Osnabrück
Sturm in Niedersachsen: Warum Schulausfall statt Distanzunterricht?
In vielen Landkreisen in Niedersachsen fiel am Donnerstag die Schule ersatzlos aus. Warum werden die Schüler stattdessen nicht im Distanzunterricht betreut?
Sturmfrei für tausende Schüler: Am Mittwochnachmittag hatten fast alle Landkreise in Niedersachsen bekannt gegeben, dass am Donnerstag aufgrund eines Sturms die Schulen ausfallen. Viele Eltern fragen sich jedoch, warum stattdessen kein Distanzunterricht angeboten wird. Durch die Corona-Pandemie wären die meisten Schulen darauf vorbereitet.
Das niedersächsische Kultusministerium verweist an die Regionalen Landesämter für Schule und Bildung in Lüneburg. Sie berufen sich auf Anfrage unserer Redaktion auf die Grundlage zu wetterbedingten Schulausfällen im Erlass „Unterrichtsorganisation“. Er besagt: „Bei Witterungsverhältnissen, bei denen Schülerinnen und Schüler die Schule nicht unter zumutbaren Bedingungen erreichen oder verlassen können, können die nachgeordneten Schulbehörden anordnen, dass ganz oder teilweise kein Unterricht stattfindet“.
Hintergrund: Da sich die lokalen Wettersituationen im Flächenland Niedersachsen unterscheiden können, geben die Behörden die Entscheidung an die Landkreise und kreisfreien Städte ab.
Und warum ordnen sie keinen Fernunterricht an? „Da im Erlass explizit Unterrichtsausfall steht und nicht Präsenzunterricht, gibt es hier keinen Handlungsspielraum“, betont eine Sprecherin.
Trotz des Schulausfalls sind die Schulen verpflichtet, Schüler, die dennoch zur Schule kommen, zu betreuen. Je nach lokaler Situation und der Kurzfristigkeit, mit der der Unterrichtsaufall bekannt gegeben wird, müssen Lehrer auch bei Sturmfrei in der Schule anwesend sein. Deshalb sei ein adäquater Distanzunterricht auch nur schwer umsetzbar, heißt es weiter in der Stellungnahme. Sollte es Schulen möglich sein, ergänzend zur Notbetreuung in den Distanzunterricht zu wechseln, können sie dies tun.
In NRW ordnete das Ministerium für Schule und Bildung einen landesweiten Unterrichtsausfall für Donnerstag an. „Es handelt sich aber nicht um einen Ferientag“, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion aus dem nordrhein-westfälischen Schulministerium. Seit 2020 gebe es die grundlegenden Voraussetzungen dafür Distanzunterricht bei Schulschließungen während der Pandemie durchzuführen. Dementsprechend konnten die Schulen die bestehende digitale Infrastruktur nutzen, um die Schüler während des unwetterbedingten Schulausfalls mit Aufgaben zu versorgen, heißt es weiter.
Die Lehrkräfte konnten auch für Freitag einen digitalen Unterricht organisieren. Biete die Schule Distanzunterricht an, sei das für die Schüler verbindlich. Tests oder Klassenarbeiten seien unter diesen Bedingungen jedoch nicht möglich. Dafür gebe es nur bei pandemiebedingten Distanzunterricht eine schulrechtliche Grundlage.
Anders handhabt es das nördliche Nachbarbundesland: In Schleswig-Holstein fiel der Unterricht am Donnerstag nicht aus. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Kiel teilte unserer Redaktion auf Nachfrage mit, dass bei extremen Witterungslagen gilt, dass die Eltern darüber entscheiden dürfen, ob sie ihr Kind zur Schule schicken oder nicht. Der versäumte Unterrichtstag werde nicht als Fehltag erfasst. Ein Sprecher betont, dass es von Lehrern jedoch nicht zu erwarten sei, von einem Tag auf den anderen vom Präsenz- in den Distanzunterricht zu wechseln. Denn die Unterrichtsvorbereitung sei in dem Fall eine andere.