Osnabrück

Katharina Wackernagel ist die Neue in „Mord mit Aussicht“

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 02.03.2022 12:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 10 Minuten
Ermittelt künftig als Marie Gabler in Hengasch: Katharina Wackernagel. Foto: ARD/Ben Knabe
Ermittelt künftig als Marie Gabler in Hengasch: Katharina Wackernagel. Foto: ARD/Ben Knabe
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Schauspielerin Katharina Wackernackel (43) soll die ARD-Erfolgsserie „Mord mit Aussicht“ ab heute Abend wiederbeleben. Im Interview spricht sie über ihre Vorbereitung auf die Rolle und den Leistungsdruck.

Sie wusste schon mit sieben Jahren, dass sie Schauspielerin werden will und trommelte eine Kinder-Theatertruppe zusammen. Heute ist Katharina Wackernagel (43) aus dem deutschen Film kaum wegzudenken.

Frage: Frau Wackernagel, wenn Sie eine Zeitreise an einen ganz bestimmten Tag in Ihrer Vergangenheit unternehmen könnten – wohin würde die Reise gehen?

Antwort: Zu meiner Geburt – das würde mich wirklich interessieren (lacht). Ich würde es wirklich gerne noch mal erleben und mir ein bisschen genauer anschauen, wie es so ist, das Licht der Welt zu erblicken.

Frage: Waren Sie denn eine schwere Geburt? Was hat Ihnen Ihre Mutter so erzählt?

Antwort: Nee, eigentlich nicht, obwohl ich wie meine Brüder auch zu spät kam, was für meine Mutter natürlich ein bisschen beschwerlich war. Dafür bin ich dann als Jugendliche sehr zeitig ausgezogen. Aber mein Vater ist bei meiner Geburt in Ohnmacht gefallen (lacht). Nicht etwa, weil ich so ein schrecklicher Anblick war, sondern wohl eher, weil er so aufgeregt war und es ihn belastet hat, dass er meine Mutter in ihrem Stress nicht richtig unterstützen zu konnte.

Frage: Wir haben ja gerade das Zeitreise-Raumschiff vor der Tür stehen – wollen wir noch eine Reise zu einem Tag in Ihrer Zukunft machen?

Antwort: Tja, das ist natürlich viel schwerer zu beantworten, denn ich bin keine gute Planerin, sondern eher ein spontaner Mensch. In den letzten 20 Jahren wusste ich am Jahresbeginn eigentlich nie, wohin es mich im Laufe des Jahres verschlagen wird. Auch jetzt habe ich noch keine richtigen Zukunftspläne… (denkt nach) Welcher Tag? Also, ich habe ja ein bisschen Angst vor dem Altwerden – jetzt zu sagen, ich würde mir gerne meinen 80. Geburtstag schon mal ansehen, ich weiß nicht (lacht).

Frage: Kein Wunder – Sie haben gesagt, dass Sie sich noch wie 18 fühlen, als Sie schon 38 waren.

Antwort: Das Problem ist: Jetzt bin ich 43 und fühle mich immer noch wie 18. Irgendwie finde ich dieses Älterwerden überhaupt nicht mehr lustig, das Geburtstagfeiern hat ein bisschen den Reiz verloren.

Frage: Letztens hat der Papst mal in einem Interview erzählt, dass er als Kind Metzger werden wollte. Und Sie?

Antwort: Ich nicht. Ich wollte weder Papst noch Metzger werden (lacht). Ich wollte tatsächlich schon immer Schauspielerin werden.

Frage: Ihre Mutter ist Schauspielerin, Ihr Vater auch, ebenso eine Großmutter und Ihr Bruder ist Drehbuchautor und Regisseur. Sie hatten ja kaum eine Möglichkeit, sich in einen anderen Beruf hineinzuträumen.

Antwort: Doch, mein anderer Bruder ist zum Beispiel Mathematiker geworden, der hat sich gänzlich umorientiert. Auswahl hätte ich genug gehabt, aber ich habe mich schon ganz früh entschieden und schon mit sieben Jahren meine erste Theatergruppe gegründet. Das muss man sich mal vorstellen: Eine vorlaute Siebenjährige, die vier Leute zusammentrommelt und sagt, Ihr müsst jetzt Text auswendig lernen. Und dann spielen wir „Balle Malle Hupe und Artur“, das war ein Kinderstück des Grips-Theaters, das ich auf Platte hatte. Ich habe die anderen angehalten, ihre Texte ordentlich zu lernen und dann haben wir das aufgeführt.

Frage: Wo?

Antwort: Es gab in Kassel eine Kultureinrichtung, die hieß „Das offene Wohnzimmer“. Meine Mutter hat da öfters Lesungen gemacht und dann sind wir da eben auch aufgetreten – so richtig mit Publikum, Tickets und Eintritt zahlen.

Frage: Und Sie waren die Regisseurin?

Antwort: Die Hauptrolle habe ich natürlich auch gespielt (lacht).

Frage: Wenn Sie nicht Schauspielerin geworden wären, hätte Ihr Beruf dann was mit Kochen und Backen zu tun?

Antwort: Vielleicht. Manchmal denke ich, in meinem zweiten Leben würde ich gern eine Patisserie in Frankreich aufmachen, mit Törtchen und Gebäck in einem kleinen bretonischen Ort direkt am Meer. Ich würde nur vier Stunden öffnen, den Rest des Tages an der Küste spazieren gehen und nachts backen.

Frage: Sie backen also gern Törtchen – und was kochen Sie am liebsten? Vegan, vegetarisch oder auch mal deftig?

Antwort: Eigentlich kann ich alles, würde ich sagen. Ich habe allerdings noch nie in meinem Leben einen Schweinebraten oder so etwas gemacht. Mein jüngerer Bruder hat schon mit sechs entschieden, kein Fleisch mehr zu essen und Vegetarier zu werden – das haben meine Eltern wiederum zum Anlass genommen, sehr viel weniger Fleisch zu kaufen und zu essen. Es gibt allerdings einen Rinderbraten, den ich von meinem Vater gelernt habe, sehr gut kann und auch gerne mag.

Frage: Nämlich?

Antwort: Das Rezept stammt aus einem Stück von Eduardo de Filippo mit einer Tomatensoße, die in dem Sud des Fleisches angesetzt wird und acht Stunden lang kocht. Mein Vater hat dieses Stück mal inszeniert und immer parallel dazu dieses Essen zubereitet, so dass es auch im Theater danach roch. Das kann ich ganz gut, aber ansonsten bin ich auch ganz fit, was die vegane Küche angeht, weil viele meiner Freunde mittlerweile Vegetarier oder Veganer sind.

Frage: Kochen Sie denn streng nach Rezept oder eher frei Schnauze?

Antwort: Gar nicht nach Rezept. Nur beim Backen halte ich mich an Rezepte, weil es dabei so wichtig ist, die vorgegebenen Mengen einzuhalten. Aber beim Kochen macht es mir Spaß, mich von irgendwelchen Rezepten inspirieren zu lassen und es dann aber gerade anders zu machen als es da steht.

Frage: Also besitzen Sie keine riesige Sammlung an Kochbüchern?

Antwort: Nee, ich bin auch gar kein Freund von Kochbüchern, weil ich sie ja eh nie benutze.

Frage: Dabei haben Sie selbst mal eins veröffentlicht.

Antwort: Ja, wobei das eher eine Art Gimmick zu dem Film „Die letzte Lüge“ war, den ich zusammen mit meinem Bruder produziert habe. Das war ein Screwball-Musical, das wir in Forchheim gedreht haben, wo wir alle in Ferienhäusern gewohnt haben. Damals habe ich für das ganze Team gekocht – diese Gerichte haben wir quasi als kulinarisches Tagebuch von den Dreharbeiten herausgebracht.

Frage: Ist es richtig, dass Sie beim Kochen auch Text lernen?

Antwort: Ich habe auf jeden Fall festgestellt, dass es einfacher ist, Texte zu behalten, wenn man dabei noch etwas Anderes macht. Das muss jetzt nicht zwingend kochen sein – es gibt auch Kollegen, die beim Lernen zum Beispiel einen Ball hochwerfen. Ich kann eben ganz gut dabei noch Möhren schnippeln.

Frage: Frauen sind also doch die besseren Multitasker. Allein bei der Vorstellung, gleichzeitig Text zu lernen und zu kochen, bekomme ich einen Kabelbrand im Kleinhirn.

Antwort: Für mich ist Kochen etwas, wobei ich nicht viel nachdenken muss. Eher eine Art Meditation, deshalb kann ich mich dabei ganz gut auf andere Sachen konzentrieren.

Frage: Wie muss ich mir das vorstellen? Sie stehen an der Arbeitsplatte, lernen Text für „Stralsund“ oder „Mord mit Aussicht“, schneiden dabei Zwiebeln und sagen „Wo waren Sie gestern Abend zwischen 20 und 23 Uhr“?

Antwort: (lacht) Genau so müssen Sie sich das vorstellen.

Frage: Sie sind beim Kochen gern allein in der Küche, oder?

Antwort: Für mich alleine koche ich nicht so gerne. Aber ich mache öfters bei mir zu Hause größere Essen und genieße es dann sehr, alleine zu kochen. Viele Freunde, die abends eingeladen sind, bieten mir ihre Hilfe an, aber das brauche ich gar nicht. Ich mag es, ab mittags in der Küche zu stehen und alles für den Abend vorzubereiten. Und dann freue ich mich, wenn die Gäste kommen und ihre Freude am Essen haben.

Frage: Die können dann ja helfen, die Küche wieder sauber zu machen.

Antwort: Ach was, auch das mache ich ganz gerne.

Frage: Letztes Jahr haben Sie in der Eifel die neue Staffel von „Mord mit Aussicht“ gedreht. Was hat Sie da kulinarisch inspiriert? Ich habe beim Googeln nicht viel mehr als Wurst und Kuchen gefunden.

Antwort: Ist Reibekuchen in der Eifel nicht sehr beliebt? Für kulinarische Inspiration war aber auch überhaupt keine Zeit, ich hatte ja mit mörderischen Ermittlungen zu tun (lacht).

Frage: „Mord mit Aussicht“ war bis 2014 ein echter Quotenhit und Caroline Peters hatte als Sophie Haas für manche Zuschauer geradezu Kultstatus. Nun treten Sie ihre Nachfolge an – mit welchen Erwartungen und Hoffnungen?

Antwort: Ich habe die ganze Vorgeschichte natürlich nicht in meine Rollenauswahl mit einfließen lassen – meine Entscheidung, das zu machen, war vor allem die Möglichkeit, mal in einer deutschen Komödie zu spielen. Darauf hatte ich Lust, außerdem fand ich die Konstellation mit Sebastian Schwarz und Eva Bühnen sehr schön. Sebastian kenne ich schon sehr lange, der hat auch bei den Produktionen von meinem Bruder und mir mitgespielt. Und ich fand die Bücher von Johannes Rotter sehr originell. Die waren schon so gut wie fertig, als ich besetzt wurde – das ist eigentlich sehr ungewöhnlich. In meinen Vorbereitungen habe ich dann alle Folgen von „Mord mit Aussicht“ geguckt und mich richtig auf die Arbeit gefreut.

Frage: Ist das nicht ein Drahtseilakt? Auf der einen Seite gibt es Erwartungshaltungen seitens des Senders und des Publikums, auf der anderen wollen und können Sie nicht die Sophie Haas 2.0 spielen.

Antwort: Es ist auch nicht Sophie Haas, sondern Marie Gabler, eine eigene neue Figur. Es hat ja schon oft Reihen gegeben, bei denen sich die Besetzung geändert hat, das ist jetzt kein Hexenwerk. Der Kosmos dieses Eifel-Örtchens Hengasch ist derselbe geblieben und ich finde, dass die Tonart der Serie sehr schön fortgesetzt wird.

Frage: Sie sind seit vielen Jahren Wahl-Berlinerin und überzeugte Großstädterin. Wie war es für Sie, für einen Dreh mal so richtig aufs Land zu kommen?

Antwort: Herrlich, zum Drehen ist das wirklich wunderbar, viel entspannter als in der Stadt. Mir hat es richtig gefallen, im Grünen zu sein und fand die Landschaft auch toll. Und abends sind wir ja wieder zurück in die Stadt nach Köln. Da haben wir gewohnt und haben dann immer von dort aus die Motive angefahren.

Frage: Es gibt unter Großstädtern den Trend „Raus aufs Land“. Sind Sie auch schon auf diesem Trip? Vielleicht irgendwo nach Brandenburg?

Antwort: Nein, überhaupt nicht. Das steht auch nicht auf meinem Plan.

Frage: Sie haben in Berlin lange Jahre mit Ihrem Bruder in einer WG zusammengewohnt.

Antwort: Ja, der hat auch noch sein Büro bei mir in der Wohnung – es ist also noch etwas von der WG übriggeblieben. Das heißt, ich bin in eine andere Wohnung gezogen und er lebt jetzt mit seiner Familie in unserer früheren Wohnung, hat aber bei mir sein Büro – ich wohne ja nur etwa 50 Meter entfernt.

Frage: Steht denn mal wieder ein gemeinsames Projekt mit Ihrem Bruder an?

Antwort: Wir entwickeln gerade mit einem Drehbuchautor aus Saragossa in Spanien eine Geschichte um drei Mutter-Tochter-Verhältnisse. Wir haben aber gerade erst mit der Drehbuchentwicklung begonnen, ganz zeitgemäß über Skype, werden also vermutlich noch nicht dieses Jahr anfangen zu drehen.

Frage: Gibt’s denn schon einen Titel?

Antwort: Mama (lacht).

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