Ehejubiläum

Mit langer Ehe den besten Fang des Lebens gemacht

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 10.02.2022 07:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Klaus-Dieter und Gertrude Weniger blicken an diesem Donnerstag auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück. Foto: H. Müller
Klaus-Dieter und Gertrude Weniger blicken an diesem Donnerstag auf 60 gemeinsame Ehejahre zurück. Foto: H. Müller
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Klaus-Dieter und Gertrude Weniger aus Emden sind seit 60 Jahren verheiratet. Das Paar fand das Glück, als der Jubilar zum Angeln nach Ostfriesland kam. Beide ließen sich nie wieder vom Haken.

Emden - Das nennt man wohl Anglerglück: Klaus-Dieter Weniger hat vor mehr als 60 Jahren den „Fang“ seines Lebens gemacht. Denn während der heute 82-Jährige mit einem Freund für ein paar Tage zum Fischen nach Ostfriesland gekommen war, lernte er seine spätere Frau Gertrude kennen. Die gebürtige Norderin, eine geborene Schoolmann, ging ihm nicht wieder vom Haken: An diesem Donnerstag feiert das Ehepaar in Emden seine diamantene Hochzeit. Es lebt schon seit Jahrzehnten an der Max-Born-Straße bei Larrelt.

Das Angeln und Fischen war immer das große Hobby des Ehejubilars, der aus dem sachsen-anhaltinischen Leuna stammt. Mit seiner Mutter floh er als 13-Jähriger aus der damaligen DDR nach Westdeutschland. „Damals war die Grenze noch löchrig“, erzählt der Senior. Mutter und Sohn lebten zunächst zwei Jahre lang in einem Auffanglager in Hannover.

Er: „Sie hat mich eingekesselt.“

Später zog es Weniger mit einem Freund für ein paar Tage nach Ostfriesland, um der gemeinsamen Leidenschaft zu frönen: dem Angeln. Sein Begleiter hatte dort eine Freundin. Es war die Nichte seiner späteren Frau Gertrude. Und so kam es, dass sich beide im privaten Kreis näher kamen. „Ans Tanzengehen war damals nicht zu denken“, sagen die Eheleute im Rückblick.

Klaus-Dieter Weniger sitzt der Schalk im Nacken, wenn er von dieser Zeit erzählt. „Sie hat mich eingekesselt“, sagt der 82-Jährige mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Dem will seine zwei Jahre jüngere Frau aber nicht ohne Weiteres zustimmen. „Es hat erst gedauert, bis es richtig gefunkt hat“, sagt sie. Danach habe sie ihn aber „nicht mehr loslassen wollen“. Beide blieben zusammen und zogen nach Emden.

Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor

1961 kam der erste von vier Söhnen zur Welt, von denen das Paar einen durch Tod verloren hat. Die anderen leben alle in ihrer unmittelbaren Umgebung. Zu den Gratulanten am Ehrentag gehören außerdem sechs Enkel- und vier Urenkelkinder.

Ihren Haushalt versorgen Klaus-Dieter und Gertrude Weniger noch weitgehend selbst, obwohl beide leicht pflegebedürftig sind.

Beruflich hat der Ehejubilar vieles gemacht. Er arbeitete unter anderem auf dem Bau und bei Volkswagen in Emden. „Ich habe alles durch“, sagt der 82-Jährige. Seine Frau verdiente sich als Reinigungskraft etwas nebenbei und kümmerte sich um die Kinder. Und um die Küche: Denn ihr Mann brachte stets jede Menge Fisch mit nach Hause, wenn er vom Angeln gekommen war oder seine Reusen in der Emsmündung geleert hatte. „Was meine Frau in ihrem Leben an Fisch gebraten hat, kriegt man nicht einmal in einen Lkw“, sagt der Senior.

Lange Ehe ist „wie ein Doppelknoten“

Auf die Frage nach einem Rezept für ein langes Eheleben, bemüht er den Vergleich mit einem Doppelknoten, „der nur schwer zu trennen ist“. Seine Frau ist etwas realistischer. Sie sagt, dass es „manchmal auch nicht leicht gewesen“ sei, aber beide sich „immer wieder zusammengerauft haben, wenn es mal knifflig wurde.“

Das Angeln hat der Ehejubilar wegen seiner körperlichen Gebrechen aufgeben müssen. Aber die Erinnerungen an frühere Zeiten werden sicherlich wieder aufleben, wenn das Paar am Sonnabend im Kreise der Familie seine diamantene Hochzeit bei einem gemeinsamen Essen feiert. Sein Kommen zugesagt hat auch der Freund, mit dem der Ehejubilar damals zum Fischen nach Ostfriesland kam. Und neben viel Anglerlatein wird man sich wohl auch vom besten Fang des Lebens erzählen.

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