Demografie

Ferienhäuser in Greetsiel: Das sagen die Einwohner

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 05.03.2022 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Vor allem im vorderen Bereich der Edzard-Cirksena-Straße fallen die Ferienwohnungen auf, die sich gerade dort in neuen Mehrparteienhäusern befinden. Foto: Hillebrand
Vor allem im vorderen Bereich der Edzard-Cirksena-Straße fallen die Ferienwohnungen auf, die sich gerade dort in neuen Mehrparteienhäusern befinden. Foto: Hillebrand
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Kürzlich beschloss der Krummhörner Rat einen Ferienhaus-Stopp in einem Teil von Greetsiel. Wir haben nun mit Anwohnern über die dortige Entwicklung und den Tourismus im Ort allgemein gesprochen.

Greetsiel - Kürzlich stimmte der Krummhörner Rat für eine Veränderungssperre und für einen veränderten Bebauungsplan, um zu verhindern, dass im Bereich Klaus-Störtebeker-Weg/Edzard-Cirksena-Straße in Greetsiel weitere Ferienwohnungen entstehen. Davon waren in den vergangenen Jahren wegen einer rechtlichen Sonderregelung nämlich immer mehr gekommen. Die FBL-Fraktion schlug deshalb Alarm, um bestehende Nachbarschaften nicht noch weiter zu zerstören. Wir haben uns jetzt nach dem Ratsentscheid einmal vor Ort umgesehen und mit Anwohnern darüber gesprochen, was sie zu der touristischen Entwicklung in ihrem Fischerdorf sagen.

Was und warum

Darum geht es: In einem Teil von Greetsiel sorgen Ferienhäuser für besonders großen Unmut. Gleichzeitig wird die Bedeutung des Tourismus betont.

Vor allem interessant für: Bewohner von touristischen Küstenorten; Investoren

Deshalb berichten wir: Der Krummhörner Rat hatte kürzlich eine Entscheidung zu dem besagten Bereich gefällt.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Kommt man von den Greetsieler Zwillingsmühlen und fährt durch das Wohngebiet, so fallen einem vor allem die vielen Parkplätze und neuen Mehrparteienhäuser im vorderen Bereich der Edzard-Cirksena-Straße auf. Zwar ist gerade keine Urlauberhochsaison, aber auch am Freitagnachmittag stehen dort immer wieder Autos mit auswärtigen Kennzeichen. Es ist ruhig, nur wenige Menschen sind trotz des guten Wetters vor der Haustür.

„Gastronomie ist ausgelastet“

Vor allem der Name eines Ferienwohnungsanbieters ist immer wieder auf den Schildern zu lesen: Pro-Urlaub, laut dessen Website es sich um einen Service der Emder System Wohnungsbau- und Planungs GmbH und Co. KG handelt. Aber auch wenn man die Straße weiterfährt und in den Klaus-Störtebeker-Weg einbiegt, sind immer wieder Ferienwohnungen zu sehen, auch von anderen größeren Anbietern. Dazu kommen private Vermieter, die selbst mit in den Häusern leben und nur Teile ihrer Immobilien an Feriengäste vermieten. Zählt man nur die Schilder, die von der Straße aus leicht erkennbar sind, so gibt es insgesamt etwa 40 Häuser mit Ferienunterkünften in den beiden genannten Straßen. Die Zahl der zu vermietenden Wohnungen schwankt.

„Gerade im vorderen Bereich der Edzard-Cirksena-Straße ist es extrem“, findet Holger Mennenga, der selbst dort wohnt. Drei bis vier Nachbarn kenne er noch, aber das sei es auch schon. Gerade im Winter könne man merken, dass es viele Ferienwohnungen gebe, denn dann seien diese leer und auf den Straßen werde es sehr ruhig. Für den Gastronomen ist diese Entwicklung jedoch auch ein zweischneidiges Schwert. Er und Svenja Mennenga leiten nämlich in Greetsiel das Restaurant Seestern und sie sind auf die Urlauber angewiesen. Es seien allerdings inzwischen so viele, dass die Gastronomie nicht mehr genügend Kapazitäten habe, betont er. Im Sommer sei der Ort in der Vergangenheit teilweise schon so überlaufen gewesen, dass er zusammen mit seinem Kind auf dem Rad nicht durchgekommen sei, um es zum Kindergarten zu bringen.

„Bald wird kein Plattdeutsch mehr gesprochen“

Heinrich Baalmann wurde es schon vor drei Jahren zu bunt und er zog nach Norden. Das hatte aber vor allem mit einer aus Stuttgart zugezogenen Nachbarin zu tun, erklärt er auf Nachfrage. Baalmann habe draußen Tiere gehalten, was diese gestört habe. Bis heute halte er Kontakt zu seinen früheren anderen Nachbarn, aber alle seien traurig darüber, dass in den vergangenen Jahren so viele Häuser abgerissen und durch Mehrparteienhäuser für Touristen ersetzt wurden. Früher habe es noch eine richtige Nachbarschaft gegeben, die zusammengehalten habe. „Jetzt sagen manche Greetsieler schon, dass in fünf Jahren kein Plattdeutsch mehr gesprochen wird“, so der 70-Jährige.

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Harm Wybrands, der in der Edzard-Cirksena-Straße geblieben ist, sieht die Situation hingegen lockerer. Er wohne in einem noch jüngeren Gebiet der Straße, wo zu 95 Prozent gebürtige Greetsieler leben würden, schätzt er. Gleichzeitig zeigt der 76-Jährige Verständnis dafür, das manche Hausbesitzer im vorderen Bereich verkauften. Immerhin habe viel Geld gewunken. Auch wenn es schade sei, dass es jetzt so viele Mehrparteienhäuser gebe, lebe Greetsiel nun einmal vom Tourismus und auch er selbst beherberge Feriengäste. Es gebe hier zudem wenig Industrie, was den Fremdenverkehr noch wichtiger mache.

Was die jetzige Veränderungssperre und die geplante Änderung des Bebauungsplans angeht, so sieht er darin keinen Sinn. Wenn, dann hätte man seiner Meinung nach früher reagieren sollen. Nun seien die meisten Flächen schon neu zugebaut.