Mainz
Torso aus der Maas dank „Aktenzeichen XY“ nach zehn Jahren identifiziert
In der Spezialausgabe „Aktenzeichen XY … gelöst“ stellen Rudi Cerne und Lydia Benecke am Mittwoch aufgeklärte Fälle vor. Einer davon: die namenlose Leiche aus der Maas, die erst nach zehn Jahren identifiziert wurde.
Am Mittwoch stellt „Aktenzeichen XY“ in einer Spezialausgabe Fälle vor, die mithilfe der ZDF-Zuschauer gelöst wurden. Im Studio zu Gast ist Kriminalpsychologin Lydia Benecke. In ihren Kommentaren ordnet sie das Verhalten der Täter wiederkehrenden Mustern zu und gibt Ratschläge zur Prävention.
Einer der Fälle ist der Mord an einem Mann, der zehn Jahre namenlos blieb. Nachdem sein Torso an das Ufer der Maas getrieben war, konnte das Opfer trotz auffälliger Tätowierungen viele Jahre nicht identifiziert werden. Erst nach zwei Öffentlichkeitsfahndungen bei „Aktenzeichen XY“ bekam der Tote einen Namen. Inzwischen sitzt die Täterin in Haft.
So stellt das ZDF den Fall vor: Am 19. Juni 2008 entdeckt ein Spaziergänger im belgischen Fluss Maas einen blauen Müllsack. Er ruft die Polizei, die feststellt: Der Müllsack verbirgt den Torso eines unbekannten Mannes. Arme und Beine des Opfers sind abgetrennt. Der Tote hat Verletzungen am Kopf und mehrere tödliche Stichwunden. Die Spur führt nach Deutschland; doch trotz eines auffälligen Tattoos kann die Leiche nicht identifiziert werden. 2009 wird der Fall zum ersten Mal bei „Aktenzeichen XY“ gezeigt: Der entscheidende Hinweis bleibt aus.
2018 machen die Ermittler einen weiteren Versuch: Noch einmal wenden sie sich an die Zuschauer von „Aktenzeichen XY“. Und diesmal haben sie Erfolg: Nach der Sendung meldet sich ein einstiger Freund des Toten. Jetzt kann die Polizei die Geschichte des Unbekannten rekonstruieren: Zum Zeitpunkt seines Todes war er 46 Jahre alt, im Rhein-Erft-Kreis gemeldet und in der Straßenreinigung tätig.
Nach diesem Durchbruch stößt die Polizei auch auf eine Verdächtige: Miroslava S. (37), die Ehefrau des Toten, hat ihren Mann nie als vermisst gemeldet. Zunächst bestreitet sie, etwas mit seinem Verschwinden zu tun haben; dann gibt sie an, von ihm misshandelt worden zu sein. Am Tatabend habe es Streit gegeben, daraufhin habe sie ihn in Notwehr mit einem Messer verletzt und dabei getötet. Sie nennt auch den Namen eines Fotografen, der ihr beim Reinigen und Renovieren der Wohnung geholfen habe.
Dessen Befragung bringt dann die ganze Wahrheit ans Licht: Die Verdächtige hatte mit dem Fotografen ein Verhältnis; 2008 hat sie ihrem Ehemann heimlich ein Medikament verabreicht, um ihn zu töten. Als dieser Mordversuch misslang, tötete die Frau ihren Mann mit einem Messer und einem Baseballschläger. Der Fotograf habe ihr bei der Beseitigung der Leiche geholfen.
Es folgt ein Gerichtsprozess, in dem die Angeklagte wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wird. Ihr Lebensgefährte muss wegen Beihilfe für viereinhalb Jahre in Haft.
Für das ZDF kommentiert Kriminalpsychologin Lydia Benecke diesen ungewöhnlichen Beziehungsmord: „Die meisten Tötungsdelikte werden von Männern begangen. Bei Tötungsdelikten im Kontext von Partnerschaften haben männliche Täter oftmals andere Motive als weibliche: Während Männer in den meisten Fällen die Partnerin töten, um sie zu dominieren bzw. eine Trennung zu verhindern, sehen viele Frauen die Tötung des Partners als Ausweg aus einer – häufig von Gewalt geprägten – Beziehung. Bei der Wahl der Tötungswerkzeuge gibt es dagegen überraschend geringe Unterschiede. So ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Frauen bevorzugt mit Gift töten. In Wirklichkeit wird Gift von Frauen und Männern vergleichsweise selten zur Tötung genutzt.“
Sendehinweis: „Aktenzeichen XY … gelöst“, ZDF, Mittwoch, 9. Februar 2022, 20.15 Uhr.