Wohnen
446 Emder und Auswärtige wollen in Conrebbersweg-West bauen
Die Stadt Emden hat die erste Bewerberliste für Grundstücke im Baugebiet Conrebbersweg-Emden vor gut zwei Wochen geschlossen. Jetzt geht es an die Auswertung. Wer hat die besten Chancen?
Emden - Die Nachfrage nach Baugrundstücken im geplanten Stadtviertel Conrebbersweg-West in Emden ist groß. Insgesamt 446 Interessenten haben sich innerhalb der dafür festgelegten Frist um die etwa 100 Bauplätze im ersten Abschnitt des neuen Stadtteils beworben. Das teilte Stadtbaurätin Irina Krantz am Donnerstag im Ausschuss des Emder Rates für Stadtentwicklung und Umwelt mit.
Was und warum
Darum geht es: Die Bewerbungsfrist für Bauwillige im neuen Gebiet Conrebbersweg-West ist abgelaufen.
Vor allem interessant für: Bauwillige und diejenigen, die sich für die Entwicklung der Stadt und eines neuen Stadtteils interessieren.
Deshalb berichten wir: Die Stadt hat die Ergebnisse des Bewerbungsverfahrens vorgelegt. Wir haben sie uns näher angeschaut und erklären, wer zum Zuge kommt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Mehr als zwei Drittel der Bewerberinnen und Bewerber, nämlich 324, kommen aus Emden, der Rest von auswärts. Groß ist das Interesse vor allem bei jüngeren Leuten: Gut die Hälfte aller Interessenten sind zwischen 26 und 35 Jahre alt. An zweiter Stelle der Altersgruppen stehen mit 19 Prozent die 36- bis 45-Jährigen. Darunter sei ein hoher Anteil an Familien mit Kindern. „Das sind die Alters- und Zielgruppen, die wir avisiert hatten“, sagte Krantz. Die meisten Bewerbungen von Auswärtigen kommen aus den umliegenden Gemeinden der Stadt.
Stadtbaurätin für zweiten Abschnitt
Aus Sicht der Stadtbaurätin hat sich damit bestätigt, dass das Baugebiet notwendig ist. Das Angebot sei „bei denen angekommen, für die es geplant ist“. Die Stadtbaurätin hält es deshalb für den „richtigen Weg“, mit dem 2. Bauabschnitt weiterzumachen.
Die Frist für Bewerbungen um Bauplätze im ersten Abschnitt von Conrebbersweg-West lief am 23. Februar nach acht Wochen ab. Laut der Stadtverwaltung werden derzeit alle Bewerbungen ausgewertet. Diese Prüfung soll bis Ostern abgeschlossen werden. Im Anschluss daran könne mit der Vergabe der Grundstücke begonnen werden, teilte Stadtsprecherin Theda Eilers am Freitag mit.
Diese Kriterien sind entscheidend
Grundlage für die Vergabe ist ein Kriterienkatalog, den der Rat der Stadt im vergangenen Jahr festlegte. Sie orientieren sich überwiegend an sozialen Faktoren. Bei der Vergabe werden unter anderem das Alter, die Familiensituation, Wohneigentum und Erbbaurechte, Teilhabebeschränkungen sowie Fragen zum Arbeitsplatz und zum ehrenamtlichen Engagement berücksichtigt. Diejenigen Bewerber, die sich schon in den vergangenen Jahren auf der Warteliste eintragen ließen, sollen ebenfalls vorrangig berücksichtigt werden. Darauf stehen etwa 1200 Namen.
Die einzelnen Kriterien werden nach einem Punktesystem bewertet. Die besten Chancen als einer der ersten zum Zug zu kommen, hätte demnach beispielsweise ein Bewerber im Alter zwischen 26 und 35 Jahre, der Kinder im Alter unter fünf Jahre, kein eigenes Wohneigentum hat und in Emden arbeitet.
Ältere Bewerber haben schlechte Karten
Die schlechtesten Aussichten haben hingegen Leute, die älter als 55 Jahre und kinderlos sind, schon eine Immobilie besitzen und nicht in der Stadt beschäftigt sind. Zwischen diesen beiden Beispielen gibt es Abstufungen.
Die ersten 100 Grundstücken, die verkauft werden, sind nach Angaben der Stadt zwischen 500 und 1150 Quadratmeter groß. Die Preise liegen zwischen 150 und 180 Euro pro Quadratmeter. Wer ein Grundstück erwirbt, muss das Haus darauf mindestens zehn Jahre lang selbst bewohnen.
Kritiker stellen viele Fragen
Der erste von mehreren geplanten Bauabschnitten liegt im Norden des neuen Stadtteils, der zwischen der Autobahn, dem Larrelter Tief und dem bestehenden Teil von Conrebbersweg entsteht. Der erste Teil wird über eine Baustraße erschlossen, die über die Autobahn-Anschlussstelle Pewsum angefahren werden kann.
Diese Baustraße ist auch Gegenstand eines strafrechtlichen Verfahrens, das der Naturschutzbund (Nabu) gegen die Verantwortlichen angestrengt hat. Die Naturschützer haben im vergangenen Jahr Anzeige erstattet. Sie vertreten den Standpunkt, dass mit dem Bau der Straße im Frühjahr 2021 begonnen wurde, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur wirksam waren.
Stadt sieht Verfahren entspannt entgegen
Auch andere Naturschützer und die Grünen in Emden stemmen sich nach wie vor gegen das Baugebiet, weil dadurch ein hochwertiges Naturgebiet verloren geht. Kritiker und Grüne konfrontierten während der jüngsten Ausschusssitzung die Stadtverwaltung erneut mit einer Reihe von Fragen, die sich insbesondere auf die Ausgleichsmaßnahmen bezogen.
Die Stadt sieht dem juristischen Verfahren hingegen laut dem zuständigen Fachbereichsleiter Rainer Kinzel „sehr entspannt“ entgegen. Kinzel bekräftigte die Haltung der Stadt, dass sämtliche erforderlichen Genehmigungen und rechtliche Randbedingungen, auch fachtechnischer Art, berücksichtigt und eingehalten worden seien.
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