Serie: Wiesmoorer Köpfe

Als Zusteller wird er auch nach dem Weg zum Puff gefragt

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 13.03.2022 07:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Immer auf Achse für die Zeitungs-Kunden: Klaus Frieden stellt die Ostfriesen-Zeitung verlässlich jeden Morgen zu. Foto: Ortgies
Immer auf Achse für die Zeitungs-Kunden: Klaus Frieden stellt die Ostfriesen-Zeitung verlässlich jeden Morgen zu. Foto: Ortgies
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Klaus Frieden versorgt seit mehr als 25 Jahren die Leser in Wiesmoor mit der Tageszeitung. Seine Zuverlässigkeit ist legendär. Er funktioniert wie ein Uhrwerk, nur einmal kam er aus dem Tritt.

Am ganz frühen Morgen hat Klaus Frieden sein Quartier für sich. Im Sommer und Winter, bei Regen, Wind und Schnee. Die Sonne allerdings begleitet ihn selten auf dem täglichen 20-Kilometer-Weg zu den 160 Lesern. Um 5.15, spätestens 6 Uhr, hat er die druckfrischen Nachrichten der Tageszeitung ausgeliefert; und nur ganz selten begegnet er einem der Menschen, die sich Tag um Tag auf ihn verlassen können.

Allenfalls trifft er mal den älteren Herrn, der nicht länger schlafen kann. „Wann kommt Klaus?“, fragt der sich, lange bevor die Hähne krähen. So bringt Klaus Frieden mit den neuesten Nachrichten auch Struktur in den beginnenden Tag. Verlässliche Struktur, denn das Wort „verschlafen“ hat er nach über 25 Jahren Frühschicht längst aus seinem Wortschatz verbannt. Wenn er in Urlaub ist, hat er sich persönlich bei „seinen“ Abonnenten abgemeldet und „krank bin ich auch nie“, behauptet er. Die 20-Rad-Kilometer, die vielen Schritte zwischen Rad und Briefkästen, sie halten ihn in Form. Viel länger übrigens als das Fahrrad – stets ein gutes Gebrauchtes vom örtlichen Radhändler seines Vertrauens – das im Schnitt alle drei Jahre ausgetauscht werden muss. Dafür hält das Auto länger, das Klaus Frieden für seine Zustell-Dienste bei Wind und Wetter nicht einsetzt. Den Polo hat er vor 20 Jahren neu gekauft, und er zeigt keinerlei altersbedingte Ausfälle.

Die Kunden sind „liebe Leute“

Auch ein Punkt, weswegen sich die jahrzehntelange Zustellerei für Klaus Frieden auch wirtschaftlich lohnt. Noch wichtiger ist ihm aber der verlässliche Kontakt zu den Abonnenten. „Liebe Leute sind das hier“, versichert er. „Schönen Urlaub“, bekommt er rückgemeldet, wenn er sich mal für ein paar Tage abgemeldet hat. Und wenn einer der Kunden Urlaub macht, gibt er auf Anfrage gute Tipps, wem die Zeitung in dieser Zeit zugestellt werden soll. Ein Seniorenheim vielleicht? Klaus Frieden übernimmt auch die Umbuchung. Alles im Service inbegriffen eben: „Schönen Urlaub!“

Wie kann man jemanden verblüffen, der so gut auf jede Situation eingestellt ist? Einmal hielt ein Auto mit Bremer Kennzeichen direkt neben seinem Rad. „Wo geht’s denn hier zum Puff?“, wollten die Fremden wissen. Klaus Frieden hatte eine grobe Ahnung, gab sein Ahnen weiter – und machte sich dann schnell aus dem Staub. Denn gerade nicht mehr rechtzeitig war ihm eingefallen, dass es diese Dienstleistungsadresse in Wiesmoor gar nicht mehr gab.

Engagement im Tierschutz

Die „lieben Leute“ in Wiesmoor hätten Verständnis dafür gehabt, dass Klaus Frieden hier auf dem falschen Fuß erwischt wurde. So gut kennen sie ihn und wissen daher auch, dass Familie Frieden sich seit vielen Jahren im Tierschutz engagiert. Katzen, manchmal auch Hunde, die Pech mit ihren menschlichen Familien hatten, nehmen sie auf, pflegen sie, vermitteln sie weiter. Jedes Jahr reist Klaus nach Gran Canaria, um sich für den dortigen Tierschutzverein um streunende Tiere zu kümmern. Sich um Impfung, Kastration und neue Perspektiven als geliebtes Haustier zu kümmern. Die Katzen und Hunde werden gegen eine Gebühr an Interessenten in Ostfriesland weitergegeben.

Dass die Friedens ein so großes Herz für kleine Vierbeiner haben, hat sich im Quartier längst herumgesprochen. „Die Leute bringen mir Streu und Katzenfutter“, erzählt Klaus Frieden. Das macht den Mittelteil seines fast immer gleichen Tagespensums ein wenig einfacher. Nachdem er die letzte Tageszeitung ausgeliefert hat, kümmert sich Klaus um das Wohlergehen der sieben eigenen Katzen und der gerade in seinem kleinen „Tierheim“ wohnenden Pensionsgäste. Danach wird es Zeit für den Hauptberuf: In dem leitet Klaus Frieden die Wiesmoorer Stadtkasse. Dienstbeginn 6.30 Uhr, spätestens 8.15 Uhr im Rathaus – oder, in Coronazeiten, an zwei Tagen pro Woche im Homeoffice.

„Abends bin ich schon etwas platt“, gesteht Klaus Frieden. Gegen 21 Uhr geht’s ins Bett. Mit fünf bis sechs Stunden Schlaf kommt er aus, sonnabends dürfen es schon mal zwei, drei Stunden mehr sein. Dann schläft er „aus“, beginnt erst um 4.30 Uhr mit der Zustellung – und erlebt trotzdem vielleicht wieder mal ein kleines Abenteuer.

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