Verkehr
Emden: Anlieger leiden weiter unter Verkehrsexperiment
In der Diskussion um die neue Verkehrsführung in der Emder Innenstadt haben sich Anwohner der Friedrich-Ebert-Straße erneut zu Wort gemeldet. Sie beklagen die Situation, machen aber auch eigene Vorschläge.
Emden - Gut einen Monat nach dem Start der zweiten Stufe des Experiments in der Neutorstraße nimmt die Diskussion um die Verkehrsführung in der Emder Innenstadt wieder Fahrt auf. Jetzt haben sich erneut Anlieger der Friedrich-Ebert-Straße und der Nordertorstraße zu Wort gemeldet. Sie beklagen, dass sich auch die nach Jahresbeginn vollzogene Umkehr der Einbahnstraßenrichtung für Autos in der Neutorstraße negativ auf ihr Stadtviertel auswirkt und dort für neue Unruhe sorgt.
Was und warum
Darum geht es: die Folgen der neuen Verkehrsführung in der Emder Innenstadt für Anlieger einer der Ausweichstrecken und mögliche Lösungen
Vor allem interessant für: Bewohner der Stadtteile Klein Faldern und Groß Faldern, Planer der Stadt sowie Emderinnen und Emder, die die Veränderungen in der Innenstadt verfolgen
Deshalb berichten wir: Anwohner zweier Straßen, die als Ausweichstrecke benutzt wurden, haben sich erneut zu Wort gemeldet. Sie wandten sich nicht nur an Rat und Verwaltung der Stadt, sondern auch an die Öffentlichkeit. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Neben einem erhöhten Verkehrsaufkommen seien vor allem Lastwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge „ein großes Problem“, heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten Schreiben der Anliegerinitiative an Rat und Verwaltung der Stadt. Sie fordert Regelungen, die die Friedrich-Ebert-Straße und die Nordertorstraße entlasten und macht dazu auch eigene Vorschläge.
„Radverkehr nur für Wagemutige“
Die Initiative hatte sich erstmals im August des vergangenen Jahres an die Öffentlichkeit gewandt, nachdem die Stadt die erste Phase des umstrittenen Verkehrsexperimentes in der Neutorstraße gestartet hatte. Das Problem: Weil die Autos auf der Neutorstraße, eine der wichtigsten Durchfahrtsstrecken der Innenstadt in Nord-Süd-Richtung, ausgebremst werden, verlagert sich ein Teil des Kraftverkehrs unter anderem auf die Friedrich-Ebert-Straße.
Allerdings ist die vor Jahren verkehrsberuhigt worden und deshalb gar nicht dafür ausgelegt. Es scheitert schon im Begegnungsverkehr. Auch einen Radweg oder eine Fahrradspur gibt es dort nicht. Der Fahrradverkehr spiele sich „nur noch für Wagemutige auf der Straße und ansonsten auf dem Gehweg ab“, schreibt dazu Frauke Koppaetzky, Sprecherin der Anliegerinitiative, in der jüngsten Stellungnahme.
Dauerzustand sei „unmöglich“
Nach ihren Angaben führten schon in der Vergangenheit vorübergehende Sperrungen der Neutorstraße an Wochenenden während der großen Innenstadt-Feste zu „hohen Belastungen“. Solche Ausnahmesituationen nehme man gerne in Kauf. Ein Dauerzustand durch neue Verkehrsführungen in der Innenstadt sei hingegen „schlicht unmöglich“, heißt es weiter.
Den Bewohnern von Klein-Faldern sei „selbstverständlich bewusst, dass die Entwicklung der Innenstadt für Emden von enormer Wichtigkeit ist und die verkehrsberuhigenden Maßnahmen dazu beitragen“. Es könne aber nicht sein, dass angrenzende Stadtteile die ganze Last tragen müssten.
Auch für Touristen „eine Perle“
Klein-Faldern sei im Übrigen mit seinen Hotels und alten Gebäuden, die den Zweiten Weltkrieg überdauerten, nicht nur die Bewohner, sondern auch für die wachsende Zahl von Touristen „eine Perle“. „Das Potenzial dieser wunderschönen Ecke Emden ist schon viel zu lange vernachlässigt worden und sollte nicht durch falsche Entwicklungen dauerhaft geschädigt werden“, meint die Initiative.
Ihre größte Sorge gelte aber der Verkehrssicherheit. Denn die Friedrich-Ebert-Straße und die Nordertorstraße seien auch ein viel genutzter Schulweg. Für Kinder, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder zu Fuß gehen, sei es dort heute sehr gefährlich, vor allem dann, wenn sie die Straßen überqueren müssten.
Initiative setzt auf Dialog
Obwohl sie den Ton mittlerweile verschärft hat, setzt die Initiative auch weiterhin auf den Dialog mit der Stadtverwaltung und weiteren Interessengruppen. Daran sei ihr „sehr gelegen“, betont sie. Den Anliegern sei auch klar, dass sie selbst auch Zugeständnisse machen müssen. Aber: „Eine für uns, für unsere Kinder und unsere Gebäude negative Entwicklung werden wir nicht mittragen.“
Die Initiative macht auch einige Vorschläge, die aus ihrer Sicht schon während der Testphasen einfach umsetzbar sind. Zentraler Punkt: eine Fahrradstraße, die von der Petkumer Straße über die Friedrich-Ebert-Straße und die Nordertorstraße, bis hin zur Lindenhof-Kreuzung führt. Damit verbunden sollte eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Autos auf 20 Kilometer pro Stunde sein. Die Anlieger knüpfen an eine solche Regelung die Hoffnung, dass Autofahrer, die durch den Vorrang von Radfahrern ausgebremst werden, langfristig ihre gewohnten Strecken ändern und auf die Autobahn ausweichen.
Stadt und Polizei äußern sich noch nicht
Zudem schlagen sie eine gut sicht- und lesbare Beschilderung vor, die schon frühzeitig auf das Lkw-Verbot und die Tempobegrenzung hinweist. Der Busverkehr sollte auf den Linien- und Schülerverkehr beschränkt werden, und Reisebusse sollten nur die Hotels an der Friedrich-Ebert-Straße im Abschnitt zwischen der Petkumer Straße und der Straße Am Herrentor anfahren dürfen.
Für eine Einbahnstraßen-Regelung in der Friedrich-Ebert-Straße, die die die Stadt bereits im Herbst kurzzeitig ausprobiert hatte, sind nach Ansicht der Anlieger längere Testphasen notwendig. Der Zeitpunkt dafür sollte nach der Fertigstellung der Trogstrecke gewählt werden, zumal das eine wichtige Umgehungsstrecke der Innenstadt sei. Die im Oktober etwa drei Wochen lang praktizierte Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße in Richtung Petkumer Straße sei „zur falschen Zeit“ gekommen und „an falscher Stelle“ gewesen. Diese Phase sei außerdem zu kurz gewesen, um daraus Erkenntnisse gewinnen zu können. Die Ergebnisse der Verkehrszählungen hält die Initiative für „nicht aussagekräftig und falsch.“
Die Stadt Emden antwortete bislang nicht auf die Anfrage unserer Zeitung, wie sie die zweite Phase des Verkehrsexperiments in der Neutorstraße bewertet. Auch die Polizei äußerte sich dazu noch nicht. Die statistischen Zahlen seien noch in der Auswertung, belastbare Zahlen lägen deshalb noch nicht vor, hieß es von der Polizeiinspektion Leer/Emden.