Veranstaltungen
Teufelsinsel im Emder Hafen soll zur Open-Air-Bühne werden
Emder Kulturschaffende und der Arbeitskreis Historischer Schiffbau planen an Pfingsten ein Pilotprojekt auf einer Halbinsel im Emder Binnenhafen. Der Name des Programms könnte kaum treffender sein.
Emden - Ihr Name klingt zwar diabolisch, wer aber einmal dort war, ist fasziniert von diesem Fleckchen Erde: Die Teufelsinsel eröffnet Besuchern einen so schönen Blick auf den Emder Hafen, wie man ihn an anderer Stelle kaum findet. Und dieser Ort wirkt so verträumt, dass man sich wundert, dass ausgerechnet der Teufel der Namensgeber ist. Jetzt soll die Halbinsel, die in Nachbarschaft zur Nesserlander Schleuse liegt, stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken.
Was und warum
Darum geht es: Eine Halbinsel im Emder Hafen soll als Veranstaltungsort erschlossen werden.
Vor allem interessant für: alle, die sich für den Hafen und Kultur an ungewöhnlichen Orten interessieren
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte von dem Projekt auf der Teufelsinsel gehört und deshalb bei den Beteiligten nachgefragt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Einige Kulturschaffende und der Arbeitskreis Historischer Schiffbau in Ostfriesland, der den vorderen Teil als Werftgelände nutzt, wollen das Betriebsgebäude einer ehemaligen Ölverbrennungsanlage als exklusiven Veranstaltungsort erschließen. Sie sind bereits mitten in den Planungen für ein Pilotprojekt. An Pfingsten soll es auf der Teufelsinsel ein erstes Konzert unter freiem Himmel und – passend zur Kulisse – mit maritimen Anstrich geben.
Tim Thoelke stellt Debütalbum vor
Dafür gewannen die Initiatoren den Autor, Moderator und DJ Tim Thoelke aus Leipzig, der unter anderem als Stadionsprecher des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig einen Namen hat und seit knapp einem Jahr als Sänger auch den Musikmarkt erobern will. Seine anspruchsvollen Songs handeln von einer schmuddeligen Hafenbar, von der See, Schiffbrüchigen, Walfischen, Strandräubern, Fabeltieren und dem Packeis der Arktis.
Der geplante Auftritt von Thoelke in Emden ist kein Zufall. Denn gemeinsam mit dem Musiker, Komponisten, Dozenten und Produzenten Tim Gressler, einem Ostfriesen, veröffentlichte Thoelke im vorigen Jahr sein Debütalbum „Böse See“, das beide mit weiteren Musikern auf der Teufelsinsel vorstellen wollen. Die CD entstand im Tonstudio des Komponisten und Musikproduzenten Eike Ebbel Groenewold im Krummhörner Dorf Groothusen.
Pläne sind nicht ganz neu
Gressler wuchs in Norden auf, zog nach Stationen in Hamburg, Berlin und Emden vor einigen Jahren nach Leipzig. Gegenwärtig pendelt der 39-Jährige zwischen Leipzig und Emden. In seiner ostfriesischen Heimat arbeitet er gerade unter anderem auch mit dem Emder Kulturschaffenden Johannes „Urmel“ Meyering an mehreren Projekten. Im Frühjahr will der 39-Jährige seinen Hauptwohnsitz nach Emden verlegen.
Gressler und Meyering sind auch die Initiatoren für das „Böse See“-Konzert auf der Teufelsinsel. Beim Arbeitskreis Historischer Schiffbau rannten sie mit dieser Idee offene Türen an. „Wir denken schon seit längerem über solche Veranstaltungen auf dem Gelände nach“, sagt Vorsitzender Alfred Marahrens. Vor der Pandemie habe es schon ähnliche Überlegungen für eine Reihe unter dem Motto „Rock in the Docks“ gegeben. Auch über ein Konzert mit einem Piratenchor aus den Niederlanden habe man nachgedacht. Diese Vorhaben habe man aber wegen der Corona-Pandemie zunächst auf Eis legen müssen.
Unterstützung von vielen Seiten
Der landeseigene Hafenbetreiber Niedersachsen-Ports und die Stadt haben nach Angaben der Beteiligten bereits grundsätzlich ihre Zustimmung zu dem Pilotprojekt signalisiert. Unterstützung kommt möglicherweise auch von der Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing GmbH und Kulturevents Emden. Beide Töchter der Stadt haben zumindest Interesse bekundet.
Der Termin für das Konzert ist der 4. Juni, der Sonnabend vor Pfingsten. „Es gibt aber die Option für ein zweites Konzert am darauffolgenden Pfingstsonntag. Ob der zustande komme, hänge einerseits von der Nachfrage nach den Karten ab, andererseits aber auch davon, welche Corona-Regeln dann gelten. Gegenwärtig lasse sich noch nicht genau sagen, wie viele Besucher auf dem Gelände zugelassen werden. Bislang gehen die Initiatoren von 80 bis 100 Plätzen aus.
Hoffnung auf feste Konzertreihe
Viele weitere Details sind ebenfalls noch nicht geklärt. Auch ein Sicherheitskonzept für das von drei Seiten von Wasser umgebene Areal steht noch nicht. Aber die Beteiligten sind zuversichtlich, das alles in den Griff zu bekommen. „Das ist das gleiche Procedere wie bei anderen Veranstaltungen dieser Art “, sagt Meyering, der auf ein erfahrenes Team aus kreativen Köpfen setzt.
Alle, die mit im Boot sind, knüpfen an das Pilotprojekt auch die Hoffnung, eine sommerliche Konzertreihe auf der Teufelsinsel etablieren zu können. „Das ist ausbaufähig“, sagt Martin Saehrig, der Vize des Vereins Historischer Schiffbau. Der Arbeitskreis erhofft sich davon, dass er Einnahmen daraus für seine Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen auf der Bootswerft generieren kann. Auch Meyering sieht gute Perspektiven. Das Gelände sei „attraktiv und spektakulär“ – obwohl der Teufel mit im Spiel ist.