Justiz

Baby in Emstek totgeschlagen: Täter muss 13,5 Jahre ins Gefängnis

Franz-Josef Höffmann
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Von Franz-Josef Höffmann
| 11.02.2022 15:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Urteil fiel am Landgericht Oldenburg. Foto: Assanimoghaddam/dpa
Das Urteil fiel am Landgericht Oldenburg. Foto: Assanimoghaddam/dpa
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In Emstek hat ein Mann das Baby seiner Freundin totgeschlagen – davon ist das Landgericht Oldenburg überzeugt. Der Täter muss 13,5 Jahre ins Gefängnis. Der Richter sprach von einer erbärmlichen Tat.

Oldenburg - Die Tat war brutal und grausam. Entsprechend deutlich ist am Freitag im Prozess um ein gestorbenes Baby das Urteil gegen den Angeklagten ausgefallen. Die Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichts unter Vorsitz von Richter Sebastian Bührmann schickte den früheren Lebensgefährten der Mutter des Kindes wegen Totschlags für dreizehneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Damit überbot die Kammer den Antrag der Staatsanwaltschaft noch um zweieinhalb Jahre. Das Gericht war davon überzeugt, dass der 24-Jährige in den Mittagsstunden des 3. März vorigen Jahres in einer Gemeinschaftsunterkunft in Emstek (Kreis Cloppenburg) das drei Monate alte Mädchen zunächst heftig geschüttelt und dann das Köpfchen mit voller Kraft und großer Wucht mehrmals gegen eine Wand oder auf eine Tischplatte geschlagen hatte.

Mediziner waren fassungslos

Der Schädel des Babys wies schwerste Verletzungen auf. So etwas hätten sie in ihren 40 Dienstjahren noch nicht gesehen, sagten die Mediziner. Der Säugling war nicht mehr lebensfähig. Das Mädchen musste drei Tage nach der fürchterlichen Tat – medikamentös begleitet – in den Tod geführt werden. „Es ist so erbärmlich und traurig“, sagte Richter Bührmann. Der Tod sei letztlich ein Segen für das Kind gewesen, eine Erlösung.

Der Angeklagte, der in Emstek als Geflügel-Ausstaller beschäftigt war, war nach der Tat geflohen. Während des Gerichtsprozesses hatte er bis zum Schluss geschwiegen. In letzter Sekunde ergriff er dann doch noch das Wort und lastete das grauenvolle Geschehen der Mutter des Kindes an. Mit ihr habe er sich an dem Tag in der gemeinsamen Wohnung gestritten.

Kein Unfall – schiere Gewalt eines Erwachsenen

Es sei darum gegangen, dass er mit seinem Handy heimlich aufgezeichnet habe, wie schlecht sie mit ihrer kleinen Tochter umgegangen sei. Das habe seine damalige Lebensgefährtin auf die Palme gebracht. Nach dem Streit sei sie mit dem Baby auf dem Arm türenknallend ins Schlafzimmer gegangen. Drei Minuten später habe das Kind so gut wie tot im Arm der Mutter gelegen, so der 24-Jährige.

Das Gericht glaubte ihm kein Wort, zumal der Angeklagte bei der Polizei etwas ganz anderes ausgesagt hatte. Der Mutter, die ein Alkoholproblem hat, traute keiner eine derartige Gewalttätigkeit zu. Der Staatsanwalt sprach von einer Brutalität „schlichter Art“. Der Angeklagte hat das Baby brutal totgeschlagen, da war sich das Gericht ganz sicher. Einen Unfall als Ursache schlossen die Richter angesichts der schweren Schädelverletzungen aus. Es habe sich um schiere Gewalt eines Erwachsenen gegen ein Baby gehandelt.

Das genaue Motiv für die Tat ist nicht ganz klar. Eifersucht und Alkohol spielten wohl eine Rolle. Auch die Arbeit als Geflügel-Ausstaller, die einer „modernen Sklaverei“ gleichkomme, könnte den Angeklagten überfordert haben, sagte Richter Sebastian Bührmann.

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