Krankheit
Kaum Grippe in Ostfriesland: Was hat das mit Corona zu tun?
Die Infektionszahlen bei der Grippe sind eingebrochen. Ein Leeraner Arzt empfiehlt dennoch die Impfung gegen das Influenza-Virus – vor allem für bestimmte Gruppen.
Leer - Angesichts der Corona-Pandemie gerät sie immer wieder aus dem Fokus, doch sie ist noch da: die Grippe. Diese kann gerade für vorerkrankte Menschen gefährlich werden. „Für gefährdete Menschen ist sowohl eine Infektion mit Corona als auch mit der Grippe gefährlich“, sagt der Leeraner Onkologe und Palliativmediziner Lothar Müller. Als Experte für Krebserkrankungen befasst er sich auch mit Risikofaktoren. Dazu gehören Atemwegserkrankungen. Seiner Meinung nach sollte man sich gerade jetzt gegen die Grippe impfen lassen. Deshalb bietet er in der Onkologie Unterems in Leer auch Grippeschutzimpfungen an. Doch wie hat sich die Grippesituation eigentlich entwickelt? Und warum sorgt gerade Corona dafür, dass die kommende Grippewelle eine große Unbekannte ist?
Was und warum
Darum geht es: Trotz geringer Infektionszahlen bietet ein Leeraner Onkologe Grippeimpfungen an
Vor allem interessant für: Medizininteressierte und Vorerkrankte
Deshalb berichten wir: Die Zahlen mit Grippeinfizierten sind eingebrochen Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Die gute Nachricht vorweg: Während der aktuellen Welle ist noch kein Ostfriese an der Grippe verstorben. Insgesamt gab es in der aktuellen Saison 142 laborbestätigte Influenzafälle in Niedersachsen, so das Landesgesundheitsamt. „In der jetzigen Influenza-Saison verzeichnen wir bislang sehr niedrige Fallzahlen und rechnen aktuell auch nicht mehr mit einem höheren Influenza-Geschehen“, sagt Holger Scharlach vom Landesgesundheitsamt.
Einbruch bei Infektionszahlen
Generell sind die Zahlen im Jahresvergleich sowohl für die Infektionen als auch für die Todesfälle rückläufig. Hier hat die Corona-Pandemie einen enormen Einfluss. Gab es im Jahr vor der Pandemie noch 10.723 bestätigte Fälle in Niedersachsen, waren es in der Saison 2020/2021 nur noch 41 Fälle. „Alle Atemwegserkrankungen haben während der Pandemie abgenommen. Das liegt vor allem an den Abstandsregeln und daran, dass Veranstaltungen nicht stattfanden“, sagt der Leeraner Onkologe Lothar Müller.
Hierin kann jedoch auch ein Problem für die Zukunft liegen. „Ein Teil der Bevölkerung hat immer einen Grundschutz, da er schon einmal mit einem ähnlichen Erreger in Berührung kam“, erklärt ein Sprecher des Landesgesundheitsamts. Hier liege auch der große Unterschied zu Corona. Da dieses Virus neu ist, gibt es keine Grundimmunität. Wenn aber die Zahlen bei Grippeinfektionen überall sinken, sinkt auch die Zahl derjenigen, die aufgrund einer früheren Infektion immun sind. „Es hieß im Herbst des vergangenen Jahres, dass die Grippewelle schlimm ausfallen könnte und das ist nicht eingetreten“, sagt der Sprecher. Genau hier liegt aber auch die Herausforderung für die Impfstoffentwicklung.
Südhalbkugel entscheidend
Zwar sei laut Robert-Koch-Institut eine genaue Prognose nicht möglich, aber es gibt Anhaltspunkte. „Die Datenlage für die kommende Saison ist dünn“, so der Leeraner Arzt. Er betont aber auch, dass Grippeviren sehr gut bekannt sind. „Es wird jedes Jahr geguckt, wie sich das Grippevirus entwickeln könnte. Das basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung“, sagt er. Das bestätigt auch das Landesgesundheitsamt.
Wie sich die kommende Grippewelle entwickelt, kann man zudem erst im Sommer absehen. Wenn in Europa Sommer ist, herrscht auf der Südhalbkugel Winter. Der dann im Süden vorherrschende Grippeerreger ist einer der Hauptindikatoren dafür, wie sich die Grippe auf der Nordhalbkugel entwickeln könnte. Lothar Müller rät vor allem Krebspatienten jetzt dazu, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. „Krebspatienten erfüllen mehrere Risikofaktoren“, so Lothar Müller. Und das gilt für Corona und die Grippe.