Soziales

Keine Unterkunft: DRK droht das Aus

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 01.03.2022 17:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das DRK in Hinte sucht nach einer neuen Unterkunft, in der man auch die Einsatzausrüstung wegschließen kann. Symbolfoto: Pixabay
Das DRK in Hinte sucht nach einer neuen Unterkunft, in der man auch die Einsatzausrüstung wegschließen kann. Symbolfoto: Pixabay
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Wenn das DRK Hinte jetzt keine neue Unterkunft findet, muss sich der Verein schlimmstenfalls auflösen. Der Vorstand erklärt die Hintergründe und geht auf die möglichen Folgen einer Auflösung ein.

Hinte - Am 31. März könnte der Ortsverein Hinte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) „obdachlos“ werden. Davor warnt der Verein auf Facebook und fragt die Leser: Wer weiß, wo das DRK sein Rettungsfahrzeug, die Bereitschafts-, Senioren- und Jugendgruppe sowie das Material unterbringen kann? Gegenüber unserer Zeitung sagt der 2. Vorsitzende Erik Heeren, dass notfalls schon ein kleiner Versammlungsraum für vielleicht 15 oder 20 Personen ausreichen würde. Zudem noch eine Toilette und ein abschließbares Lager von der Größe einer Autogarage. Diesen Platz habe man auch in der vorherigen Unterkunft zur Verfügung gehabt, einem ehemaligen Hausmeisterhaus an der IGS Hinte.

Was und warum

Darum geht es: Das DRK Hinte sucht nach einer neuen Bleibe.

Vor allem interessant für: Personen, die von den Leistungen des DRK profitieren.

Deshalb berichten wir: Wir sind auf Facebook auf den Hilferuf des Vereins aufmerksam geworden.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Im Jahr 2019 sei dieses jedoch abgerissen worden und das Rote Kreuz musste in ein Einfamilienhaus gegenüber der Sparkasse einziehen. „Es war uns von vornherein klar, dass es nur eine vorübergehende Lösung ist“, sagt Heeren. Darum suche man mithilfe der Gemeinde auch schon seit 2020 nach einer langfristigen Alternative. Bislang fand sich aber nichts und die Zeit wird nun knapp: Das Haus soll als Teil einer ganzen Häuserzeile abgerissen werden, um Platz für ein Neubauprojekt mit 18 barrierefreien Wohnungen am Hinter Kirchgang zu machen.

Bedenken von Bürgern

Warum aber haben die zwei Jahre eigentlich nicht ausgereicht? Heeren begründet das damit, dass die jetzige Unterkunft der Gemeinde gehört und dem DRK im Gegenzug für dessen soziale Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. „Das ist immer ein Geben und Nehmen.“ Weitere geeignete Immobilien habe die Gemeinde derzeit aber nicht parat und der Verein könne sich auch nicht einfach selbst etwas auf dem privaten Markt suchen, denn zu hohe Mieten widersprächen der Vereinssatzung. Diese sehe vor, dass der größte Teil des zur Verfügung stehenden Geldes nur für wohltätige Zwecke ausgegeben werden darf, so der 2. Vorsitzende.

Er versichert, dass das DRK auch durchaus bereit sei, sich zusammen mit anderen eine Unterkunft zu teilen. Das habe man in der Vergangenheit schon einmal mit der Awo gemacht, als das Hausmeisterhaus zwischenzeitlich nur zur Verfügung stand und die Erfahrungen seien gut gewesen. Es habe deswegen auch dieses Mal wieder Gespräche in Hinte gegeben, an denen das DRK aber nicht selbst beteiligt gewesen sei. Dort hätten einzelne Bürger allerdings Bedenken geäußert. Die Befürchtung: Das DRK könnte mehr Platz benötigen als erwartet, der dann zum Beispiel für Veranstaltungen wegfallen würde. Heeren ärgert das: Das DRK setze sich immerhin ehrenamtlich für die Allgemeinheit ein, erinnert er.

Postanschrift in Hinte vorgeschrieben

Sollte der Verein künftig keine Postanschrift mehr in Hinte haben, müsste sich der Ortsverein mit seinen rund 150 Mitgliedern auflösen. Das sei vorgeschrieben. Dann gebe es vor Ort aber auch schlimmstenfalls keine oder weniger Blutspendetermine und Typisierungsaktionen, keine Unterstützung für den Rettungsdienst und für Veranstalter, keine Kinder- und Jugendfreizeiten, kein Bärenhospital und keine Helferprojekte für junge Menschen mehr. Auch für die Flüchtlingsarbeit und für die Versorgung von Menschen in Quarantäne könnte man sich dann nicht mehr einsetzen. Noch hat der DRK Hinte aber Hoffnung und es gibt laut Heeren laufende Gespräche. „Wir wollen in den nächsten zehn Tagen eine Lösung finden“, kündigt er an.

Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) betont auf Nachfrage die „wichtige Rolle“, die das DRK in der Kommune spiele. Man stehe daher auch jetzt in „ständigem Austausch“. So habe Redenius auch vor ein paar Tagen versucht, zwischen den Ehrenamtlichen und den Bewohnern von Westerhusen zu vermitteln. „Da ging es um die gemeinsame Nutzung des Feuerwehrhauses dort. Das DRK hat vorgesprochen, aber die Dorfgemeinschaft hat sich gegen eine gemeinsame Nutzung ausgesprochen, was ich sehr bedauerlich finde“, so der Bürgermeister. So habe man dem DRK auch schon andere Immobilien angeboten, die jedoch nicht die Anforderungen erfüllten. „So langsam gehen uns die Alternativen aus. Wenn jemand eine Idee hat, kann er sich gerne bei mir melden. Auch für eine Übergangslösung wäre ich dankbar.“

Was das Neubauprojekt am Hinter Kirchgang angeht, wegen dem das DRK aus seinem Einfamilienhaus weichen muss, so habe man das Grundstück Ende vergangenen Jahres an einen Investor verkauft. Laut dessen Aussage werde nun zeitnah mit dem Abriss der bisherigen Häuserzeile begonnen.

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