Klimawandel
Verbände fordern mehr Geld für Küsten- und Hochwasserschutz
Vertreter der Siel- und Deichverbände sprechen am Donnerstag in Hannover mit Umweltminister Olaf Lies (SPD). Im Gepäck haben sie klare und deutliche Wünsche.
Emden/Krummhörn - Eindringliche Appelle an Bund und Land, mehr Geld für den Küstenschutz und die Entwässerung des Binnenlandes zur Verfügung zu stellen, haben am Dienstag die Sitzung von Vorstand und Ausschuss der Deichacht Krummhörn in Emden geprägt. Mit entsprechenden Erwartungen fahren der stellvertretende Oberdeichrichter Gerd-Udo Heikens und Obersielrichter Reinhard Behrends vom Ersten Entwässerungsverband Emden an diesem Donnerstag nach Hannover zu einem Gespräch mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD).
Was und warum
Darum geht es: die Finanzierung des Küstenschutzes und des Binnen-Hochwasserschutzes in Ostfriesland
Vor allem interessant für: alle Bewohnerinnen und Bewohner der Küstenregion und für Politiker, zu deren Aufgabe der Küstenschutz gehört
Deshalb berichten wir: Bei der Sitzung von Vorstand und Ausschuss der Deichacht Krummhörn haben am Dienstag führende Vertreter von Deich- und Sielverbänden ihre Forderungen an die Politik formuliert. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
„Wir haben Lösungen für alles, benötigen dafür aber politische und finanzielle Unterstützung“, sagte Heikens dieser Zeitung am Rande der Sitzung. Er vertritt bei dem Treffen mit Lies am Donnerstag die Interessengemeinschaft (IG) der 37 Deich- und Sielverbände in Weser-Ems und wird vom Geschäftsführer dieser IG und der Krummhörner Deichacht, Frank Rosenberg, begleitet.
Obersielrichter schlägt erneut Alarm
Das Gespräch mit Lies geht auf eine Initiative von Behrends zurück. Der Obersielrichter schlägt schon seit Monaten Alarm und wird nicht müde, auf den seiner Auffassung nach akuten Handlungsbedarf beim Binnen-Hochwasserschutz hinzuweisen. Zuletzt bekräftigte der Chef des Entwässerungsverbandes das nach dem Hochwasser in einer Ferienhaussiedlung am Großen Meer, das im Verbandsgebiet liegt.
Laut Behrends duldet ein besserer Binnen-Hochwasserschutz keinen Aufschub mehr. „Von 40 Schöpfwerken an der niedersächsischen Küste sind 50 Prozent über 50 Jahre alt“, sagte er. Deshalb müsse jetzt damit begonnen werden, kontinuierlich die Technik zu verbessern und auch neue Technik zu installieren.
Hoffnung auf neuen Generalplan
Der Obersielrichter setzt bei der Finanzierung unter anderem auf den Generalplan für notwendige Bauvorhaben für den Hochwasserschutz in der Küstenregion, den die Länder Niedersachsen und Bremen im Januar vorgelegt haben. Dieser sieht für Niedersachsen Projekte im Umfang von etwa 650 Millionen Euro vor. „Wir wollen aktiv daran teilnehmen“, sagte Behrends.
In diesem Zusammenhang verwies er auf vorhandene Projekte und Alternativlösungen, die die Universität Oldenburg zusammen mit einer Zukunftsprognose im Rahmen der beiden Umweltprojekte Klever und Klever-Risk entwickelt hat. Dabei geht es darum, „Strategien für eine Reduzierung der Binnenhochwasserrisiken unter Berücksichtigung künftiger klimatischer Veränderungen in den nordwestdeutschen Küstenniederungen zu entwickeln“, beschreibt die Universität die Zielsetzung.
Blick auf Milliarden für den Klimaschutz
Behrends hofft zudem, dass der Küsten- und der Binnen-Hochwasserschutz von den 200 Milliarden Euro profitieren kann, die die Ampelkoalition in Berlin bis zum Jahre 2026 für den Klimaschutz ausgeben will. Darauf haben sich Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vor wenigen Tagen in den Verhandlungen über den Haushalt 2022 und die Planung für die Folgejahre geeinigt.
Ähnlich wie Behrends äußerte sich auch Gerd-Udo Heikens. Er befürchtet, dass der Küstenschutz mit Blick auf die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise und des Ukraine-Krieges hinten herunterfällt. Die 60 Millionen, die das Land Niederachsen für den Küstenschutz pro Jahr bereitstellt, seien ohnehin „zu wenig“. „Denn wir haben viel vor der Brust“, sagte der Chef der IG Deich- und Sielverbände in Weser Ems. Und: „Wir brauchen angesichts der großen Herausforderungen eine vernünftige finanzielle Ausstattung, aber keine langen Diskussionen“, so Heikens.
Oberdeichrichter Alwin Brinkmann von der Deichacht Krummhörn warnte unterdessen davor, sich zurückzulehnen und darauf zu vertrauen, es werde schon alles werden. Notwendig sei vielmehr „ein völliges Umdenken dessen, was in den vergangenen 50 Jahren gegolten hat“. Man müsse „schon sehr bald darüber nachdenken, was an der Küste passiert“. Der Küstenschutz und die Entwässerung blieben „eine ewige Aufgabe“.