Serie „Wiesmoorer Köpfe“

Der „Colonel“ wird ruhiger

Werner Wiggermann
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Von Werner Wiggermann
| 06.03.2022 17:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Diesen Ort kennt Johannes Kleen nur zu gut. Er sitzt auf einer Bank vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Wilhelmsfehn I. Der Gedenkstein vorne rechts im Bild erinnert an die Gründung des Ortes. Foto: Schönig
Diesen Ort kennt Johannes Kleen nur zu gut. Er sitzt auf einer Bank vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Wilhelmsfehn I. Der Gedenkstein vorne rechts im Bild erinnert an die Gründung des Ortes. Foto: Schönig
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Ob in der Dorfgemeinschaft, im Stadtrat oder auf Kreisebene – der Wiesmoorer Johannes Kleen engagiert sich seit vielen Jahren – nicht nur politisch. Wegen seiner Tatkraft nennen ihn manche „Colonel“.

Wiesmoor - Dass er von Nachbarn und Freunden mal „Colonel“ genannt wurde, mag Johannes Kleen gar nicht mehr so gern hören. „Man wird ruhiger mit den Jahren“, sagt der 62-Jährige und lacht. Dass es nie böse gemeint war, wird er wohl auch wissen. Es war eher Ausdruck des Respekts für einen, dessen Tatkraft einfach ansteckend zu sein scheint.

Vor allem wenn es darum geht, Zusammenhalt zu fördern. Diesem Ziel diente vor 29 Jahren die Gründung der Dorfgemeinschaft (DG) Wilhelmsfehn I. Gerade in den Außenbereichen sei das wichtig. Alle Wiesmoorer Stadtteile haben inzwischen eine DG – und alle sind „wirklich sehr aktiv“, findet Kleen. Ein dicht gefüllter Festkalender bewahrt und erneuert den Zusammenhalt; und lädt auch diejenigen immer wieder zum Kennenlernen und Mitfeiern ein, die sich bis jetzt noch nicht für eine persönliche Mitgliedschaft haben entscheiden können.

Junge Menschen motivieren

Gut die Hälfte der etwa 1000 Einwohner ist Mitglied der Dorfgemeinschaft Wilhelmsfehn I. Ein Zwang zum Mitmachen bestehe ganz ausdrücklich nicht, versichert Kleen, aber die Tür stehe immer offen. Auch für Neubürger aus anderen Bundesländern. So soll es bleiben, auch unter dem neuen Vorsitzenden der DG, Wolfgang Halm. Johannes Kleen hat seinen Nachfolger schon vor einigen Jahren gesucht – und dann den seiner Ansicht nach Richtigen angesprochen.

Wie man das eben so macht als erfahrener Politiker. „Ich habe immer junge Leute angesprochen, ob sie nicht Lust haben, politisch mitzugestalten“, sagt Kleen. Ein Prinzip, das sich bewährt habe für Wiesmoor mit seinem überdurchschnittlich jungen Stadtrat. Ein Prinzip, das auch zur Zukunftsfähigkeit der Stadt beitrage.

Seit vielen Jahren politisch aktiv

Für die sieht der erfahrene Politiker ohnehin kein bisschen schwarz. Ausgerechnet Corona habe gezeigt, was möglich ist: Wer schwerpunktmäßig im Homeoffice arbeiten könne, der sei in Wiesmoor bestens aufgestellt; profitiere vom Charme und dem Zusammenhalt des Wohnorts, ohne den Hintergrund einer großstädtischen Infrastruktur permanent notwendig zu haben. Johannes Kleen verweist auf das Beispiel seiner Tochter Alena. Die rüstet für eine große Reederei Schiffe aus, „eine anspruchsvolle Aufgabe“, wie der stolze Vater versichert – und könne das inzwischen komplett von zu Hause aus managen.

Dass die Stadt und die Region auch in anderer Hinsicht zukunftsfähig bleiben, dafür setzt sich Johannes Kleen politisch ein. Als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag Aurich beschäftigen ihn besonders das geplante Klinikum, die Verbesserung des ÖPNV und des Radweg-Netzes. Im Wiesmoorer Stadtrat, in dem er noch stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion ist, geht es weiter um schnelle, kontinuierliche Weiterentwicklung.

Mit viel Erfahrung und Freude

„Das ist Arbeit“, sagt Johannes Kleen. Drei bis vier Termine unter der Woche – und der Sonntagvormittag für die Vorbereitung der Sitzungen – „sonst ist das nicht zu schaffen“, weiß Kleen, der sich auch im Hauptberuf nicht über Mangel an Beschäftigung beklagen kann. Als Koordinator arbeitet er an der Realisierung von Höchstspannungsleitungen, die den an der Küste produzierten Windstrom an industrielle und private Verbraucher im Süden befördern.

Wie das alles zusammen geht? Mit viel Erfahrung, Freude an nachwachsenden Verantwortungsträgern und ein wenig Weisheit, die sich unter anderem so ausdrückt: „Man wird ruhiger mit den Jahren.“

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