Interessenverbände
75 Jahre Niedersächsisches Landvolk: Ostfriesen für mehr Zusammenhalt
Das Niedersächsische Landvolk feiert sein 75-jähriges Bestehen. „Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der alle zusammenhalten müssen“, sagt der ostfriesische Vizepräsident des Verbandes, Manfred Tannen.
Hannover/Ostfriesland - Seit 1947 ist sie noch kein Stück leiser geworden: „Die starke Stimme der Landwirte und Landwirtinnen“, das Landvolk Niedersachsen, feiert 75-jähriges Bestehen. In Zukunft will der Landesbauernverband unter anderem den Strukturwandel bei der Renaturierung niedersächsischer Moore intensiv begleiten. „Trotz großer Erfolge in den letzten Jahren befindet sich die Landwirtschaft immer noch im Wandel. Gerade im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit muss noch nachgelegt werden“, findet Manfred Tannen, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen und Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins (LHV) für Ostfriesland.
Die Art und Weise der Landwirtschaft sowie ihre Entwicklung stehe in der Öffentlichkeit immer mehr in der Diskussion, sagt Tannen. „Es wird zunehmend wichtiger, der Bevölkerung zu zeigen, was wir Landwirte machen und wie wir uns entwickeln – vor allem in Bezug auf Tierwohl und Klimaschutz. Gerade, weil wir in der Vergangenheit versäumt haben, die technische Entwicklung auf den landwirtschaftlichen Betrieben nach Außen hin zu teilen“, sagt der 55-Jährige.
Zersplitterung der Interessenverbände
Weiteren Handlungsbedarf sieht der Ostfriese aber auch bei der zunehmenden Zersplitterung der verschiedenen Interessenverbände: Nicht nur niedersachenweit – auch in Ostfriesland führe dies oft zu Verwirrung in der Politik oder zu Streitigkeiten durch die unterschiedlichen Ansichten. „Ungefähr 80 bis 85 Prozent der ostfriesischen Landwirte sind Mitglieder im LHV und stimmen sich untereinander ab“, sagt Tannen. „Wir müssen zukünftig mehr mit den kleineren Interessenverbänden in Ostfriesland ins Gespräch kommen und versuchen, trotz unterschiedlicher Meinung besser zusammen zu arbeiten, um unsere politischen Ziele durchsetzen zu können.“ Dies könne sich aber durchaus als schwierig erweisen, da die einzelnen Verbände oft unterschiedliche Ziele in Hinblick auf etwa die Düngeverordnung oder die Herkunftskennzeichnung bei tierischen Produkten verfolgen würden. „Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der alle zusammenhalten müssen“, sagt Tannen.
Einer der größten Erfolge in letzter Zeit sei für den LHV die Ausnahmeregelung der Gebietskulisse beim Niedersächsischen Weg gewesen, sagt Tannen. Bei der Bewirtschaftung von Feldern, die neben Gewässern verlaufen, wurde vereinbart, einen breiten Randstreifen stehen zu lassen, wo sich die Natur entwickeln kann. Das heißt auch, dass seit Sommer vergangenen Jahres kein Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf die Randstreifen gelangen darf. Die Ausnahmeregelung, für die sich laut Tannen auch der LHV eingesetzt hat, ermöglicht es Landwirten und Landwirtinnen in bestimmten Gebieten mit einer hohen Gewässerdichte – wie in Ostfriesland – die Randstreifen kleiner ausfallen zu lassen, um die agrarstrukturellen Belange der Bauern und Bäuerinnen nicht komplett einzuschränken.
Umstrukturierung in der Tierhaltung
„Besonders werde ich mich auch ganz persönlich in meinem Amt einsetzen für die Menschen, die in den Moorgebieten leben und wirtschaften“, sagt Holger Hennies, der Präsident des Landvolks Niedersachsen. Die Folgen einer Wiedervernässung der kohlenstoffreichen Böden im Rahmen des Klimaschutzes für den ländlichen Raum würden unterschätzt. „Sie haben die Dimension des Kohleausstiegs.“ Außerdem wolle sich der Verband weiter für Betriebe der Schweinehaltung und Ferkelerzeuger einsetzen, sagt Hennies. Das Landvolk werde den gesellschaftlich geforderten Umbau der Tierhaltung konstruktiv und wachsam begleiten. In diesem Zusammenhang fordert die Vereinigung „eine sinnvoll gestaltete Umstiegsprämie“.
Das Landvolk wurde am 18. Februar 1947 im Hannover Congress Centrum (HCC) gegründet. Der Landesbauernverband sollte die Interessenvertretung für Landwirte sowie Bewohnerinnen und Bewohner des ländlichen Raums sein.
Mit Material von DPA