Krieg in Europa

800 Menschen setzen „klares Zeichen“ für den Frieden

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 03.03.2022 21:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Für die Mahnwache hatten die Organisatoren viele Kerzen aufgestellt. Fotos: J. Doden
Für die Mahnwache hatten die Organisatoren viele Kerzen aufgestellt. Fotos: J. Doden
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Rund 800 Menschen kamen am Donnerstag in Emden zu einer Mahnwache unter dem Motto „Emden für den Frieden“ zusammen. Aufgerufen dazu hatte die Stadt. Sie will die Hilfe für die Ukraine jetzt bündeln.

Emden - Hunderte Menschen haben am Donnerstagabend in Emden gegen den russischen Angriff auf die Ukraine protestiert. Die Stadt als Veranstalter und die Polizei sprachen von etwa 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die bei Einbruch der Dunkelheit auf dem Rathausplatz der größten ostfriesischen Stadt zusammenkamen. Viele hielten Kerzen in den Händen.

Jung und Alt demonstrierten in Emden für den Frieden. Viele hielten Kerzen oder Windlichter in der Hand.
Jung und Alt demonstrierten in Emden für den Frieden. Viele hielten Kerzen oder Windlichter in der Hand.

Zu der Mahnwache unter dem Motto „Emden für den Frieden“ hatten der Rat und die Verwaltung der Stadt aufgerufen. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) kündigte weitere solcher Aktionen an, wenn das notwendig werde. Gegenüber unserer Zeitung äußerte er sich „sehr froh und glücklich“ über die Teilnehmerzahl. Emden habe damit „ein klares Zeichen“ für den Frieden gesetzt.

Emder sollen Freundschaften aufrecht erhalten

In seiner Ansprache rechtfertige Kruithoff erneut die Entscheidung der Stadt, die Städtepartnerschaft mit der russischen Stadt Archangelsk auszusetzen. In dieser Situation könne er nicht mit dem russischen Stadtoberhaupt zusammenkommen und gegenseitige Besuche vereinbaren.

Oberbürgermeister Tim Kruithoff sprach zu den rund 800 Menschen vor dem Emder Rathaus.
Oberbürgermeister Tim Kruithoff sprach zu den rund 800 Menschen vor dem Emder Rathaus.

Zugleich ermutigte der Oberbürgermeister Emderinnen und Emder mit privaten Verbindungen nach Archangelsk, „diese Beziehungen und Freundschaften aufrecht zu erhalten“. Er wisse aus Telefonaten, dass viele Bewohner der russischen Stadt entrüstet über den Angriff auf die Ukraine seien. Aus Angst vor langen Haftstrafen werde das aber nicht öffentlich gesagt.

Hilfsaktion wird erweitert

In seiner Rede machte Kruithoff deutlich, wie nah der Krieg ist. Emden und Kiew lägen gerade mal rund 2000 Kilometer entfernt voneinander. „Wir werden in Emden die Konsequenzen spüren, das ist klar“, sagte er.

Nach Angaben des OB haben sich inzwischen viele Menschen bei der Stadt gemeldet, die sich für die Ukraine engagieren wollen. Deshalb hat sich die Stadt entschlossen, ihre während der Corona-Pandemie gestartete Hilfsaktion #emdenhilft zu erweitern. Über das Internet können sich Bürger jetzt auch für die Ukraine-Hilfe registrieren lassen.

Schulterschluss mit Hilfsorganisationen

Darüber hinaus sucht die Stadt den Angaben des Verwaltungschefs zufolge den Schulterschluss mit örtlichen und internationalen Hilfs- und Wohlfahrtsorganisationen. Einbezogen werden in die Aktionen sollen auch Ukrainer, die in Emden leben. Weitere Einzelheiten wollen die Stadt und die beteiligten Organisationen an diesem Freitag bekanntgeben.

Der Protest richtet sich vor allem gegen den russischen Präsidenten.
Der Protest richtet sich vor allem gegen den russischen Präsidenten.

An der Mahnwache nahmen auch viele Kinder und junge Leute teil. Auf einigen Protestschildern forderten die Teilnehmenden den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, den Krieg sofort zu beenden. Eine Emder Werbefirma hatte auf eigene Initiative über dem Grand Café am Stadtgarten ein großflächiges Banner in den ukrainischen Farben Blau und Geld mit der Aufschrift „Frieden jetzt“ aufgehängt, während das Rathaus hell erstrahlte.

Friedenslieder vom Rathausturm

Eingeläutet wurde die Mahnwache mit dem John-Lennon-Song „Imagine“, der eine Hymne des Friedens ist. Der Emder Musiker Michael Schunk spielte das Lied live auf dem Glockenspiel im Turm des Rathauses. Von dort erklang zum Abschluss auch das Lied „We shall overcome“, das weltweit als musikalischer Protest gegen jede Art von Missständen verwendet wird.

Während der knapp 30-minütigen Mahnwache auf dem Rathausplatz sprachen die reformierte Pastorin Etta Züchner, die lutherische Superintendentin Christa Olearius und der katholische Pfarrer Jörg Buss ein gemeinsames Friedensgebet.

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