Ukraine-Konflikt
Es ist nur Zeit gewonnen
Spekulationen über ein baldiges Spitzentreffen von US-Präsident Biden und seinem russischen Amtskollegen Putin nähren die Hoffnung, dass sich ein Krieg in Europa um die Ukraine noch verhindern lässt.
Wenn sich US-Präsident Joe Biden und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin demnächst zu einem Gipfel treffen, wird es nicht nur um die Ukraine gehen, sondern um die europäische Sicherheitsordnung. Der Kreml möchte sie gern umkrempeln. Daran können die Balten und andere europäische Staaten aber kein Interesse haben. Verabredungen zwischen Moskau und Washington über die Köpfe der EU hinweg darf es ebenso wenig geben wie eine Schwächung Ostmitteleuropas, solange Moskau im Gegenzug nicht zu echten Sicherheitsgarantien bereit ist.
Fraglos erhielte die Diplomatie, einen Krieg in Europa zu verhindern, mit dem Spitzentreffen eine neue Chance. Deshalb ist es auch richtig, dass die EU derzeit keine sofortigen Sanktionen gegen Russland verhängen will, auch wenn das die Ukraine fordert.
Wunder sind von einer Begegnung Bidens und Putins nicht zu erwarten. Denn pilgern nicht schon seit Wochen Staats- und Regierungschefs nach Moskau oder telefonieren mit Putin, um ihn von einer Militäraktion gegen die Ukraine abzuhalten? Ja, man hat Zeit gewonnen. Aber sonst? Welches Angebot könnte Biden machen, dass Putin seine Maximalforderungen gegenüber der Nato auf ein realistisches Maß zurückstutzte? Solange Putin von der Rückkehr Russlands zu Glanz und Gloria träumt, wird über Europa die Kriegsgefahr schweben.