Wirtschaft
Sanktionen treffen auch Stahlindustrie in der Region
Energiekosten steigen, das Material wird knapp – Stahlverarbeiter in der Region leiden unter den Folgen des Krieges und der Sanktionen gegen Russland. Bald könne man sich die Arbeit nicht mehr leisten.
Augustfehn - Material und Rohstoffe werden teuer und knapp: Die Folgen des Krieges und die Sanktionen gegen Russland sind mittlerweile auch in der Region zu spüren – gerade die Stahlindustrie merkt das aktuell besonders. „Der extreme Anstieg der Energiekosten sowie der Benzin- und Dieselpreise und eine spekulative Verteuerung der Stahllegierungselemente haben zu einer extremen Erhöhung der Stahlpreise geführt und einer Verknappung des Stahls“, sagt Winfried Frerichs, Geschäftsführer des Stahlwerks Augustfehn.
Das Stahlwerk Augustfehn – das trotz des Namens eigentlich „nur“ ein Stahlverarbeiter ist – bemüht sich aktuell, die Lieferketten der Stahlindustrie nachhaltig zu sichern. Denn weil Russland keinen Stahl mehr in die EU exportieren darf, muss der europäische Markt den Bedarf sicherstellen. „Es entsteht aktuell eine größere Nachfrage auf dem Markt mit sehr hoher Dringlichkeit. Wenn dieser Bedarf nicht kurzfristig gedeckt werden kann, werden die Lieferketten unterbrochen. Die Folgen wären für die Branche fatal“, sagt Frerichs. Die Industrie bemühe sich, andere Lieferanten für Stahl und die benötigten Rohstoffe zu finden, dies gestalte sich momentan aber schwierig.
Kunden durch höhere Preise verlieren
Das Stahlwerk Augustfehn importiert zwar nicht direkt Stahl oder Rohstoffe aus Russland, ist aber im Zuge der Lieferketten von den Sanktionen stark betroffen. „Die gestiegenen Energiekosten erhöhen die Produktionskosten – dadurch erhöhen sich ebenfalls die Verkaufspreise“, sagt Frerichs. „Kurzfristig werden die erhöhten Preise von den Kunden akzeptiert, aber langfristig werden sie sich nach anderen Anbietern umschauen und auf den europäischen Märkten oder Weltmärkten auch finden.“
Sollten die Kosten noch weiter steigen, bestehe für den Stahlverarbeiter aus Augustfehn und andere Betriebe aus der Branche die Gefahr, dass die Fertigung der Produkte eingestellt werden müsse, da sich die Verkaufspreise am Markt nicht mehr umsetzen ließen. „Das Problem besteht allerdings aktuell für den gesamten Industriestandort Deutschland, da wir in Deutschland in den letzten Jahren eine extrem schlechte Energiepolitik betrieben haben, was im Moment auch sehr deutlich wird“, sagt Frerichs.
Die Ukraine und Russland seien für rund zehn Prozent des internationalen Stahlhandels verantwortlich, sagt der Stahlexperte Jayanta Roy von der indischen Ratingagentur ICRA. Kriegs- und sanktionsbedingt könnte der Export beider Länder nun ausfallen. Die EU hatten sich bereits Ende vergangener Woche gemeinsam mit den USA und weitere Verbündeten auf weitere Strafmaßnahmen gegen Russland verständigt, die am Dienstag in Form eines vierten Sanktionspakets offiziell beschlossen wurden. Unter anderem sieht das neue EU-Sanktionspaket vor, die Einfuhr von „wesentlichen Gütern im Eisen- und Stahlsektor aus der Russischen Föderation“ zu verbieten, wie aus einer Erklärung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hervorgeht. Von den jährlich rund 150 Millionen Tonnen Stahlverbrauch in der EU kämen 20 Prozent über Importe, davon wiederum stammten 40 Prozent aus Russland, der Ukraine und Belarus.
Mit Material von DPA