Energie

In Delfzijl soll eine Fabrik für grünes Gas entstehen

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 10.02.2022 15:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Erdgasförderung sorgt in der Provinz Groningen seit langem für Probleme durch Erdbeben. Foto: Dejong/AP/DPA
Die Erdgasförderung sorgt in der Provinz Groningen seit langem für Probleme durch Erdbeben. Foto: Dejong/AP/DPA
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Die Erdgasförderung sorgt in der Provinz Groningen seit langem für Erdbeben. Um sich von fossilen Rohstoffen unabhängig zu machen, planen zwei Firmen nun ein 60-Millionen-Euro-Projekt in Delfzijl.

Delfzijl - Mit einem neuen Projekt wollen der staatliche Energiekonzern Gasunie und das Unternehmen Perpetual Next die Gasversorgung in den Niederlanden umweltfreundlicher machen: Im Chemiepark in Delfzijl, direkt an der Ems, soll in den kommenden Jahren eine Fabrik für grünes Gas entstehen, wie Gasunie am Donnerstag mitteilte. Der Bau solle voraussichtlich im Herbst dieses Jahres beginnen, in Betrieb gehen könne die Anlage dann 2024. Die Investitionen, die noch beschlossen werden müssen, sollen sich in der ersten Phase des Projekts laut Mitteilung auf etwa 60 Millionen Euro belaufen. 15 Arbeitsplätze sollen zunächst am Standort geschaffen werden.

In der Fabrik sollen Grünabfälle und Holzreste, die mit Binnenschiffen angeliefert werden, mittels der sogenannten Torrefizierung – einem Prozess, bei dem die Biomasse geröstet wird – zu einem erneuerbaren Rohstoff verarbeitet werden. Aus diesem wiederum könne synthetisches Gas hergestellt werden, das die Basis für grünes Gas bilde, welches Erdgas in der Qualität nicht nachstehe, wie Gasunie mitteilte. Der Vorteil dieses Verfahrens sei, dass man sich von fossilen Rohstoffen unabhängig mache.

Gasförderung sorgte in Groningen zuletzt für viele Proteste

Die Erdgasförderung sorgt in der niederländischen Provinz Groningen seit Jahrzehnten für Erdbeben – und damit für großen Unmut in der Bevölkerung. Zuletzt waren in der Provinzhauptstadt zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen eine geplante Erhöhung der Fördermenge zu protestieren. Der damalige niederländische Wirtschafts- und Klimaminister Stef Blok hatte dem Parlament in Den Haag Anfang Januar mitgeteilt, dass die Menge von 3,9 auf 7,6 Milliarden Kubikmeter Gas erhöht werden müsse – unter anderem, um den Bedarf aus Deutschland stillen zu können. Dabei wurde der Ausstieg aus der Förderung in Groningen zum Ende des kommenden Jahres bereits von der Regierung beschlossen.

Gasunie und Perpetual Next wollen mit ihrer neuen Fabrik eine alternative zum Erdgas in Groningen liefern: „Es ist schön, zu sehen, dass diese Region auf diese Weise erneut Gas liefern kann, aber dann auf zukunftsfähige Art“, wird Martijn van Rheenen, Mitgründer von Perpetual Next, in der Mitteilung von Gasunie zitiert. Sein Unternehmen hatte bereits im November vergangenen Jahres mitgeteilt, dass es mit Gasunie ein Gemeinschaftsunternehmen gründe, um das „Torrgas“ genannte Projekt in Delfzijl umzusetzen. Das Ziel des Pariser Klimaabkommens sei es, bis zum Jahr 2030 etwa zwei Milliarden Kubikmeter grünes Gas zu produzieren, so Elco Vermeulen, Verwaltungsratsmitglied bei Gasunie. Die Fabrik in Delfzijl soll nach Angaben des Energiekonzerns ab 2024 zunächst zwölf Millionen Kubikmeter pro Jahr liefern. Perspektivisch könnten 40 Millionen und später 120 Millionen Kubikmeter werden.

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