaanlage sollte dafür sorgen, dass Nichtraucher nicht belästigt werden.
Ab 1990 wurde das Kino an Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe verpachtet und es ging vier Jahre später an Werner Bundgaars. Dieser ließ die Säle grundlegend renovieren. Auch er investierte knapp eine Million D-Mark. 1999 übernahm es die Ostfriesische Filmtheater GmbH, bis das Kino dann zehn Jahre später schließen musste. Es war zuletzt eines der ältesten, noch betriebenen Kinos in Ostfriesland und Oldenburg. Gegen das 2002 errichtete Cinestar-Kino konnte es sich aber nicht durchsetzen. Ein Jahr nach seiner Schließung wurde das Apollo für zwei Monate wieder eröffnet und für Veranstaltungen wie Konzerte genutzt. Einer der Initiatoren - Johannes „Urmel“ Meyering - verfolgte seitdem das Konzept einer Kulturstätte in dem denkmalgeschützten Haus. Die Stadt kaufte das Gebäude 2012 in dem Sinne, gab im März 2019 aber das Ende der geplanten Projekte bekannt.
2020 wurde das Haus öffentlich zum Verkauf angeboten. Vier Bieter fanden sich. Die Emder Investorengruppe will im Hauptgebäude das „Teeater“, eine Kombination aus Teehaus und Kleinkunstbühne im großen Saal des ehemaligen Kinos, umzusetzen. Zudem stellen sich die Investoren eine Art luftige Lounge in einem neuen Dachgeschoss vor. Dafür soll das Gebäude wieder vierstöckig werden. So viele Geschosse hatte es ursprünglich. Der hintere Teil der Immobilie soll für barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen vorgesehen sein. Die Pläne beinhalten ferner eine Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Teilhabebeschränkung. Viele Fragen aber sind noch offen und dürften Donnerstag im Ausschuss angesprochen werden.
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