Osnabrück
Geld oder Leben?
In diversen Formaten widmet sich die ARD ab Mitte März dem Themenschwerpunkt „Unser Wasser“. Filmemacher Daniel Harrich erläutert Hintergründe und Ziele.
Daniel Harrich klingt etwas atemlos. Er kommt gerade aus dem Schneideraum und nach dem Gespräch mit unserer Redaktion will er da direkt wieder hin. Er stellt gerade die Dokumentation „Bis zum letzten Tropfen“ fertig, die sich unserem Umgang mit dem Wasser widmet und aufzeigt, wie wichtig der schonende Umgang damit ist. „Es hängt alles mit allem zusammen“, sagt der 38-Jährige hinsichtlich sinkender Grundwasserstände, Verunreinigungen, Hitzerekorden und unserem täglichen Verhalten.
Verständlich machen soll das der hochkarätig besetzte Spielfilm „Bis zum letzten Tropfen“, in dem Sebastian Bezzel den überforderten Bürgermeister Martin Sommer von Lauterbronn spielt. Das fiktive Städtchen ist idyllisch, aber strukturschwach. Einen Geldsegen erhofft Sommer sich für den Ort, als der Getränkekonzern „Pur Aqua“ das hochwertige Grundwasservorkommen nutzen will.
Als Pure Aqua-Repräsentant Rainer Gebhard (Ulrich Tukur) nicht nur ein lukratives Angebot für die Entnahmerechte macht, sondern auch Arbeitsplätze zusichert, sieht Sommer eine Chance gekommen und trudelt reichlich naiv in heftige Auseinandersetzungen rein. Da ist seine Tochter Ava (Hanna Schiller), sein Nachbar, der Landwirt Bernhardt Schulz (Michael Roll), und dessen Sohn Alex (Sebastian Urbanski), die sich massiv gegen die Pläne wehren. Um sie scharen sich immer mehr Einwohner.
Und da sind Wasserexpertin Amira König (Neda Rahmanian) und Julia Roland (Karoline Schuch), Referentin für Wasser im Umweltministerium, die ihre ganz persönlichen Lebenspläne verfolgen. Schließlich werden Lauterbronn schier unerschöpfliche Wasservorräte bescheinigt – die es gar nicht hat. Der Streit eskaliert dramatisch.
„Es ist ein wahnsinnig komplexes Thema“, sagt Daniel Harrich und: „Es ist eine ziemliche Herausforderung, dem gerecht zu werden.“ Dafür nutzt die ARD nicht nur die erwähnte Dokumentation und den Spielfilm. Es gibt zudem die Doku-Reihe „Durst – Wenn unser Wasser“ verschwindet und online einige Informationen und Mitmachangebote zum Thema Wasser.
Harrich bezeichnet den Film als „Heimatwestern“ und nennt dafür Stilistik, Farbigkeit, Musik als Grund, aber auch den Bürgermeister, der wie eine Art Sheriff agiere. Zudem beschreibt der Filmemacher das Werk als „investigativ-fiktional“. Harrich hat sich für die Bücher beispielsweise mit dem Konzern Coca-Cola befasst, der in Lüneburg ein Grundwasserreservoir erschließen wollte und auf massiven Protest gestoßen ist. „Wir zeigen von unseren Recherchen so viel, wie juristisch möglich ist“, ergänzt Harrich.
Zwei Tage bevor der Film im Fernsehen präsentiert wird, wird er während eines parlamentarischen Abends im Reichstag gezeigt. Die Fraktionen können zu solch einer Veranstaltung einladen. „Wir wohnen bei“, erläutert Harrich und: „Ich möchte diese Bühne nutzen, um einen gesellschaftlich-politischen Denkanstoß zu liefern.“
Fernsehfilm „Bis zum letzten Tropfen“, 16. März, 20.15 Uhr, ARD; „Bis zum letzten Tropfen – Die Doku, 21.45 Uhr. Die Webseite www.daserste.de/unserwasser wird seit dem 1. Februar 2022 nach und nach ergänzt.