Serie: Wiesmoorer Köpfe
Alles begann mit einem Trend aus Amerika
Im Jahr 1985 kam die damals 36-jährige Margritt Gerdes-Kleen als Trainerin zur Turngemeinde Wiesmoor. Damals brachte sie Aerobic in das Programm und trat damit eine Welle los.
Wiesmoor – Na klar, man muss immer mit der Zeit gehen. Das gilt auch für Sportvereine mit dem Willen zum Erfolg. Deshalb griff Heinz Vaqué im Jahr 1985 zum Telefon und rief eine junge Bekannte an: „Margritt, könntest Du Dir vorstellen, mal einen Kurs mit diesem Aerobic anzubieten? Das ist so’n moderner Kram. Der dauert sowieso nicht lange.“
Margritt Gerdes-Kleen schien dem Turn-Papst der Turngemeinde (TG) Wiesmoor gerade die Richtige zu sein, um den neuen Trendsport zumindest aus Image-Gründen ins Programm zu nehmen. Zum einen kannte er die damals 36-jährige agile Frau schon lange und war auch ihr Sportlehrer. Zum anderen hatte er von der etwa zehnköpfigen privaten Aerobic-Gruppe gehört, die in Wiesmoor bereits von der Begeisterung an der aus den USA herüber geschwappten Welle des neuen Fitnesstrainings infiziert war.
Das erste Kapitel der Erfolgsgeschichte
Margritt Gerdes-Kleen überlegte nicht lange und sagte zu. Nach einer eintägigen Ausbildung zur Übungsleiterin bot sie erste Stunden an. Damit schrieb sie die ersten Kapitel einer Erfolgsgeschichte. Nach nur einem Jahr waren die Kurse zur größten Abteilung der TG avanciert. 350 Frauen bildeten die Fan-Gemeinde der schwungvollen Mischung aus Tanz und Gymnastik. „Das läuft ja richtig gut“, wunderte sich nun Heinz Vaqué.
Es lief richtig gut für den Klub, mit aktuell rund 3400 Mitgliedern übrigens der größte Sportverein Ostfrieslands. Es lief auch richtig gut für die Stadt Wiesmoor, deren Bürgerinnen und Bürger von der Angebotsvielfalt und dem vielfältigen Engagement der Vereine profitieren. Qualitäten, die sich zum Beispiel bei den großen Festen zeigen, mit denen Wiesmoor immer wieder überregional auf sich aufmerksam macht. Beim Blütenfest, bei Kinderfesten oder den Stadtfesten ergänzten Mitglieder der TG das Programm.
Kuchen für die Allgemeinheit
Später, nachdem Margritt Gerdes-Kleen ihre Stunden an jüngere Übungsleiter übergeben hatte, bereicherte sie mit „ihren“ Frauen das kulinarische Angebot der Wiesmoorer Feste. 70 Torten backten und servierten die TG-Frauen zum Beispiel einmal zu einem Stadtfest. „Sie haben es gern getan“, davon ist Margritt Gerdes-Kleen fest überzeugt. Das gilt nicht nur für das Engagement an den Kuchentheken und auf den Bühnen der Feste, sondern auch für das Engagement im Verein.
Als zum Beispiel die letzte Halle des neuen Vereinszentrums errichtet wurde, musste innen noch gestrichen werden. Gerdes-Kleen trommelte ihre Kursteilnehmerinnen zusammen und alle halfen. „Wahrscheinlich konnten sie gar nicht nein sagen“, vermutet Margritt mit einem schelmischen Lächeln. So geschah es, wie es im Leben der gelernten Einzelhandelsfachkraft immer wieder geschah: Die Aufgabe sehen, Arbeit erkennen, anpacken.
Nichts ist unlösbar
„Ich habe mich nie gefragt, ob ich das alles schaffe“, sagt sie. Das war schon so, als sie 1976 nach dem Unfalltod ihres ersten Mannes mit den zwei kleinen Töchtern und dem begonnenen Neubau „Am Stadion“ plötzlich allein vor scheinbar unlösbaren Aufgaben stand. Damals hat Margritt Gerdes-Kleen das Wort „unlösbar“ einfach aus ihrem Wortschatz gestrichen – und bewältigte mit Hilfe guter Freunde auch diese Krise.
Sie folgte einem Prinzip, das für ihr Leben entscheidend bleiben sollte. Besonderes zu leisten, vor allem für andere. Es gelang ihr immer wieder Mitstreiter mitzuziehen und die Gemeinschaft so zu einer großen Familie zusammenwachsen zu lassen. Eine zweite Familie für Margritt Gerdes-Kleen. „Es hat einfach Spaß gemacht“, sagt die heute fast 72-Jährige. Bis ins Jahr 2004 genoss sie diesen Spaß als sehr gut ausgelastete Übungsleiterin.
Training für den ganzen Körper
Ihr Kerngeschäft, Aerobic, hatte sich da schon längst mit solider sportwissenschaftlicher Untermauerung zu einem vielfältigen Gesundheitssport entwickelt. Aufbauend auf den Grundschritten gibt es heute Dance-, Aqua-, Box-, Hip Hop- und Step-Aerobic. Angefeuert von Rhythmus und Takt und mit viel Freude an Bewegung. Der Spaß verging Margritt Gerdes-Kleen auch nicht, als ihre Stimmbänder wegen der Dauerbelastung durch lautstarkes Anfeuern und chlorhaltige Luft beim „Aqua-Aerobic“ vollständig den Dienst versagten. Sie lernte, die Zwangspause zu erdulden und sich ein wenig zu schonen.
Ihre Stimme wurde nämlich noch gebraucht, als sie im Vorstand der TG ihre Arbeit für den großen Verein fortsetzte. Immer sportlich inspirierend und menschlich urteilend, wie ihr Harold Schoon 2015 bei ihrer Verabschiedung aus dem TG-Vorstand attestierte. Darüber hinaus wirkte sie vier Jahre lang im Vorstand des Turnkreises Aurich und holte in dieser Zeit mehrere attraktive Lehrgänge nach Wiesmoor. „Man bekommt einen Plan davon, wie sich der Sport entwickelt und was alles angeboten wird“, sagt sie.
Nicht auf dem Plan hatte die erfahrene Übungsleiterin allerdings, was einem trainierten Körper passieren kann, wenn die übliche Anspannung ein wenig nachlässt. „Als ich reduziert hatte, bekam ich plötzlich Hüftprobleme“, berichtet sie. Eine Hüftfehlstellung zeigte sich, als die stützenden Muskeln nachließen. Hüftoperationen auf beiden Seiten wurden notwendig – und Margritt Gerdes-Kleen ging damit um, wie mit fast allen Problemen im Leben: Mit gezieltem Training und Zuversicht. „Heute kann ich wieder alles machen“, versichert sie. Mit regelmäßigem Nordic Walking, ein bisschen Fitness- und Rehatraining in der Halle hält sie sich fit. Damit will sie noch lange fit bleiben für die Treffen im Ehrenrat der TG – und vor allem für die Pflege der vielen Kontakte, die ihr einfach wichtig sind.
In der nächsten Folge geht es um Klaus Wilken, der als erfolgreicher Gründer in diesem Herbst sein 25-jähriges Firmenjubiläum feiert und aus mehreren Gründen als „Überflieger“ bezeichnet werden kann.
Der Kreis schließt sich im Heimatort
Ehrenamtler mit professionellem Anspruch
Zwei besondere Ehrungen
Sie will ihr Glück mit anderen teilen