Demografie
Wohnraum-Mangel: Workshop in der Krummhörn geplant
Weil Bauplätze und bestehender Wohnraum in der Krummhörn knapp sind, soll es nun einen Workshop zu dem Thema geben. Wir haben die Politik gefragt, welche Probleme und Lösungen sie da einbringen will.
Krummhörn - Immer wieder wird in der Krummhörn der mangelnde Wohnraum beklagt. Das Thema ist jedoch vielseitig und die Liste an damit zusammenhängenden Problemen und Lösungsansätzen lang. Darum soll es nun einen gemeinsamen Workshop von Politik und Verwaltung geben, in dem sich beide ausführlich in der Sache austauschen wollen. Das kündigte Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) kürzlich im Infrastrukturausschuss des Rates an. Wie Gemeindesprecher Fritz Harders auf Nachfrage mitteilt, wurde für das Treffen der 26. März festgesetzt. „Es wird noch vorbereitet. Insoweit lässt sich noch nicht sagen, welche Unterthemen auf die Tagesordnung kommen.“ Unsere Zeitung hat jedoch schon mal bei den einzelnen Ratsfraktionen nachgefragt, worüber sie gerne sprechen möchten.
Was und warum
Darum geht es: Die Gemeinde und die Politik wollen sich bald einen Tag lang zusammensetzen, um grundsätzlich über die Wohnraumprobleme in der Krummhörn zu sprechen.
Vor allem interessant für: Personen auf der Suche nach bezahlbaren Grundstücken und Mietwohnungen
Deshalb berichten wir: Der Workshop war neulich im Infrastrukturausschuss des Rates angesprochen worden. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Das Ergebnis: Zwar werden auch Bauplätze gefordert, aber vor allem die Schaffung von bezahlbaren Mietwohnungen ist der Krummhörner Politik wichtig. Davon gibt es derzeit viel zu wenige, betont unter anderem CDU/SWK-Gruppenchef Roelf Odens. Das sei nicht nur für diejenigen ein Problem, die zuziehen wollen, sondern auch für Einheimische. Zum Beispiel für Alleinerziehende oder getrennte Paare, die ihre Häuser verkaufen müssen. Für Investoren bleibe es unterdessen lukrativer, Ferienwohnungen anstelle von bezahlbarem Dauerwohnraum zu schaffen, ärgert sich Odens. Daher müsse man über Alternativen nachdenken, wie die Zusammenarbeit mit einer externen Wohnungsbaugesellschaft. Wenn die Gemeinde hingegen eine eigene Gesellschaft gründe, müsse ein vernünftiges Gebäudemanagement her, um alles in Schuss zu halten. So oder so sei es ratsam, das Krummhörner Bauamt personell aufzustocken und eine neue Ingenieursstelle zu schaffen, so Odens weiter.
Das sagen SPD und FBL
Eine Genossenschaft hält auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Alfred Jacobsen für sinnvoll. Zuerst sollte man sich seiner Meinung nach aber von einer bestehenden Gesellschaft beraten lassen und die Frage klären, ob die Gemeinde vielleicht doch zu klein für eine eigene ist oder ob man die Bauaufgaben an eine kommunale Tochtergesellschaft ausgliedern kann. Ansonsten blickt auch Jacobsen auf eine Zusammenarbeit mit einem externen Partner. Geht es nach FBL-Fraktionschef Heiko Ringena, so sollte man über die Umgestaltung von nicht mehr genutzten Gulfhöfen nachdenken. Noch immer warte die Politik auf ein entsprechendes Kataster von der Gemeinde. Wenn das vorliege, könne man über weitere Schritte nachdenken. Ringenas Vision: Man könnte in großen landwirtschaftlichen Gebäude viele kleine Wohnungen bauen. Immerhin wäre dies nach außen hin optisch auch ein „riesiger Unterschied“ zu einer regulären Mietskaserne.
Was junge Familien angeht, die bauen wollen, so sei die Situation schon schwieriger, da es an Flächen fehle. Darum müsse mehr in zweiter Reihe gebaut werden. Ringena erinnert an die zurückliegende Änderung des Bebauungsplans im Bereich Klaus-Störtebeker-Straße / Edzard-Cirksena-Straße in Greetsiel, die es beispielsweise Eltern erlauben sollte, ihre Kinder mit auf dem eigenen Grundstück bauen zu lassen. Das Vorhaben scheiterte zwar, weil Investoren die Regelung ausnutzten, um Häuser abzureißen und Mehrparteienhäuser mit Ferienwohnungen hinzustellen, weshalb der Bebauungsplan nun erneut bearbeitet werden soll. Die Grundidee findet Ringena aber weiterhin gut. Man müsse nächstes Mal nur mit den richtigen Beschränkungen arbeiten, ist er sich sicher. Darüber hinaus gelte es schließlich noch, seit vielen Jahren brach liegende Flächen zu reaktivieren. Zwar könne man die Besitzer nicht nachträglich zur Bebauung zwingen. Man hoffe allerdings auf eine baldige Gesetzesänderung.
Grüne und AfD
Bevor überhaupt irgendwas gemacht wird, sollte es laut dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Garrelt Agena erst einmal eine Bestandsaufnahme geben. Wo in der Gemeinde gibt es schon wie viel sozialen Wohnraum? Wie hoch ist der Bedarf genau? Welche Grundstücke eignen sich für entsprechende Bauprojekte? Das seien Fragen, die die Verwaltung der Politik beantworten müsse. Was die Ausweisung neuer Baugebiete angeht, soll darüber hinaus an den eigenen Erbbaugrundstücken festgehalten werden. Das war auch in der jüngsten Sitzung des Infrastrukturausschusses Thema, wo schon das Krummhörner Bauamt zu diesem Schritt riet.
Einzelratsherr Jan Looden (AfD) schließlich rückt vor allem die Schaffung von neuem Wohnraum in Greetsiel und Pewsum in den Fokus. Das Angebot müsse dort „massiv vergrößert“ werden, schreibt er. Andernfalls müsse man sich auch nicht über den zunehmenden Bevölkerungsschwund wundern.