Stadtzentren

Jetzt geht’s los: Neue Impulse für die Emder Innenstadt

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 28.02.2022 18:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Ratsdelft und der Alte Binnenhafen werden häufig als „neue Mitte“ Emden bezeichnet. Auch dafür gibt es Pläne. Foto: T. Bruns/Archiv
Der Ratsdelft und der Alte Binnenhafen werden häufig als „neue Mitte“ Emden bezeichnet. Auch dafür gibt es Pläne. Foto: T. Bruns/Archiv
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Heika Ring schiebt ein ganzes Bündel von Vorhaben im Emder Stadtzentrum an. Sie trat jetzt bei der Stadt die Stelle als Projektleiterin an. Es geht schnell ans Eingemachte.

Emden - Sie hat einen ganzen Berg Arbeit vor sich. Aber Heika Ring weiß, was sie zu tun hat, um dem Emder Stadtzentrum neue Impulse zu geben. Denn die Vorhaben, die sie umsetzen soll, sind schon so gut wie festgezurrt. Die 32-Jährige ist die neue Projektleiterin der Stadt für das Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“. Ihr Auftrag ist es, ein Bündel von Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,1 Millionen Euro auf den Weg zu bringen.

Was und warum

Darum geht es: die Belebung der Emder Innenstadt

Vor allem interessant für: alle, die sich für die Zukunft von Innenstädten interessieren

Deshalb berichten wir: Die Stadt hat jetzt eine Projektleiterin für das Programm „Perspektive Innenstadt“ auf zwei Jahre befristet eingestellt. Sie soll vom Land geförderte Vorhaben rasch umsetzen und begleiten. Unsere Redaktion hat mit ihr gesprochen.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Zeit dafür ist knapp. Denn die Projekte müssen bis spätestens Ende Juni beim Land beantragt und binnen gut eines Jahres umgesetzt sein. „Das ist total sportlich“, weiß auch Martje Merten.

Emden ist schon weiter als andere

Die Teamleiterin für das Stadtmarketing bei der städtischen Gesellschaft Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing sieht Emden aber im Vergleich zu anderen ostfriesischen Städten vorn. Denn alle Beteiligten seien sich längst einig, was gemacht werden soll - die privaten Akteure eingeschlossen. Die Grundlagen sind unter anderem in Workshops für den Masterplan Innenstadt erarbeitet worden und mussten eigentlich nur noch aus der Schublade gezogen werden. „Deshalb sind wir schon einen Schritt weiter“, so Merten.

Sie soll der Emder Innenstadt neue Impulse geben: Projektleiterin Heika Ring. Foto: Stadt Emden
Sie soll der Emder Innenstadt neue Impulse geben: Projektleiterin Heika Ring. Foto: Stadt Emden

Der weitaus größte Teil des Geldes, nämlich 90 Prozent, kommt vom Land. Es sind gut 980.000 Euro, die Hannover aus EU-Mitteln für Emden bereitstellt. Die Stadt muss hingegen zehn Prozent, also 109.000 Euro, aus eigenen Mitteln beisteuern. Diese Summe ist im Haushalt für 2022 fest eingeplant.

Ring: „Das ist fast geschenkt“

Heika Ring hält die Maßnahmen angesichts der hohen Förderquote für „fast geschenkt“. Die 32-Jährige hat schon Erfahrungen mit solchen Programmen. Die sammelte sie unter anderem als Mitarbeiterin an der Hochschule in Emden. Dort war sie zuletzt an verschiedenen Projektgruppen beteiligt.

In Emden kennt sich die Projektleiterin, die befristet für zwei Jahre bei der Stadt beschäftigt ist, bestens aus. Sie wurde dort geboren, wuchs in der Stadt auf und ging dort auch zur Schule. Nach dem Abitur, das sie im Jahr 2008 am Wirtschaftsgymnasium der Berufsbildenden Schulen I machte, ging sie zunächst nach Australien, um dort zu reisen und zu jobben.

Die „Neue“ hat Bezug zu Emden

Danach war sie als Au-pair in England, bevor sie 2010 im niederländischen Groningen Politik, Internationale Beziehungen und Organisation sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaft mit Bezug zu den UN und der EU studierte. Nach Emden kehrte sie 2016 zurück. „Eigentlich sollte es nur eine Zwischenstation sein“, sagt Ring. Die neue Stelle als Projektleiterin für das Programm „Perspektive Innenstadt“ reizte sie, weil sie sich für das Thema Innenstadtplanung interessiere: „Ich habe großen Bezug zu dieser Stadt und freue mich an ihrer Entwicklung mitzuwirken.“

Die ersten vier Wochen nach ihrem Start am 1. Februar hat Ring genutzt, um sich einzuarbeiten und viele Kontakte zu knüpfen. Aber es geht auch schnell ans Eingemachte. Denn die ersten Förderanträge für die Projekte müssen bis Ende März der landeseigenen N-Bank vorliegen. „Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir das hinkriegen“, so die Projektleiterin. Die restlichen Anträge müssen bis zum 30. Juni gestellt sein, um an die Fördermittel zu kommen.

Diese Projekte sollen umgesetzt werden

Insgesamt elf Projekte wollen die Stadt und ihr Stadtmarketing mit Geld aus dem Programm „Perspektive Innenstadt“ umsetzen. „Wir sind aber an vielen Punkten noch nicht am Ende“, sagt Martje Merten. Es gebe noch „Stellschrauben, mit denen noch etwas verändert werden kann“.

Die wichtigsten Projekte im Überblick:

  • Neues Leitsystem für Besucher: Die Stadt will in diesem Frühjahr ein digitales Leitsystem mit fest installierten Säulen einrichten, das Besuchern die Orientierung in der Innenstadt erleichtert sowie Kunden gezielt nach Interessen und Themen durch die Innenstadt und zu Geschäften lenkt. Über das eigene Smartphone sollen die Nutzer sich dabei zusätzlich informieren können. Geplant sind auch Hilfen für Gehörlose und Blinde.
  • Eine eigene Marke: Die Innenstadt soll zu einer eigenen Marke werden, mit der sich sowohl der Einzelhandel als auch die Gastronomie unter anderem mit einem Logo einheitlich nach außen darstellen. Auch ein Einkaufs- und Gastroführer gehört dazu.
  • „Emder Kultursommer“: Mit dem „Emder Kultursommer“ soll eine Klammer für die vielfältigen Veranstaltungen im Stadtzentrum geschaffen werden, um auch überregional damit zu werben. Zudem will die Stadt kleinere Kulturveranstaltungen anschieben sowie Kleinkünstler auftreten lassen, um die City zu beleben.
  • Neue Stadtmöbel: Die Stadt möchte die Innenstadt buchstäblich aufmöbeln. Es sollen zusätzliche Bänke, Sonnenschirme und Spielgeräte aufgestellt werden, die den Aufenthalt und das Verweilen attraktiver machen. Vorgesehen sind auch sogenannte Parklets. Das sind provisorische Einbauten, die unter anderem Bürgersteige erweitern. Die meist aus Holz gebauten Objekte bestehen aus Elementen wie Sitzflächen, Blumen, Sträuchern oder Fahrradabstellmöglichkeiten.
  • „Weihnachtsstadt Emden“: Unter diesem Projekttitel soll es zur Weihnachtszeit weitere innovative Lichtinstallationen in der Innenstadt geben. Außerdem werden Schaufenster von leerstehenden Läden als „Märchenfenster“ mit verbindenden Elementen geschaffen.
  • Museumsquartier: Es soll ein Konzept für ein Museumsquartier entwickelt werden. Ziel ist es, das Image Emdens als kulturelles Zentrum Ostfrieslands zu stärken. Museen und Traditionsschiffe soll besser vernetzt werden und gemeinsam auftreten.
  • Mietzuschuss für neue Geschäfte: Neuansiedlungen von Geschäften sollen gefördert werden. Geplant ist ein Fonds, aus dem Betreiber einen Mietzuschuss in Höhe von 20 Prozent der marktüblichen Miete erhalten.
  • Weiterentwicklung des Delfts: Der Ratsdelft und der Alte Binnenhafen sollen besser in Szene gesetzt werden. Im Herbst dieses Jahres soll ein Konzept für weitere Nutzungen vorliegen.
  • Stärkung des Radverkehrs: Die Infrastruktur für den Radverkehr in der Innenstadt soll verbessert werden. Geplant sind unter anderem weitere Abstellmöglichkeiten für Räder sowie Radboxen und Ladestationen für E-Bikes.
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