Altersjubiläum
Emder macht das Leben auch mit 100 Jahren noch viel Spaß
Johannes Eilers aus dem Emder Stadtteil Wolthusen vollendet an diesem Montag das 100. Lebensjahr. Er strahlt eine tiefe Zufriedenheit aus und ist noch sehr vital. Was ist sein Rezept dafür?
Emden - Johannes Eilers sitzt im Wohnzimmer seines Hauses in Emden-Wolthusen zurückgelehnt auf dem Sofa, genießt eine Tasse Tee und ein Stückchen Kuchen. Er erzählt aus seinem Leben, lächelt häufig und strahlt eine tiefe Zufriedenheit und Zuversicht aus. „Ich entbehre nichts“, sagt der Senior und fügt an, dass das Leben ihm noch viel Spaß mache. Man mag es kaum glauben: Aber es sind die Worte eines Mannes, der an diesem Montag 100 Jahre alt wird.
Es scheint so, als habe diese runde Zahl für Eilers nur eine geringe Bedeutung. Auf die Frage, wie alt er werden möchte, antwortet er prompt: „Ich tue was ich kann, um gesund zu leben und gesund zu bleiben“, sagt er mit klarer Stimme. Jedoch wisse er nicht, „was der liebe Gott noch mit mir vorhat“.
Die Familie gibt ihm viel Kraft
Seinen Lebensmut schöpft der Jubilar auch aus seiner Familie. Seine drei Kinder - zwei Söhne und eine Tochter - leben mit ihren Familien in Emden. Johannes Eilers ist glücklich, die Kinder, Schwiegerkinder sowie seine sechs Enkel und zwei Urenkel in seiner Nähe zu wissen. Alle kümmern sich liebevoll um ihn. Tochter Anita Gravemann, das jüngste seiner drei Kinder, schaut täglich bei ihm nach dem Rechten. „Ich könnte es besser nicht haben“, sagt der Senior.
Auch wenn die Knochen nicht mehr mitspielen und ihm das Gehen schwerfällt, kommt der Senior in seinem Haus noch gut zurecht. Er backt und kocht auch noch – insbesondere Eintöpfe bereitet er gerne zu. Seine Spezialität sind aber in Rotwein und Rum eingelegte Zwetschgen, die als „Zwetschgengesöff“ in der Familie Tradition haben.
Solide Lebensweise als Rezept
Zu viel davon kommt für den Jubilar aber nicht infrage. Denn zu seinem Rezept für ein hohes Alter gehört eine solide Lebensweise. „Und“, fügt er hinzu, „das sage ich mit einem Ausrufungszeichen: Ich habe nicht geraucht“. Eine Rolle spielten aber auch die Gene.
Johannes Eilers, den Freunde nur Hans nennen, kam als jüngstes von sieben Geschwistern in Wolthusen zur Welt. Sein Vater und sein Großvater waren Landwirte. „Daher rührt auch meine Liebe zur Gartenarbeit“, sagt der Jubilar, der nach der Schulzeit eine kaufmännische Lehre bei der früheren Emder Verkehrsgesellschaft AG und heutigen Emder Emder Verkehrs und Automotive Gesellschaft (EVAG) begann.
Aus der Gefangenschaft „gut davongekommen“
Während des Zweiten Weltkriegs wurde er als 19-Jähriger zum Arbeitsdienst einberufen. Der Einsatz führte ihn zunächst nach Frankreich in die Nähe von Paris. Später geriet er in Griechenland in russische Kriegsgefangenschaft und wurde in ein großes Lager in Ungarn gebracht. Weil er an Malaria erkrankt war, wurde er nach der Eingangsuntersuchung entlassen. Er könne „nur dankbar sein, noch so gut davongekommen zu sein“, sagt der Emder im Rückblick.
Am 6. September 1945 kehrte er nach Emden zurück. Es war auf den Tag genau ein Jahr nach der weitgehenden Zerstörung seiner Heimatstadt durch alliierte Bomber. „Ich wusste damals nicht mehr, wo ich war“, erinnert sich Eilers an seinem ersten Gang durch die Stadt. Emden lag größtenteils in Trümmern. „Ein schrecklicher Anblick“, sagt Eilers.
Ukraine-Krieg erschüttert den Jubilar
Angesichts der eigenen Erfahrungen ist Eilers „sehr erschrocken“ über den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine. „Denn bei einem Krieg können alle nur verlieren“, sagt er. Dass er jetzt noch einmal „diesen mörderischen Kampf“ erleben müsse, erschüttere ihn.
Beruflich arbeitete Eilers länger als 40 Jahre bei der Firma Lehnkering & Co. in Emden und erlebte dort die Blütezeit des Massengutumschlags im Hafen. „Ich habe die fetten Jahre noch mitgemacht“, schildert er. Dann sei es aber „schnell nach unten gegangen“.
Frühstück mit Kindern hat Tradition
Das eigene Haus in Wolthusen haben Eilers und seine 2010 verstorbene Frau vor mehr als 60 Jahren bezogen. Auch heute sei er dort „glücklich und zufrieden“. Als langjähriges Mitglied des Emder Rudervereins und von Amisia Stern Wolthusen habe er in früheren Jahren auch viel Sport getrieben. Die Wochenenden verbrachte die Familie häufig am Kleinen Meer. Sie hatte dort vor Jahrzehnten ein Grundstück am Kurzen Tief erworben, das bis heute im Besitz der Familie geblieben ist.
Seinen 100. Geburtstag feiert der Jubilar an diesem Montag privat im Kreis der Familie und zusammen mit einigen Freunden. Der Ehrentag beginnt aber nach alter Familientradition mit einem Frühstück, das er allein mit seinen Kindern genießt.