Kunst

Rrummpff tillff toooo: Schwitters‘ Ursonate kommt nach Wittmund

| | 15.03.2022 16:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kurt Schwitters hat mit seiner Ursonate viele Künstler beeinflusst. Foto: Lars Fiske, aus dem Comic „Herr Merz. Kurt Schwitters: Jetzt nenne ich mich selbst Merz. Herr Merz.“, erschienen im avant-Verlag, 2013.
Kurt Schwitters hat mit seiner Ursonate viele Künstler beeinflusst. Foto: Lars Fiske, aus dem Comic „Herr Merz. Kurt Schwitters: Jetzt nenne ich mich selbst Merz. Herr Merz.“, erschienen im avant-Verlag, 2013.
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Kurt Schwitters gilt als einflussreicher Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, Museen in New York und London widmeten ihm Ausstellungen. Seine Wurzeln aber liegen auf dem platten Land: in Wittmund.

Wittmund - Das Wittmunder Rathaus und das Sprengel-Museum in Hannover haben mehr gemein, als man auf den ersten Blick denken könnte. Zum einen teilen sie eine Adresse: Beide liegen an einem Kurt-Schwitters-Platz, einer in Hannover, einer in Wittmund. Was direkt zur nächsten Gemeinsamkeit führt: dem Maler, Dichter und Grafiker Kurt Schwitters (1887 bis 1948), einem der einflussreichsten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Das Sprengel-Museum verfügt über die weltweit umfangreichste Schwitters-Sammlung sowie das zentrale Archiv zu diesem in Hannover geborenen Künstler. Und Wittmund verfügt gewissermaßen über die familiären Wurzeln des Mannes.

Dieses Straßenschild steht in Wittmund, gleich neben dem Rathaus. Foto: Stadt Wittmund
Dieses Straßenschild steht in Wittmund, gleich neben dem Rathaus. Foto: Stadt Wittmund

„Ich finde das so spannend: ein weltweit bekannter Avantgarde-Künstler, dessen Wurzeln so weit an der Peripherie liegen“, sagt Petra Stegmann. Sie leitet die Wilhelmshavener Kunsthalle und widmet Schwitters aktuell eine Ausstellung. Oder genauer: einem von Schwitters‘ Werken, der Ursonate, einem dadaistischen Lautgedicht und „Schlüsselwerk der europäischen Moderne“, wie es bei der Kunsthalle heißt. Die Schau bleibt aber nicht in Wilhelmshaven, sondern schwappt auch rüber ins Ostfriesische.

Was und warum

Darum geht es: In Wittmund ist die Aufführung der Ursonate von Kurt Schwitters geplant, als eine Art Überraschung für die Bürger.

Vor allem interessant für: Wittmunder und Kunstinteressierte

Deshalb berichten wir: Die Kunsthalle Wilhelmshaven hat eine Ausstellung zur Ursonate auf die Beine gestellt und eine Aufführung in Wittmund angekündigt.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de

Die Wurzeln

Aus gutem Grund: „Die Wurzeln der Familie Schwitters liegen in Wittmund“, sagt Stegmann. Und lässt dem Telefonat eine E-Mail folgen, mit angehängtem Stammbaum. Der kommt aus dem Wittmunder Stadtarchiv und macht deutlich: Die Familie Schwitters lebt seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Wittmund, brachte Schuster, Schlachter, Maler, Mediziner, Innenarchitekten und Kaufleute hervor und blieb der Stadt weitgehend treu. Kurt Schwitters‘ Vater, ein Kaufmann, siedelte allerdings nach Hannover um und gründete dort eine Familie. Sein Sohn Kurt wurde Künstler, arbeitete mit Vertretern des Dadaismus zusammen, entwickelte seine eigene Merz-Kunst.

Die Wittmunder werden die Kunst ihres berühmten Sohnes demnächst lautmalerisch zu Gehör bekommen. Denn Teil der Wilhelmshavener Schau ist eine Aufführung der Ursonate in Wittmund. Und zwar nicht abends in einem Festsaal, sondern mitten am Tag auf dem Kurt-Schwitters-Platz. Am Donnerstag, 19. Mai, um 11 Uhr wird der Niederländer Jaap Blonk tief Luft holen und die etwa 35-minütige Ursonate anstimmen. Er wird dabei zwischen dem zur gleichen Zeit stattfindenden Wochenmarkt und den Parkplätzen am Rathaus stehen, also dort, wo garantiert die meisten Wittmunder an diesem Vormittag vorbeikommen werden. „Es ist immer spannend, wenn man Leute, die das gar nicht erwarten, mit zeitgenössischer Kunst überraschen kann“, sagt Stegmann. Und schiebt hinterher, dass man nicht zu rational an die Ursonate rangehen sollte.

Die Ursonate

Die Ursonate entstand zwischen 1923 und 1932 und ist als Sonate aus Urlauten zu verstehen. Beispielverse: „Fümms bö wö tää zää Uu“, „Rrummpff tillff toooo“, „rakete bee bee“. Amke Behrends vom Wittmunder Stadtmarketing gibt zu, dass man sich beim ersten Anhören der Ursonate etwas befremdet angeguckt habe. „Wir waren erstmal überrascht, aber dann fanden wir es spannend“, sagt sie. Die Stadtverwaltung wisse natürlich um die Wurzeln des Künstlers, aber die Wittmunder selbst? „Ich denke schon, dass nicht jeder Wittmunder weiß, wer Kurt Schwitters war und was er mit der Stadt zu tun hat“, sagt Behrends. Deswegen sei es auch so eine gute Idee, das Thema etwas präsenter zu machen. Und deswegen auch die Wahl von Ort und Zeit der Aufführung.

Nicht nur auf die Wittmunder kommt da etwas zu. Auch die Schwitters-Forscher sind laut Stegmann neugierig auf die kleine ostfriesische Stadt. „Dass er seine Wurzeln hier hat, ist noch gar nicht so erforscht“, stellt die Kunsthallen-Leiterin fest. Deswegen hätten sich für dieses Mai-Wochenende auch einige Schwitters-Forscher angekündigt.

Der Kurt-Schwitters-Platz in Wittmund. Foto: Stadt Wittmund
Der Kurt-Schwitters-Platz in Wittmund. Foto: Stadt Wittmund

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