Osnabrück

Münster-Tatort „Propheteus“ wegen Brennpunkt erst um 20.30 Uhr

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 04.03.2022 10:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Es ist keine Einbildung: Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) wird von einem schwarzen SUV verfolgt. Er versucht den Wagen abzuhängen. Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost
Es ist keine Einbildung: Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) wird von einem schwarzen SUV verfolgt. Er versucht den Wagen abzuhängen. Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost
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Wegen eines Brennpunkts zum Krieg in der Ukraine beginnt der Münster-Tatort heute Abend erst um 20.30 Uhr. „Propheteus“ widmet sich wirren Verschwörungstheoretikern und ist dabei mal auf ganz andere Art witzig.

Beim Klamauk nicht kleckern, sondern klotzen – das hat den Münster-Tatort zum erfolgreichsten Sonntagskrimi der letzten Jahrzehnte gemacht hat. Die ersten zehn Minuten der neuen Folge „Propheteus“ allerdings kommen daher, als seien ihm jetzt sämtliche Sicherungen durchgebrannt.

Gleich in der ersten Einstellung liegt der sonst so geschniegelte Professor Boerne (Jan Josef Liefers) völlig derangiert im Hawaiihemd, mit blauem Auge und zerbrochener Brille auf einer Bowlingbahn und sieht aus, als hätte er am Ende eines feuchtfröhlichen Kegelabends die letzte Kugel an den Kopf bekommen. Als er den Laden verlässt, wird er von einem dunklen SUV mit sonderbaren Gestalten verfolgt – geschlechtslosen Ermittlern des Verfassungsschutzes, wie sich später herausstellt.

Und schon kommt Boerne vom Regen in die Traufe: Kaum hat sich der Professor ins Polizeipräsidium gerettet, wird er Zeuge, wie Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) Opfer einer Geiselnahme werden. Selbstlos bietet er sich als Austauschgeisel an und rettet so die Staatsanwältin.

Kurz darauf muss er miterleben, wie der Geiselnehmer vom Dach des Präsidiums in den Tod stürzt, nachdem ein Thiel zugelaufener Hund namens „Banane“ ihn ins Bein gebissen hat. Das alles ist so krass überzogen, als hätte sich ein Fiesta-Fahrer ans Steuer eines Ferrari gesetzt und das Gaspedal versehentlich viel zu tief durchgedrückt.

Tatsächlich haben sowohl Drehbuchautorin Astrid Ströher als auch Regisseur Sven Halfar zum ersten Mal Hand an den Münster-Tatort gelegt. Im Senderinfo bezeichnet es Halfar dann auch als größte Herausforderung bei diesem Film, in der Inszenierung die Balance zu wahren: „Die Dialoge und Situationen haben oft dazu verleitet, über die Stränge zu schlagen.“ Für ihn aber liege in der Ernsthaftigkeit die Komik.

Als Zuschauer sollte man dem Reflex widerstehen, nach dem völlig überdrehten Auftakt zur Fernbedienung zu greifen und dem Irrsinn ein Ende zu bereiten. Denn nach diesen zehn Minuten springt die Zeit zurück zum Ursprung der aus dem Ruder gelaufenen Ereignisse und es entwickelt sich ein durchaus ansehnlicher Film, der weniger Krimi als Satire auf die immer zahlreicheren Verschwörungstheoretiker ist.

Der Geiselnehmer ist bereits der zweite Tote, vorher schon hat jemand einen kaufsüchtigen ehemaligen Jugendschwarm von Boernes Assistentin Silke „Alberich“ Haller gewaltsam vom Leben zum Tode befördert. Beide gehörten zu einer Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die sich unter dem Namen „Volk der Erwachten“ zusammengeschlossen und im Messengerdienst „Bla“ miteinander kommuniziert hatten. Die Erwachten sind überzeugt, dass außerirdische Reptiloide die Menschheit ausrotten oder zumindest versklaven wollen, um sich neuen Lebensraum zu schaffen.

Aber das ist natürlich Quatsch – unstrittig ist nur, dass Bill Gates den Münster-Tatort schon seit Jahren benutzt, um die Gehirne deutscher Fernsehzuschauer zu verstrahlen.

Tatort: Propheteus. Das Erste, Sonntag, 6. März, 20.15 Uhr.

Wertung: 4 von 6 Sternen

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