Politik

Keine Messstation für Gift aus Delfzijl

| | 24.02.2022 08:09 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Firma ESD-SiC produziert in Delfzijl Siliziumkarbid. Anwohner auf der anderen Seite der Ems sehen dadurch ihre Gesundheit gefährdet. Foto: ESD-SIC
Die Firma ESD-SiC produziert in Delfzijl Siliziumkarbid. Anwohner auf der anderen Seite der Ems sehen dadurch ihre Gesundheit gefährdet. Foto: ESD-SIC
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Die Chemiefabrik in Delfzijl ist für Anwohner auf der anderen Seite der Ems ein Grund zur Sorge. Die Grünen würden gerne nachmessen lassen, ob in der Krummhörn die Schadstoffkonzentration erhöht ist. Daraus wird nichts.

Aurich/Krummhörn - Die Chemiefabrik im niederländischen Delfzijl bereitet Anwohnern im benachbarten Ostfriesland Sorgen. Krebserregende Stoffe, die bei Verpuffungen auf der anderen Seite der Ems freigesetzt werden, könnten durch den Südwestwind in die Krummhörn und nach Norden getragen werden, so die Befürchtung. In der Krummhörn müsse daher eine Emissions-Messstation eingerichtet werden, fordern die Grünen im Auricher Kreistag. Sie wollen mit den anderen Fraktionen gemeinsam eine entsprechende Resolution an das Umweltministerium richten.

Daraus wird jedoch nichts. Zwei Referenten des Umweltministeriums und des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes in Hildesheim überzeugten am Mittwoch den Umweltausschuss des Kreistags per Videoschalte, dass eine solche Messstelle nichts bringen würde. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Überschreitung der Grenzwerte.

Alle Grenzwerte unterschritten

Das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim ist für die lufthygienische Überwachung in Niedersachsen zuständig. Mit Messstationen in Emden und auf Norderney wird die Qualität der Luft nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz überwacht. So soll die flächendeckende Einhaltung der Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit sichergestellt werden. In Ostfriesland würden alle Grenzwerte bei Weitem unterschritten, sagte Dr. Andreas Hainsch vom Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim. Erfasst werden unter anderem Feinstaub, Stickstoffdioxid, Stickstoffoxide, Ozon, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid.

An der Messstation Emden, so Hainsch, gebe es leicht erhöhte Werte, wenn der Wind aus Südost wehe – also nicht aus Richtung Delfzijl. „Im Mittel zeigen sich keine erkennbaren Einflüsse bei Windrichtungen aus Delfzijl oder Eemshaven.“ In Wilhelmshaven habe das Gewerbeaufsichtsamt Quecksilbermessungen durchgeführt. Selbst bei Wind aus Richtung des dortigen Kohlekraftwerkes sei der Grenzwert deutlich unterschritten worden. „Auch für den Bereich Krummhörn werden keine höheren Quecksilberwerte erwartet.“

Anwohner klagen über Gerüche

Der Grünen-Kreistagsabgeordnete Olaf Wittmer-Kruse aus Rysum (Krummhörn) zeigte sich nicht überzeugt. Die Messstation in Emden sei zu weit weg von den Industrieanlagen in Delfzijl. Daher seien die dort gemessenen Werte nicht aussagekräftig. Die Krummhörn liege nur fünf Kilometer Luftlinie von den Industrieanlagen entfernt. „Die Anwohner beklagen sich über komische Gerüche.“ Die Messstation sollte möglichst nahe an der Gefahrenquelle liegen, forderte Wittmer-Kruse. Die Niederländer bauten ihre Industrieanlagen bewusst im Nordosten des Landes, weil der Wind die Schadstoffe dann forttrage – über die Grenze nach Ostfriesland.

Der Referent vom Gewerbeaufsichtsamt blieb dabei: „Ich gehe nicht davon aus, dass bei den überwachungspflichtigen Schadstoffen in der Krummhörn Grenzwerte überschritten werden.“ Womöglich sei die Konzentration dort höher als in Emden, aber nicht zu hoch. Es könne sein, dass die Schadstoffe, die in Delfzijl freigesetzt werden, nicht durch das System erfasst werden, räumte Hainsch auf Nachfrage ein. Gestank sei allerdings nicht unbedingt ein Alarmzeichen. „Er bedeutet nicht automatisch, dass wir erhöhte Schadstoffwerte haben.“

Resolution ist gescheitert

Dr. Bernd Wiener vom Umweltministerium verwies auf Genehmigungsverfahren für Industrieanlagen, die dem EU-Recht unterliegen. Das gelte auch in den Niederlanden. „Wenn es nach europäischem Recht genehmigt ist, dann wird es im Umfeld dieses Industriekomplexes zu keinen Überschreitungen der Grenzwerte kommen.“

Das Ende vom Lied: Die Mehrheit des Ausschusses ließ sich davon überzeugen, dass eine Messstation in der Krummhörn unnötig ist. Damit ist die Resolution der Grünen gescheitert.

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