Stadtbild
In diesem Sommer soll Emden wieder aufleben
Seit zwei Wochen hat Emden eine neue City-Managerin. Wir haben mit Julia Lüder über die Stärken der Seehafenstadt und die Herausforderungen gesprochen. Es gibt viel Grund für Optimismus.
Emden - Julia Lüder freut sich auf die Herausforderungen. Als neue Innenstadt-Koordinatorin für Emden hat sie davon auch nicht zu wenige. Die gebürtige Osnabrückerin hat früh Gefallen an der Küste gefunden: zunächst durch Urlaube etwa auf Borkum, dann durch ihre Stelle beim Norder Stadtmarketing. „Emden habe ich da auch schon kennengelernt“, sagt die 29-Jährige. Als hier der Posten der City-Managerin ausgeschrieben war, habe sie das direkt angesprochen. „Hier passiert gerade ein Wandel“, erklärt sie. Das reize sie.
Was und warum
Darum geht es: Julia Lüder sieht Emden als Herausforderung. Sie hat viele Ideen für die Innenstadt.
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder sowie Menschen, die gerne nach Emden kommen
Deshalb berichten wir: Seit dem 1. März ist Julia Lüder City-Managerin in Emden. Wir wollten mit ihr über ihren neuen Job sprechen. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Emden hat, wie auch viele andere Städte, mit Leerstand in der City zu kämpfen. Den „Verlust der Leitfunktion des Einzelhandels“ sehe man überall, sagt Martje Merten. Sie ist Julia Lüders Vorgängerin und erfüllt jetzt die Funktion der Stadtmarketing-Leiterin, nachdem Tourismus-Chef Rainer Gerdes in den Ruhestand gegangen ist. Schon im Bewerbungsgespräch konnte Julia Lüder Ideen für die Belebung der Stadt vorstellen. Und das gefiel offensichtlich. Sie setzte sich laut Merten gegen rund 15 Bewerberinnen und Bewerber „aus dem Norden und Nordrhein-Westfalen“ durch. Merten macht aber auch klar, dass die großen Erwartungen nicht allein auf Julia Lüders Schultern lasten: „Der Umbruch ist so groß, das ist nur gemeinsam leistbar.“
Julia Lüder: „Ich will schnell loslegen“
Die Stadt habe es zwar „gut durch die Corona-Zeit“ geschafft, jetzt aber seien die ersten deutlichen Auswirkungen zu spüren. Niederlassungen der Kleidungsketten Orsay und Hunkemöller schließen in der Fußgängerzone Zwischen beiden Sielen. Die Großunternehmen müssen sparen, schließen Filialen, die weniger Gewinn bringen als andere. „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange“, ist sich Merten sicher. Das aber könne auch eine Chance sein. Sie nennt das Beispiel Brückstraße. Vor drei Jahren habe man noch nicht geglaubt, dass der Leerstand dort zurückgehen würde. Aber: „Es hat sich toll entwickelt.“ Nur noch „eineinhalb“ Geschäfte stünden leer. Es gebe viele spezifizierte Läden, das sei eine Besonderheit. „Das sind Läden, die bestehen werden“, meint sie. Im Hintergrund würden auch schon „viele tolle Gespräche“ zum Thema Neuansiedlung geführt – auch bei der Gastronomie. Details möchte sie nicht nennen, aber eine positive Grundtendenz: „Andere merken auch, hier passiert gerade was“, so Merten. Dass Emden im Wandel ist und die Innenstadt-Sanierung im Fokus steht, mache die Stadt für Interessierte attraktiver.
Julia Lüder will Ansprechpartnerin sein für alle, die jetzt den großen Schritt Geschäftsöffnung wagen wollen. Dass derzeit große Ketten Emden zu verlassen scheinen, könnte „für Startups sehr ermutigend sein“, meint sie. Die Stadt Emden habe einen Topf, aus dem Neuansiedlungen finanziell unterstützt werden können. „Je eher wir am Tisch zusammensitzen, desto besser“, bekräftigt auch Merten. Die neue City-Managerin, die erst am 1. März ihre Stelle angetreten hat, muss aber auch erst einmal ihre Netze auswerfen. Viele Termine mit dem Einzelhandel und Anliegern in der Stadt sowie dem Dollart Center seien schon im Kalender vermerkt. „Ich will schnell loslegen“, betont sie.
„In Emden gibt es enorm viele Veranstaltungen“
Auf die Frage hin, was Emden Stärken sind, sagt Julia Lüder klar: „Was Emden so abhebt von anderen ostfriesischen Städten, ist, dass das Wasser direkt in der Stadt ist.“ Der Delft sei eine „Riesen-Chance“, die es weiter zu nutzen gilt. Die Strandbar Delftstrand soll in diesem Jahr wieder eröffnen. Ein offizielles Startdatum nannten sie und Merten noch nicht. Gemeinsam sei man aber schon den Veranstaltungskalender durchgegangen. Für die Ostertage habe sie sich schon Gedanken gemacht, so Lüder. Es soll Aktionen in der Innenstadt geben. Details nannte sie noch nicht.
Die Hauptplanung für Großveranstaltungen liege natürlich beim Veranstalter, erklärt Merten. Die Innenstadt-Koordinatorin aber werde darin eingebunden und gebe ihre Ideen ein. „Wir haben das große Glück, dass es in Emden viele private Akteure gibt“, sagt Martje Merten. Das Sommernachtskino im Van-Ameren-Bad, die Summer-in-the-City-Events, Emden „á la Carte“ und natürlich die großen Feste zu den Matjes- oder Delfttagen: „Emden hat enorm viele Veranstaltungen.“ Die sollen in diesem Jahr auch wieder stattfinden. Alle Beteiligten würden fleißig planen, so die Stadtmarketing-Leiterin. „Man hat schon an den warmen Wochenenden gemerkt, wie voll es wieder wurde: Die Stadt funktioniert wieder“, beobachtet sie. Im Blick habe man auch weiterhin den Neuen Markt. Die Außengastronomie habe sich dort schon weiter ausgebreitet. „Und das wird noch deutlich mehr werden“, so Merten. Der Wunsch ist es, dass der Neue Markt zu einem gastronomischen und veranstalterischen Treffpunkt der Stadt wird.
Martje Merten sieht das neue Team gut für die Zukunft Emdens aufgestellt. Es gebe viele „neue Gesichter“. Julia Lüder sei eine „sehr gute Ergänzung“. Sie hat in Münster ihre Ausbildung zur Tourismuskauffrau gemacht und in Wilhelmshaven noch Tourismuswirtschaft studiert. In Norden war sie zwei Jahre tätig und baute unter anderem den Stadtgutschein mit auf sowie eine Online-Verkaufsplattform für den Einzelhandel. Noch wohnt sie in Norden, will aber baldmöglichst nach Emden ziehen, sagt sie. Am Thema Tourismus fasziniere sie, dass es so eine große Branche sei, an der so viel mehr hänge als viele glaubten. Das habe man auch in der Pandemie gemerkt. „Es ist spannend, was Tourismus für eine Stadt oder eine Insel macht“, sagt sie.