Stadtgestaltung
Rote Linie und Leitsystem: In Aurich verirrt sich bald keiner mehr
Am Donnerstag hat die Politik in Aurich die Ideen der Citymanagerin für die Innenstadt befürwortet. Von einem Popup-Store bis zu Balanciergeräten ist alles dabei. Nur eines wurde beklagt.
Aurich - Grünes Licht für das Programm zur Belebung der Auricher Innenstadt: In einer gemeinsamen Sitzung der Fachausschüsse Wirtschaftsentwicklung und Stadtsanierung sind am Donnerstagabend in der Stadthalle elf Vorhaben befürwortet worden. Über jeden Punkt wurde einzeln abgestimmt. Lediglich die Grünen-Fraktion lehnte alle Vorhaben ab, ansonsten gab es wechselnde, aber immer deutliche Mehrheiten.
Citymanagerin Vicki Janssen hatte die Ideen vorgestellt. Darunter war als Herzstück die optische Aufwertung des Marktplatzes. Außerdem soll der Pferdemarkt besser an die Innenstadt angebunden werden. Wir stellen die elf Projekte vor, verbunden mit den Bedenken, die von Seiten der Politik vorgebracht wurden. Auf Antrag von Bodo Bargmann (CDU) gab es eine Änderung der eigentlichen Pläne: Anstelle von ursprünglich 160.000 Euro für den Marktplatz sollen dafür jetzt 260.000 Euro ausgegeben werden.
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Der Stadt stehen insgesamt rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. 90 Prozent davon stammen aus EU-Mitteln und fließen als Zuschüsse des Landes aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“. Damit will man Folgen der Corona-Pandemie für die Stadtzentren abmildern. Es ist Druck auf dem Kessel: Die Projekte müssen bis Ende März 2023 umgesetzt werden.
1. Pferdemarkt: Die Pferdemarktkreuzung soll besser an das Zentrum angebunden werden. In dem ehemaligen Nix-wie-hin-Gebäude errichtet die Schomaker-Baugruppe aus Dörpen derzeit ein Einkaufscenter, das Ende 2022 an den Lebensmittelkonzern Bünting übergeben wird. Das Unternehmen will dort einen Combi-Markt eröffnen. Citymanagerin Vicki Jassen geht davon aus, dass viele Auricher nach einem Besuch dort noch in der Fußgängerzone flanieren werden. Der Pferdemarkt soll deshalb attraktiver gestaltet werden, und zwar durch die Entsieglung einiger Teilflächen und das Anlegen von Beeten. Die Wege für Fußgänger und Radfahrer sollen klar voneinander getrennt werden. Die Bedenken der Politik: Gefährdung der Bäume durch Ausschachtungsarbeiten. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) zerstreute die Sorge: „Das ist eine Aufwertung, keine Abwertung.“ Die Maßnahme sei mit der zuständigen Abteilung beim Bauamt abgesprochen.
2. Roter Faden: Um den Weg in die Innenstadt optisch sichtbar zu machen, soll eine rote Linie mit einer QR-Codierung auf das Pflaster gemalt werden. Außerdem möchte man für 4000 Euro sogenannte Anlehnstangen für Jugendliche anschaffen. Das sind rondellartige Gebilde aus Edelstahl, die einer Clique als Versammlungspunkt dienen können. Die Bedenken der Politik: Die Farbe der Linie verblasse schnell, man müsse wahrscheinlich jährlich nachstreichen.
3. Marktplatz: Der Marktplatz soll ein pulsierendes Zentrum für Begegnungen zwischen Menschen werden. Um dieses Ziel zu befördern, hat Citymanagerin Vicki Janssen eine Reihe von Aktionen im Köcher: Begrünung durch das Aufstellen von Kübeln mit Bäumen, Dekoration der Schaufenster bei Leerstand sowie die Anschaffung eines 3D-Druck-Stadtmodells von Aurich. Ein Ladenlokal mit Grundeinrichtung soll kurzfristig genutzt werden können. Das Angebot richtet sich an Startups oder an Kaufleute, die eine neue Geschäftsidee ausprobieren möchten.
4. Schließfächer in der Markthalle: Dieses Angebot richtet sich vor allen Dingen an Fahrradfahrer, die ihren Helm oder ihre Taschen irgendwo unterbringen möchten, wenn sie ihre Einkäufe erledigen. Bedenken: Einige Politiker wünschten sich ein großzügigeres Konzept, nämlich eine Fahrradgarage. „Einen Helm kann ein Radfahrer überall unterbringen. Er möchte aber vor allem sein hochwertiges Rad sicher irgendwo platzieren“, regte Volker Rudolph (Grün-Alternative Politik) an. Vicki Janssen verwies darauf, dass man das mit einem anderen Förderprogramm realisieren könnte.
5. Fußgängerleitsystem: Tafeln mit Stadtplänen sollen Touristen die schnellere Orientierung in einer Stadt ermöglichen. Außerdem möchte die Verwaltung die Ausgänge in den Tiefgaragen besser kennzeichnen.
6. Social-Media-Strategie: Alle digitalen Kanäle (Facebook, Instagram und co.), die für Aurich relevant sind, sollen bespielt werden. Herzstück ist eine 3D-Visualisierung der Innenstadt. In dieses System könne sich jedes Geschäft einklinken. So könne der Kunde sich am Computer zu Hause mit einem Mausklick Zugang zum Ladenlokal verschaffen, die Produkt-Palette entlangscrollen und eine Auswahl treffen. „Die Ware wird vom Sofa aus im Geschäft bestellt und dann dort abgeholt, sobald sie geliefert worden ist“, sagte Vicki Janssen. Außerdem möchte die Stadt einen Social-Media-Stammtisch einrichten sowie einen Wettbewerb für das Format Teleshopping Ostriesland ausloben.
7. Balanciergeräte: Als Ergänzung zu den Spielgeräten auf dem Georgswall sollen dort weitere angeschafft werden, unter anderem ein Schlupftunnel und ein Slack-Jack, ein in 35 Zentimeter Höhe angebrachtes Balanciertau. Die Geräte richten sich laut Vicki Janssen vor allen Dingen an kleinere Kinder. Bedenken der Politik: Wer übernimmt die Pflege? Die würden als Wartungskosten im Haushalt der Stadt eingestellt, hieß es.
8. Die Stiftsmühle: Bei der „touristischen Attraktion der Stadt“ sollen Erklärtafeln und Bänke aufgestellt werden. In Form von Spielgeräten will man die Mühlentechnik erläutern. Bedenken der Politik: Die zusätzlichen Investitionen seien überflüssig, weil die Mühle bereits alles biete, was erforderlich sei, um Besucher zu faszinieren. Dieses Potenzial müsse nur zum Leben erweckt werden.
9. Workout-Geräte: Auf dem Großen Sett sollen Workout-Geräte aufgestellt werden. Sie richten sich an Jugendliche und Erwachsene. „Wir haben dabei auch an die Wohnmobilisten gedacht, die in der Nähe ihren Stellplatz haben“, sagte Vicki Janssen. Die Erfahrung zeige, dass sie um so länger in einer Stadt blieben, je mehr sie geboten bekämen.
10. Lohnkosten: Citymanagerin Vicki Janssen ist ebenfalls als Aktivposten in dem Paket enthalten.
11. LED Video Walls: Drei elektronische Anzeigetafeln sollen an den Ortseingängen aufgestellt werden. Die Verwaltung möchte sie komplett werbefrei halten und auf wichtige Ereignisse der Stadt hinweisen wie etwa auf das Weinfest oder den Weihnachtsmarkt.