Stadtentwicklung

Was passiert in Ottos alter Schule?

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 06.03.2022 14:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So soll es nach dem Umbau an der Emsschule aussehen. Der Platz vor dem Gebäude wird zu einem Kita-Spielplatz. Grafik: Arne Wollers Projektierungsgesellschaft
So soll es nach dem Umbau an der Emsschule aussehen. Der Platz vor dem Gebäude wird zu einem Kita-Spielplatz. Grafik: Arne Wollers Projektierungsgesellschaft
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Einst drückte Otto Waalkes hier die Schulbank. Mittlerweile steht das denkmalgeschützte Gebäude in Emden schon seit Jahren leer. Jetzt wird es eingerüstet, eine Investorengruppe verfolgt große Pläne.

Emden - Es passiert etwas an der Emsschule in Emden. Im Februar rückten Arbeiter an, in den kommenden Wochen wird das denkmalgeschützte Gebäude in der Innenstadt eingerüstet. Nach jahrelangen Vorbereitungen kann das Millionenprojekt beginnen. Die Schule, in der Otto Waalkes früher für das Leben lernte, soll umgebaut werden.

Was und warum

Darum geht es: den Umbau der auffälligen und geschichtsträchtigen ehemaligen Emsschule im Herzen Emdens

Vor allem interessant für: Geschichts- und Architekturbewusste sowie alle, die sich für Veränderungen in Emden interessieren

Deshalb berichten wir: Auf dem alten Pausenhof von Otto Waalkes tut sich offenbar etwas. In den vergangenen Tagen waren an der Emsschule Arbeiten sichtbar geworden.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Hinter den Plänen steht eine sechsköpfige Investorengruppe aus Emden um den Unternehmer Udo Fuhrmann. Sie will dem seit Jahren leer stehenden Gebäude in bester Zentrumslage zu neuem Glanz verhelfen. Wenn alles fertig ist, sollen in den alten Klassenräumen Akten bei einem Archiv-Dienstleister eingelagert werden und Büros einziehen. Zur Rückseite ist der Bau einer Kindertagesstätte angedacht. Und schließlich soll eine alte Turnhalle an der Emsmauerstraße abgerissen werden, um Platz für 20 bis 25 Mietwohnungen zu machen. „Das Nest ist gemacht, aber die Eier liegen noch nicht drin“, sagt Fuhrmann zum Projektstatus.

Wann öffnet die neue Kita?

Konkret bedeutet das: Die Pläne und Ideen liegen bei ihm und seinen Partnern zur Umsetzung bereit in der Schublade. Allerdings fehlt es noch an den erforderlichen Genehmigungen, zum Beispiel für die Kita: „Der Bauantrag ist noch nicht gestellt“, heißt es vom Investor, „da muss der Denkmalschutz erst noch zustimmen“. Wie auch bei einem weiteren von Fuhrmann vorangetriebenen Plan, dem Umbau des ebenfalls denkmalgeschützten Apollo-Theaters, wurde die Neugestaltung der Emsschule durch Verhandlungen ausgebremst. Noch vor gut einem Jahr hatte man gehofft, die Kita im Sommer 2022 öffnen zu können. Doch der Wunschtermin ist verschoben. Das neue Ziel lautet 2023.

Auf dem früheren Pausenhof der Emsschule haben die sichtbaren Arbeiten begonnen. Foto: Päschel
Auf dem früheren Pausenhof der Emsschule haben die sichtbaren Arbeiten begonnen. Foto: Päschel

Dass die Arbeiten trotz ausstehender, aber elementarer Verträge in diesen Wochen beginnen, liegt an einer Teileinigung. Die Bauaufsicht der Stadt hatte laut Fuhrmann zugestimmt, dass die Emsschule in ihren Rohbau zurückversetzt werden kann. Um die Feuchtigkeit aus den alten Gemäuern zu bekommen, wurde angefangen, den Keller und die Außenwände abzudichten. Während das Gebäude im Innern vollständig modernisiert und umgestaltet wird, bleibt die Frontansicht mit den Fenstern und Wänden erhalten. Das Dach soll erneuert werden.

„Wir wollen da keine Autos mehr“

Noch offen ist, was auf der Rückseite passiert. Geht es nach den Investoren, könnte dort ein Anbau für die Kindertagesstätte entstehen, der optisch zugleich eine Verbindung zu dem geplanten Wohngebäude schafft. Allerdings: der Anbau würde die Emsschule nicht nur stilistisch stark prägen und die Rückansicht verändern.

An der Rückseite des Gebäudes könnte ein moderner Kita-Anbau entstehen. Doch die Wünsche der Projektiere gehen noch nicht konform mit den Vorstellungen der Denkmalschützer. Grafik: Arne Wollers Projektierungsgesellschaft
An der Rückseite des Gebäudes könnte ein moderner Kita-Anbau entstehen. Doch die Wünsche der Projektiere gehen noch nicht konform mit den Vorstellungen der Denkmalschützer. Grafik: Arne Wollers Projektierungsgesellschaft

Zugleich benötigt er Platz. Zwischen der Schule und der Turnhalle ist der Raum allerdings durch eine Straße begrenzt. Der Denkmalschutz pocht darauf, dass sie erhalten bleibt – als wichtige Sichtachse zur historisch bedeutsamen Emstreppe. Wie sich die gegensätzlichen Interessen miteinander in Einklang bringen lassen, wird derzeit geprüft und verhandelt. Fuhrmanns Position ist klar: „Wir wollen da keine Autos mehr“, sagt er.

Vor dem Abriss gerettet

Auch wenn im Detail die Verhandlungen noch laufen. Im Verein Anno – Gesellschaft zur Erhaltung ostfriesischer Kultur- und Baudenkmale wird die Sanierung der Emsschule im Grundsatz begrüßt. „Das ist eine traumhafte Lösung“, sagte der Vereinsvorsitzende Hero-Georg Boomgaarden bei Bekanntwerden der Plänen gegenüber dieser Redaktion.

Udo Fuhrmann will zusammen mit fünf anderen Unternehmern aus Emden an der Emsschule investieren. Foto: Päschel
Udo Fuhrmann will zusammen mit fünf anderen Unternehmern aus Emden an der Emsschule investieren. Foto: Päschel

Er und die Gesellschaft hatten sich vehement dafür eingesetzt, dass die Emsschule gerettet wird. Sie erreichten, dass die Immobile 2018 unter Denkmalschutz gestellt und damit vor einem Abriss bewahrt wurde. Die Stadt hatte zuvor lange Zeit erfolglos versucht, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten beziehungsweise Investoren zu begeistern. Zwischenzeitlich war nach einem Verkauf an die städtische Wohnbaugesellschaft Gewoba der Vorstoß gescheitert, sogenannte Mikro-Appartements zu entwickeln. Die Idee scheiterte an unerwartet hohen Sanierungskosten.

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