Betreuung
Kitas in Hinte machen gegen Übernahme mobil
Der Landkreis Aurich will die Zuständigkeit für die Kitas in den Städten und Gemeinden übernehmen. In der Gemeinde Hinte formiert sich Protest gegen diesen Plan – aus mehreren Gründen.
Hinte - Gegen das Vorhaben des Landkreises Aurich, den Städten und Gemeinden im Kreisgebiet die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung zu entziehen, formiert sich in der Gemeinde Hinte Protest. Die Führungskräfte der dortigen Kindertagesstätten machen in einem gemeinsamen Schreiben ihrem Ärger Luft.
Die Einzelheiten zu dem Vorhaben seien spärlich, viele Fragen blieben unbeantwortet. „Es ist für uns unverständlich, warum der Landkreis jahrzehntelang von seiner Weisungsbefugnis zur Umsetzung den Trägern gegenüber keinen Gebrauch gemacht hat und kein Interesse gezeigt hat. Die Träger waren bisher immer frei, wie sie die Kitas führen“, heißt es in dem Schreiben. „Es geht um viel Geld und Macht und ist nach unserer Meinung ein befremdliches, taktisches Spiel zwischen den politischen Entscheidungsträgern, auf Kosten unserer Kinder, Familien und uns Fachkräften“, so die Leiterinnen.
Kinder als Leidtragende
Die vier Kitas in der Gemeinde hätten unterschiedliche Schwerpunkte und auch einen individuellen hohen Qualitätsstandard. „Diesen entwickeln wir stetig weiter, mit dem eigenen Qualitätsmanagement unserer Kommune. Qualitätsmerkmale, die wir für unsere Kinder und Familien in der täglichen pädagogischen Arbeit konzeptionell verankert haben. Die Übernahme durch den Landkreis würde für uns bedeuten, dass die Qualität unserer Einrichtungen [...] so nicht mehr zur Verfügung stehen wird“, befürchten die Kindertagesstätten. Zusätzliche Angebote wie eine externe Vorschulbildung, eine kostenlose Elternberatung oder ein hochwertiges Verpflegungsangebot würden entfallen.
Ein „Springer-Vertretungspool“, wie vom Landkreis gefordert, hätte außerdem zur Folge, dass es die Kinder schwerer haben, eine Beziehung zum pädagogischen Fachpersonal aufzubauen. All diese Aspekte verursachen laut den Leiterinnen eine sinkende Arbeitsqualität. „Der momentane Fachkräftemangel ist auch in der Gemeinde Hinte spürbar und unter solchen Zukunftsvorstellungen erschwert es uns, Personal zu motivieren und zu mobilisieren“, heißt es im gemeinsamen Schreiben. „Durch die hohe Anzahl der Kitas, die dem Landkreis unterstellt wären, ist es nicht mehr möglich, einen nahen persönlichen und individuellen Kontakt zum Entscheidungsträger zu pflegen“, so die Leiterinnen. Das Fazit der Einrichtungen: „Die Zukunft wird anonym, unpersönlich und die Betreuungsqualität wird sinken.“ Die Kinder seien die Verlierer in dem Szenario.
Auch Online wird abgestimmt
Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, haben die Einrichtungen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Elternräten eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. Gesammelt werden die Stimmen sowohl vor Ort als auch online unter der Adresse https://chng.it/hZd5krWp. Am Dienstag um 15.14 Uhr waren alleine dort bereits 777 Stimmen zusammengekommen. Es seien aber auch noch weitere Aktionen geplant, heißt es.
Unterschrieben haben die Stellungnahme Dagmar Wacker (Leitung der Kita Ulen Nüst/Kita Rundum), Irene Haase (Kita Hinte), Ulrike Heidel (Kita Kleine Abenteurer) und Tessa Duve-Nanninga (Kita Hummelburg). Zu Gesprächen mit den zuständigen Vertretern des Landkreises Aurich, um sich in das laufende Verfahren zu integrieren, seien die Führungskräfte und das sonstige Fachpersonal der Kitas der Gemeinde Hinte bereit.