Gesundheit

30 Betten für Neurologie in Leer kommen

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 17.02.2022 17:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bald mit Neurologie: das Klinikum Leer bekommt mehr Betten. Foto: Archiv
Bald mit Neurologie: das Klinikum Leer bekommt mehr Betten. Foto: Archiv
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Lange wurde gestritten, jetzt ist es soweit. Das Sozialministerium hat bestätigt, dass es im Klinikum Leer künftig auch eine neurologische Abteilung geben wird.

Hannover/Leer - Die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens hat entschieden, dass das Klinikum Leer eine Fachabteilung für Neurologie mit 30 Planbetten einrichten kann. Das teilen die beiden SPD-Landtagsabgeordnete Johanne Modder (Bunde) und Sascha Laaken (Ostrhauderfehn) am Donnerstag zuerst mit.

Was und warum

Darum geht es: Seit Jahren arbeiten Politiker daran, dass am Klinikum in Leer eine Neurologie eingerichtet wird. Jetzt ist es soweit.

Vor allem interessant für: Menschen im Landkreis Leer.

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Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Das Sozialministerium bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung: „Wir können bestätigen, dass in dieser Woche die Entscheidung für eine Neuzulassung der Krankenhäuser in Lingen und Leer zur neurologischen Akutbehandlung getroffen wurde. Beide Kliniken haben in den letzten Jahren im Rahmen der Inneren Medizin neurologische Expertise aufgebaut. Mit der Neuzulassung der beiden Häuser wird der Zugang zu einer schnell erreichbaren Krankenhausbehandlung deutlich verbessert“, teilte Sprecher Oliver Grimm mit. Durch neue neurologische Versorgungsangebote in Leer und Lingen könnte für die Patientinnen und Patienten die Erreichbarkeitszeit für eine akute neurologische Behandlung nahezu halbiert werden, so der Sprecher.

In Leer löste diese Nachricht Jubel aus. Landrat Matthias Groote (SPD) freute sich: „Ich bin froh, dass diese Entscheidung endlich gefallen ist.“ Immerhin arbeite er seit fünf Jahren an der Ansiedelung und habe bereits mit drei Ministerinnen verhandelt. Die Neurologie, auf der auch Schlaganfallpatienten versorgt werden könnten, sei auch eine Qualitätssteigerung für den Landkreis Leer als Wohnort. Holger Glienke, Geschäftsführer des Klinikums Leer, äußerte sich am Donnerstag nicht zu der Nachricht. „Ich habe noch keinen offiziellen Bescheid erhalten“, sagte Glienke. Er wolle in der kommenden Woche Auskunft geben, wenn die Post vom Sozialministerium in Leer angekommen sei.

Klage an Emden befürchtet

„Ich freue mich, dass sich die Anstrengungen für den Standort Leer letztendlich ausgezahlt haben. Den Fehlbedarf an neurologischen Betten in der Region Weser-Ems können wir mit der nun feststehenden Planung stark verringern. Mein ausdrücklicher Dank gebührt der Gesundheitsministerin Daniela Behrens für diese mutige und richtige Entscheidung insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Klinikum Leer in den vergangenen Jahren sehr viel eigene Expertise im neurologischen Bereich aufgebaut und im nennenswerten Umfang bereits an der Versorgung von Schlaganfällen teilgenommen hat“, teilte Johanne Modder, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, am Donnerstag mit. Dabei hatte der niedersächsische Krankenhausplanungsausschuss noch Ende November 2021 zum dritten Mal in Folge die Ausbaupläne von Leer abgelehnt. Die Ministerin setzte sich nun über diese Entscheidung hinweg.

„Dies ist eine gute Nachricht im Kampf gegen die Folgen von Schlaganfällen. Mit der Entscheidung für eine Neurologie in Leer wird die Ministerin dem Umstand gerecht, dass es im Landkreis Leer große unterversorgte Bereiche gibt, von denen aus das nächste Krankenhaus mit einer Neurologie erreichbar ist. Die benachbarten Standorte sollten auf ihre angedrohten Klagen jetzt verzichten und die Entscheidung zum Wohle der Schlaganfallpatienten im Landkreis Leer akzeptieren“, teilte der Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion Ulf Thiele (Stallbrüggerfeld) mit. Im Vorfeld hatten die Kliniken in Emden und Westerstede mit einer Klage gedroht, sollte Leer den Zuschlag erhalten. Die Klage könnte eine aufschiebende Wirkung bei der Einrichtung der Neurologie haben. Klagen die anderen Kliniken müsste Leer also noch länger auf die Einrichtung warten. „Ich appelliere an die Vernunft aller Beteiligten. Eine Klage gegen die Entscheidung brächte nur Verlierer. Insbesondere die Schlaganfall-Patienten müssten weiterhin schlimme Konsequenzen tragen“, so Ulf Thiele. Die CDU im Kreis hatte 2020 in einer Petition für die Einrichtung der Neurologie 6.000 Unterschriften gesammelt.

„Vor dem Hintergrund, dass im Falle eines Schlaganfalls jede Sekunde zählt, ist die Entscheidung, auf wohnortnahe Angebote zu bauen, aber absolut richtig. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Klinikum Leer ideal zum Aufbau einer Neurologie geeignet ist. In Leer kann perspektivisch zudem der Fachkräftemangel effektiv bekämpft werden, da das Klinikum mit einer eigenen neurologischen Abteilung eine Weiterbildungsermächtigung für das Fachgebiet erhalten wird“, wird Sascha Laaken, SPD-Landtagsabgeordneter, zitiert.

Kritik an Entscheidung

Um die Einrichtung einer Neurologie hatte es jahrelang Streit gegeben. Besonders die Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden hatte eine Ansiedelung der Schlaganfallstation in Leer immer kritisiert. Auch die Krankenkassen in Niedersachsen teilten mit, dass sie die Entscheidung der Landesregierung, an den Krankenhäusern in Lingen und Leer zusätzliche neurologische Abteilungen aufzubauen, kritisierten.

Das Land habe dabei wesentliche Aspekte einer leistungsfähigen Schlaganfall-Versorgung außer Acht gelassen. Es setze sich über den Krankenhausplanungsausschuss beim Niedersächsischen Sozialministerium hinweg, der einer solchen Maßnahme wiederholt nicht zugestimmt hatte. „In dem Fachgremium sind über die Krankenkassen hinaus unter anderem auch die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft und die Kommunalen Spitzenverbände vertreten“, teilen die Kassen mit.

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