Bewegung

Corona sorgt für motorische Defizite bei Kindern

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 04.03.2022 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch dieser Drahtseilakt gehörte am Freitag zum Programm in der Grundschule Jennelt. Fotos: Wagenaar
Auch dieser Drahtseilakt gehörte am Freitag zum Programm in der Grundschule Jennelt. Fotos: Wagenaar
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Die Corona-Pandemie hat die körperliche Entwicklung von Kindern zunehmend behindert. Das fällt auch einem Zirkuspädagogen auf, der in Jennelt mit Schülern eine Aufführung einstudierte. Er gibt Tipps.

Jennelt - Damit sich Kinder gut entwickeln und ihre motorischen Fähigkeiten verbessern können, ist es wichtig, dass sie viel spielen und ausprobieren. In den vergangenen Jahren und gerade während der Pandemie haben die Fähigkeiten vieler Kinder allerdings merkbar nachgelassen, warnt Tim Heumann im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Zirkuspädagoge studiert regelmäßig mit Kindern Aufführungen ein und war in dieser Woche zusammen mit seinem Team vom Leverkusener Circus Zappzarap bei der Grundschule in Jennelt zu Besuch.

Was und warum

Darum geht es: Man kann die Motorik von Kindern mit einfachen Hilfsmitteln verbessern.

Vor allem interessant für: Eltern und ihre Kinder

Deshalb berichten wir: Die Grundschule Jennelt hat uns auf den Besuch des Circus Zappzarap aufmerksam gemacht.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Laut Heumann fällt den Kindern beispielsweise schon seit Jahren das Seilspringen schwerer. Während der Coronazeit kamen dann die Shutdowns, der Onlineunterricht, ausfallende Trainings bei den Sportvereinen und mehr hinzu und der Nachwuchs wurde noch zusehends dicker und unbeweglicher. Bis heute – also auch über die Shutdowns hinaus – halten diese Probleme an, die nicht nur auf Ostfriesland beschränkt ist. Grundsätzlich lasse sich zwar sagen, dass es immer auf den Einzelfall ankomme und sich manche Eltern um die körperliche Entwicklung ihrer Kinder bemühten und einen Ausgleich fanden. In anderen Fällen sei aber wenig bis gar nichts passiert.

Mindestens eine Stunde Bewegung täglich

Unter anderem versuchte daher auch schon das Bundesministerium für Gesundheit dem entgegenzuwirken und gab ein Informationsblatt heraus, das Schulen dabei helfen sollte, den Schulalltag „bewegter zu gestalten“, wie es darin heißt. Das sei wichtig, denn die Weltgesundheitsorganisation WHO empfehle Kindern und Jugendlichen täglich mindestens eine Stunde körperliche Aktivität „in moderater bis hoher Intensität“. Wichtig sei die Bewegung aber nicht nur für den Körper, sondern ebenso für die geistige Entwicklung, heißt es weiter. Helfen können bei der körperlichen Entwicklung neben Sport auch Geschicklichkeitsübungen. So können Kinder unter Aufsicht beispielsweise mit verbundenen Augen das Haus erkunden, malen, basteln oder puzzlen.

Viele Eltern und weitere Besucher schauten sich die Auftritte an.
Viele Eltern und weitere Besucher schauten sich die Auftritte an.

Wer sich hingegen als Artist ausprobieren möchte, der braucht ebenfalls nicht viel, weiß Heumann: „Es lassen sich zu Hause endlos viele Requisiten herstellen.“ Als Beispiel könne man ein Holzbrett auf eine Rolle legen und erhalte dadurch ein Rola-Bola-Brett zum Balancieren. Zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten könne man aber auch Reis oder Salz in Luftballons füllen und erhalte dadurch Bälle zum Jonglieren. Oder aber man übe Seilspringen oder Radschlagen.

Hilfsprogramm schafft mehr Möglichkeiten

Übungen wie diese wurden jetzt auch in der Grundschule Jennelt einstudiert, wo der Circus Zappzarap von den Lehrkräften unterstützt wurde, die vorab geschult worden waren. Zwar musste beim Training durchgängig ein Mundnasenschutz getragen werden, aber dafür sei nun wieder ein klassenübergreifendes Training möglich gewesen, freut sich Heumann. An diesem Freitag folgten öffentliche Auftritte vor den Eltern. Das sei erst ganz kurzfristig ermöglicht worden, erklärt die Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn. Erst seit dem 24. Februar seien Schulveranstaltungen wie diese wieder erlaubt.

Finanziert wurde das Projekt aus dem Aktionsprogramm „Startklar in die Zukunft“, das Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie unterstützen soll. Mit diesen Sondermitteln können beispielsweise auch Ferienfreizeiten und Jugendfeste gefördert, Jugendplätze aufgewertet und aufgebaut sowie die Digitalisierung in der Kinder- und Jugendarbeit gestärkt werden.

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