Osnabrück
Brauerbund rechnet mit weiter steigenden Bierpreisen
Teure Rohstoffe, Corona-Pandemie, Inflation - viele Brauereien haben bereits Preiserhöhungen angekündigt. Der Deutsche Brauerbund geht davon aus, dass Verbraucher auch wegen der Auswirkungen des Ukraine-Krieges bald mehr für Bier zahlen müssen.
Eine gute Nachricht für Verbraucher vorweg: Das Bier wird wohl auch in Zukunft nicht knapp werden. „Die Lieferfähigkeit der Mälzereien ist gesichert“, heißt es unter anderem seitens der im sauerländischen Meschede-Grevenstein beheimateten Brauerei Veltins. Ähnlich ist die Situation der Krombacher Brauerei aus dem nordrhein-westfälischen Kreuztal. Das Malz für die Bierproduktion komme ausschließlich aus Mälzereien in Deutschland und EU-Ländern, teilt das Unternehmen mit.
Dennoch: Wenn es um den „Preisschock“ bei Lebensmitteln geht, von dem manch ein Ökonom im Zuge der Auswirkungen des Ukraine-Krieges spricht, ist auch das Bier keine Ausnahme. „Solch drastische Kostensteigerungen werden über kurz oder lang auf den Endpreis der Produkte umgelegt werden müssen“, heißt es vom Deutschen Brauerbund auf Anfrage.
Schon vor der russischen Invasion der Ukraine hatten Brauereien wie zuletzt Heineken, die zweitgrößte Brauerei der Welt, angekündigt, dass die Preise in naher Zukunft steigen werden. Andere haben Verbraucher schon im vergangenen Herbst über Erhöhungen im Frühjahr informiert. Schon damals nannte die Unternehmen gestiegene Kosten unter anderem für Energie, Fracht und Rohstoffe als Grund. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine hat sich die Lage noch einmal verschärft. Einen Anstieg von acht bis 20 Prozent prognostizieren die Vereinten Nationen mit Blick auf die weltweiten Lebens- und Futtermittelpreisen.
Die mehr als 1500 Brauerinnen und Brauer verfolgen die aktuellen Entwicklungen dem Deutschen Brauerbund zufolge mit großer Sorge. Immerhin 87,1 Millionen Hektoliter Bier haben die Unternehmen im Corona-Jahr 2020 abgesetzt. „Ein immer größeres Problem für die Brauereien sind die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe, Verpackungen, Energie und Logistik, die regelrecht durch die Decke gehen, in immer absurdere Höhen“, teilt der Verband unserer Redaktion mit.
Die Kosten für Kronkorken, heißt es seitens der Brauerei Veltins, seien um 60 bis 70 Prozent in die Höhe geschnellt. Folien hätten sich gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent verteuert. Die Preissteigerung bei Paletten sei zwar etwas abgeebbt, sie würden jedoch noch immer Mehrkosten von 100 Prozent verbuchen.
Insbesondere mit Sorge betrachtet der Deutsche Brauerbund die Versorgung der Unternehmen mit Braugetreide und die Energie. „Malz als wichtiger Braurohstoff hatte sich schon vor dem Beginn der Ukraine-Krise innerhalb eines Jahres um bis zu 60 Prozent verteuert.“ Bei Veltins spricht man aktuell sogar von Mehrkosten in Höhe von rund 70 Prozent.
Der Grund dafür sei allerdings nicht der Krieg in der Ukraine, sondern die schlechte Ernte im vergangenen Jahr. Einzig ohne Mehrkosten zurzeit: Hopfen. Dort sei die vergangene Ernte gut gewesen, teilt ein Veltins-Sprecher mit. Insgesamt rechnet die Brauerei nach erheblichen Kostensteigerungen 2021 mit einer weiteren Zuspitzung in diesem Jahr.
Am extremsten sind die Preissteigerungen dem Deutschen Brauerbund zufolge bei Strom und Gas. „Die Märkte sind in Europa völlig aus dem Gleichgewicht geraten und werden nun zu einer Bedrohung für die wirtschaftliche Stabilität“, warnt der Verbands. Bei Veltins rechnet man vor: Der Marktpreis von Strom auf dem Terminmarkt sei innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 144 Prozent gestiegen. Bei Gas sei die Steigerung noch dramatischer. Hier habe sich der Marktpreis auf dem Terminmarkt binnen Jahresfrist um 190 Prozent erhöht.
Welche weitreichenden Auswirkungen der Krieg in der Ukraine mittel- und langfristig auf die Rohstoffsituation haben werde, ist der Brauerei Veltins zufolge um jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Noch halten sich die kurzfristigen Auswirkungen in Grenzen. Auch bei Warsteiner und Herforder ist derzeit kein Mangel in der Lieferkette erkennbar, heißt es auf Anfrage. „Somit werden wir die Produktion nicht drosseln und unsere Biere sind wie gewohnt im Supermarktregal verfügbar“, teilt ein Warsteiner-Sprecher mit.
Doch auch bei der nordrhein-westfälischen Warsteiner-Gruppe weist auf die Unsicherheiten hin, mit denen die Entwicklungen in der Versorgungslage der benötigten Rohstoffe, Verpackungsmaterialien und Energie verbunden sind.
Zu Preissteigerungen äußert sich die Gruppe traditionell nicht. Veltins wird nach der pandemisch bedingten Kostenexplosion bereits zum 1. April teurer. Der Kastenpreis dürfte nach den Markterfahrungen um einen Euro steigen, heißt es seitens des Unternehmens. Diesen Schritt hatte Veltins bereits im Spätherbst abgekündigt. Und auch bei Krombacher werden die Preise bereits im Frühjahr angepasst.