Naturschutz

Fast 20.000 Euro für die Blutbuchen-Rettung

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 15.02.2022 18:27 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ende Mai 2021 wurde die Blutbuche gefällt. Foto: Ortgies/Archiv
Ende Mai 2021 wurde die Blutbuche gefällt. Foto: Ortgies/Archiv
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Rund drei Jahre lang haben Auricher für den Erhalt einer riesigen, aber kranken Blutbuche am Carolinengang gekämpft. Nun liegen die Kosten offen – darunter sogar welche für nicht geleistete Arbeit.

Aurich - Rund drei Jahre lang haben sich Baumschützer für die Rettung der vom Brandkrustenpilz befallenen Blutbuche am Auricher Carolinengang eingesetzt. Am Ende vergeblich. Ende Mai vorigen Jahres musste der kranke, 140 Jahre alte Baum doch weichen. Gute 19.000 Euro hat der gescheiterte Versuch, den Baum zu erhalten, am Ende gekostet. Das geht aus einer Kostenaufstellung hervor, die die Stadtverwaltung auf Antrag der CDU-Fraktion im Stadtrat gemacht hat und die unserer Redaktion vorliegt. Monatelang hatte das Tauziehen um die Zukunft der Blutbuche die Stadt in Atem gehalten. Das Papier listet insgesamt 14 Punkte auf – und darunter finden sich auch Kosten, die durch gar nicht erbrachte Leistungen entstanden sind: Allein rund 1500 Euro kamen dadurch zusammen, dass die Firma Gala-Bau Krummhörn am 30. Juni 2018 anrückte, weil sie beauftragt war, den Baum zu fällen, ehe der Beschluss kurzfristig doch noch gekippt wurde.

Was und warum

Darum geht es: Die Stadt Aurich hat die Kosten für die versuchte Rettung der Blutbuche im Carolinengang offengelegt.

Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher Aurichs, Gäste der angrenzenden Restaurants sowie Naturschutzbewusste

Deshalb berichten wir: Die CDU-Fraktion im Auricher Stadtrat hatte die Offenlegung der Kosten für die versuchte Rettung der Blutbuche bei der Verwaltung beantragt. Die Aufstellung liegt unserer Redaktion vor.

Den Autor erreichen Sie unter: o.cordsen@zgo.de

Allein gut 1300 Euro kosteten zwei Gutachten aus Frühjahr und Sommer 2018, die zum ersten Beschluss, den Baum zu fällen, führten. Rund 200 Euro davon kostete die Unterrichtung des Verwaltungsausschusses durch einen Gutachter Ende Juni 2018. Wie viel Geld die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba) in die Hand nahm, die ein alternatives Gutachten erstellen ließ, blieb zunächst unklar. Infolgedessen wurde die Fällung aber rückgängig gemacht.

9300 Euro für Untersuchungen, Erdanker und Seile

Stattdessen schloss der damalige Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst einen Vertrag mit dem Biba-Gutachter Andreas Block-Daniel (Bremen) darüber, den Baum regelmäßig zu untersuchen. Etwas mehr als 9300 Euro erhielt der Experte am Ende. Rund 3800 Euro davon für die Untersuchungen, etwa 5500 Euro dafür, dass er ein Erdanker-System mit Stahlseilen anbrachte, das den Baum vorm Umstürzen bewahren sollte. Bei der fünften und letzten Regelkontrolle des Baumes Ende Mai 2021 wurde dann offenkundig: Der Baum ist nicht mehr zu retten. Auf 6256 Euro beliefen sich die Kosten dafür, ihn am Ende zu fällen und den Schnitt zu entsorgen samt einer artenschutzrechtlichen Prüfung.

Zwischenzeitlich hatte die Biba das Grundstück von der Stadt erworben, um den Baum erhalten und pflegen zu können, nachdem die Stadt das Risiko nicht mehr tragen wollte, dass der Baum umknicken könnte. Die Versicherung der Stadt, der Kommunale Schadensausgleich, hatte die Verantwortung dafür abgelehnt. Dies geschah nur wenige Monate, bevor der Baum dann doch fallen musste. Für knapp 140 Euro Notargebühren wurde die Übertragung des Grundstückes im Juli 2021 rückabgewickelt. Daher hat die Biba nun auch keinen Einfluss mehr darauf, was mit dem Grundstück geschieht. Nach Informationen unserer Redaktion soll das Areal, auf dem die Blutbuche stand, neu gestaltet werden – mit aktuell noch unklaren Kosten.

Was kommt stattdessen?

Bevor das passieren kann, muss der Stumpf weg. Dafür kommen mindestens zwei Verfahren in Betracht. Der Baum kann mit Hilfe einer Stubbenfräse zermalmt werden. Eine rotierende Frässcheibe, die sich von oben auf den Kopf des Stumpfs setzt, zerkleinert das tote Holz Schicht um Schicht. Der Nachteil: Bei diesem Verfahren bestünde die Gefahr, dass Sporen des krankmachenden Pilzes freigesetzt werden und andere Bäume infiziert. Bei dem zweiten Verfahren würde der Wurzelballen ausgegraben. An der Stelle der Rotbuche soll ein neuer Baum gepflanzt werden. Wie Laura Rothe von der Stadt Aurich im Herbst auf Anfrage sagte, soll dies mit der geplanten Neugestaltung des Carolinengangs verbunden werden.

Die Biba hatte öffentlich gefordert, auf dem Areal entweder eine Eiche oder eine Linde zu pflanzen. „Wir möchten, dass dort ein möglichst großer Baum in die Erde gebracht wird“, sagte Biba-Sprecherin Cornelia Beukenberg seinerzeit. Der Baum solle möglichst viel Sauerstoff spenden. Eine Buche könne man an diesem Ort nicht mehr pflanzen, weil immer noch die Gefahr einer Infektion mit dem Pilz bestehe. Johann Stromann, Sprecher der Stadt Aurich, verwies darauf, dass es an der Stadt sei, darüber zu entscheiden. Die Biba habe keine Mitsprachemöglichkeit mehr. Laura Rothe sagte im Herbst, dass der erste Konzept-Entwurf für das Areal eine „erlebbare Grünfläche mit einem Platzcharakter“ vorsehe. Es soll ein Angebot für Kinder zum Spielen geben, aber auch für Erwachsene zum Verweilen.

Holzhändler bedauert Brennholz-Verwertung

Der Wiesmoorer Holzhändler Herbert Otte bedauert, dass aus dem Holz der Blutbuche nichts Bleibendes in Aurich geschaffen wurde: „Es ist unglaublich schade, dass der Baum einfach zu Brennholz zersägt worden ist. Auch das ist doch ein Baum mit Geschichte, und auch wenn das Holz von Pilzen befallen war: Das kann man ja behandeln. Aber es wäre doch ein tolles Zeichen gewesen, daraus auch Möbel zu bauen, die in Aurich hätten stehen können – vielleicht im Rathaus oder im Kreishaus. Aber so hätte man eine bleibende Erinnerung gehabt statt das Holz nun nur zu verfeuern“, sagte er kürzlich.

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