Stadtentwicklung

Emden: Denkmalschutz bremst Apollo und Waage aus

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 11.02.2022 16:56 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So könnte das Apollo nach den ersten Entwürfen der Investoren künftig aussehen. Grafiken: Stadt Emden
So könnte das Apollo nach den ersten Entwürfen der Investoren künftig aussehen. Grafiken: Stadt Emden
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Die Weichen sind gestellt, aber die Wiederbelebung zweier markanter Gebäude in exponierten Lagen der Innenstadt lässt noch auf sich warten. Das hat mehrere Gründe.

Emden - Die Wiederbelebung des ehemaligen Apollo-Kinos und der Alten Waage im Zentrum von Emden lässt noch auf sich warten. Die Weichen für eine neue Nutzung beider städtischen Immobilien hatten Rat und Verwaltung der Stadt zwar schon im Mai des vergangenen Jahres gestellt, zuletzt war es aber - zumindest öffentlich - still darum geworden. Viele Emderinnen und Emder fragen sich deshalb, wann dort etwas passiert.

Was und warum

Darum geht es: die Zukunft zweier markanter Gebäude in Emden, von denen Strahlkraft für das Stadtzentrum ausgehen soll

Vor allem interessant für: alle, die sich für alte Gebäude und für die Entwicklung der Emder Innenstadt interessieren

Deshalb berichten wir: Die Stadtverwaltung hat am Mittwoch im Fachausschuss des Rates über den aktuellen Stand der Planungen berichtet. Wir haben die Sitzung verfolgt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Klare Antworten darauf gibt es bislang nicht, denn die Planungen ziehen sich hin. Die größte Hürde bei den Millionen-Projekten sei der Denkmalschutz, sagte Chef-Stadtplaner David Malzahn am Donnerstag im Ratsausschuss für Stadtentwicklung. Die Verträge mit den Investoren zum Verkauf und zu städtebaulichen Dingen liegen seinen Angaben zufolge zwar in Entwürfen vor, können aber erst geschlossen werden, wenn alles geklärt ist.

Mietvertrag ist weiteres Hindernis

Im Fall der Alten Waage, die am Neuen Markt und damit an einer der zentralsten Plätze des Zentrums steht, gibt es noch ein weiteres Hindernis. Der rechtmäßige Mietvertrag für den Ein-Euro-Shop im Erdgeschoss dieses Gebäudes läuft nämlich regulär erst Ende 2023 aus.

Die Alte Waage am Neuen Markt soll ein neues "Make-up" erhalten.
Die Alte Waage am Neuen Markt soll ein neues "Make-up" erhalten.

Noch sei unklar, ob sich die Stadt als Noch-Eigentümerin und die Betreiber dieses Geschäftes auf ein vorzeitiges Ende des Vertrages einigen können, sagte Malzahn. Dazu müssten noch Gespräche geführt werden. Die Stadt habe auch Möglichkeiten, die Inhaber bei der Suche nach einem neuen Standort und beim Umzug zu unterstützen. Allerdings könnten die Betreiber auch darauf bestehen, die jetzigen Flächen bis Ende 2023 zu nutzen.

Denkmalschutz muss Status klären

Offene Fragen gibt es bei der Waage auch in Sachen Denkmalschutz. Die zuständigen Stellen müssen zunächst nämlich den Status des Gebäudes klären. Aussagen der Landesdenkmalschutzbehörde dazu erwartet die Stadt bis Mitte März. Erst danach könnten die Planungen und die Abstimmungen mit dem Investor fortgesetzt werden. „Wir müssen noch eine Runde drehen“, sagte Malzahn. Es gehe darum, an dieser exponierten Lage des Zentrums „das Bestmögliche zu machen“.

Den Zuschlag für die Waage hatte im vergangenen Jahr das Konzept der Nordmann-Gruppe erhalten. Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Wildeshausen, das mit Getränken handelt und Gastronomie betreibt, will im Erdgeschoss ein Brauhaus etablieren. In den Obergeschossen sollen Büroflächen und Stadtwohnungen entstehen.

Auch beim Apollo ist‘s kompliziert

Kompliziert scheint das Thema Denkmalschutz auch beim Apollo-Theater zu sein, obwohl der Teufel in diesem Fall laut den Fachleuten eher im Detail liegt. Eine Investorengruppe um den Emder Unternehmer und Projektentwickler Udo Fuhrmann plant, unter dem Namen „Teeater“ eine Kombination aus Teehaus und Kleinkunstbühne im großen Saal des ehemaligen Kinos umzusetzen. Im hinteren Teil sollen seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen sowie eine Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Teilhabebeschränkung entstehen.

Die Investoren mussten ihre ursprünglichen Pläne noch einmal überarbeiten. Auch die Belange des Denkmalschutzes seien noch nicht abschließend geklärt, heißt es. Ziel soll es demnach sein, so viel wie möglich von der Gebäudesubstanz und des Rauminhaltes zu erhalten. „Das alte Apollo soll als solches auch wiedererkennbar sein“, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz. Ende dieses Monats wollen sich Stadt und Investoren erneut abstimmen und die nächsten Schritte erörtern. Dazu Krantz: „Wir sind miteinander auf einem guten, konstruktiven Weg.“

Mittelweg muss gefunden werden

Es geht darum, die Anforderungen des Denkmalschutzes mit den wirtschaftlichen Interessen der Investoren in Einklang zu bringen und einen Mittelweg zu finden. „Wenn es passt, kann es sehr schnell gehen“, sagte Malzahn. Sobald es eine Einigung gibt. Auf ein langwieriges Bauleitverfahren für das Apollo-Theater soll nach Möglichkeit verzichtet werden. Unter Umständen könne der Bauantrag noch in diesem Jahr eingereicht werden.

Der Chef-Stadtplaner und einige Politiker im Ausschuss zollten den Investoren beider Projekte „großen Respekt, sich daran zu trauen“. Sie hätten sich „nicht die einfachsten Gebäude, sondern die schwersten und herausforderndsten ausgesucht“.

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