Gesundheit

Kreis Aurich: Novavax-Impfstoff gibt es vorerst nicht für jeden

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 09.02.2022 11:58 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit dem neuen Impfstoff von Novavax soll die Impfquote verbessert werden. Foto: dpa/Frankenberger
Mit dem neuen Impfstoff von Novavax soll die Impfquote verbessert werden. Foto: dpa/Frankenberger
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Die Koordination der Impfungen mit dem Proteinimpfstoff von Novavax läuft über das Land Niedersachsen. Das hat entschieden, dass zuerst nur bestimmte Bevölkerungsgruppe den Impfstoff bekommen.

Aurich - Nuvaxovid, der Proteinimpfstoff des Herstellers Novavax, soll in Niedersachsen zunächst für Personen aus Gesundheitsberufen wie etwa Altenpflegekräfte reserviert werden, für die zum 15. März eine Corona-Schutzimpfung verpflichtend ist. Das hat die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs des Landes, die Hildesheimerin Claudia Schröder, bekannt gegeben. Die erste Lieferung von 1,75 Millionen Dosen soll ab dem 21. Februar deutschlandweit zur Verfügung stehen. Nach Angaben einer Sprecherin des Niedersächsischen Sozialministeriums soll das Land davon rund 190.000 Dosen erhalten.

Was und warum

Darum geht es: Der Run auf den Proteinimpfstoff Nuvaxovid ist bisher im Kreis Aurich ausgeblieben.

Vor allem interessant für: gesundheitsbewusste Menschen

Deshalb berichten wir: Um die Chancen für die Steigerung der Impfquote auszuloten.

Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de

Seit einigen Tagen ist eine Hotline des niedersächsischen Gesundheitsministerium freigeschaltet, auf der sich Impfwillige registrieren können. Bis gestern haben das 6516 Personen gemacht, wie Sprecherin Kerstin Wolff auf Anfrage mitteilte. Sie stünden auf einer Warteliste.

Derzeit könne sie keine regionale Zuordnung treffen, also nicht sagen, wie viele der dort aufgeführten Männer und Frauen aus Ostfriesland kommen. Aber: „Einmal die Woche findet ein Jour-Fixe mit den Gesundheitsämtern statt. Dort wird fortlaufend über das Thema Novavax und die Warteliste informiert. Mit den Gesundheitsämtern ist vereinbart, dass der aktuelle Stand der Warteliste mit der Information über den Liefertermin von Novavax regionalisiert wird“, so die Sprecherin. Bisher habe der Bund nicht verbindlich mitteilen können, wann das Vakzim geliefert werde. Es werde allen Ungeimpften verabreicht, vorzugsweise Mitarbeitern in der Gesundheits- und Pflegebranche. Wie viele davon gibt es im Landkreis Aurich überhaupt?

Nach einer Anfrage dieser Zeitung in verschiedenen Krankenhäusern und Altenheimen sind die Impfquoten dort sehr hoch. Es gibt nur sehr wenige Ungeimpfte. Die Zahlen bewegen sich bei den meisten Einrichtungen im einstelligen Bereich. Experten aus dem Gesundheitswesen hoffen darauf, dass diese jetzt zu dem Proteinimpfstoff von Novavax greifen. Etliche Impfskeptiker hatten nämlich massive Vorbehalte gegen die bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe geäußert. Diese rühren daher, dass die Vakzine von Biontech und Co. aus Genlaboren stammen. Sie enthalten den dort künstlich nachgebildeten Bauplan für einen bestimmten Bestandteil des Virus, nämlich das Spike-Protein. Das ist für das Immunsystem gut erkennbar, weil es wie eine Stecknadel aussieht. Der Impfstoff wird in den Muskel gespritzt. Die Zellen entschlüsseln den Bauplan und produzieren ihrerseits ein Spike-Protein, das den Körper zur Produktion von Antikörpern anregt.

Beides sind Totimpfstoffe

„Beim Impfstoff des Herstellers Novavax wird ein vorher gezüchtetes Eiweiß gespritzt“, sagte Lukas Bockelmann. Der Allgemeinmediziner aus Timmel ist Vorsitzender des Ärztevereins Aurich. Nach seiner Auffassung könne man streng genommen sowohl die mRNA-Impfstoffe als auch Nuvaxovid als Totimpfstoffe bezeichnen: „Sie enthalten beide keine vermehrungsfähigen Viren, wie dies etwa bei der Impfung gegen Masern der Fall ist.“ Lukas Bockelmann vermutet, dass viele Impfskeptiker den mRNA-Imfpstoff mit Gentechnik in Verbindung bringen: „Das halten manche Menschen schon mal per se für gefährlich und unheimlich.“

Über die Verträglichkeit des neu zugelassenen Impfstoffes könne man nur spekulieren, sagt der Arzt aus Timmel. Jeder Körper reagiere darauf anders. Die bisher eingesetzten genbasierten Vakzine hätten den Vorteil, dass es darüber mittlerweile Daten und Erkenntnissen gebe, was Nebenwirkungen anbelange.

Termin für Lieferung unklar

Wann wird der Impfstoff von Novavax im Landkreis zur Verfügung stehen? Gibt es Wartelisten? „Details zu den Novavax-Lieferungen liegen uns bislang nicht vor, so wissen wir auch nicht, mit welcher Liefer-Menge überhaupt zu rechnen ist und wann genau die Lieferung erfolgen soll“, sagte Kreis-Sprecher Rainer Müller-Gummels. Die Koordination laufe komplett über das Land. „Unser Impfzentrum würde dann nur die entsprechenden Termine freigeben“, so der Sprecher. Im Kreishaus seien bislang nur wenige Anfragen nach Novavax eingegangen.

Wie lange der neue Impfstoff für die Menschen aus Pflegeberufen reserviert bleiben soll und ab wann jeder Impfwillige Injektionen mit dem Stoff erhalten kann, ist noch unklar. Das Mittel von Novavax wurde kürzlich als fünfter Corona-Impfstoff in der Europäischen Union zugelassen. Er soll in zwei Dosen und im Abstand von etwa drei Wochen gespritzt werden.

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