Erneuerbare Energien

Solar-Park in Ihlow: Das könnte Ihr Herzblatt sein

| | 16.03.2022 19:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Im Wirtschafts- und Umweltausschuss ging es am Dienstag zu wie in der Show „Herzblatt“ mit Rudi Carell. Foto: Wöstmann
Im Wirtschafts- und Umweltausschuss ging es am Dienstag zu wie in der Show „Herzblatt“ mit Rudi Carell. Foto: Wöstmann
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Es ist ein bisschen wie in „Herzblatt“ mit Rudi Carrell: Gleich drei Interessenten konkurrieren in der Gemeinde Ihlow um Flächen für Solar-Parks. Jeder von ihnen hat gewisse Vorzüge.

Ihlow - Riesige Solar-Freiflächenanlagen sind in Ostfriesland erst einmal nichts Neues mehr. Aber dass gleich drei Bewerber öffentlich um die Gunst und Flächen einer Gemeinde ringen, ist schon ungewöhnlich. Diese Situation erlebte der Wirtschafts- und Umweltausschuss der Gemeinde Ihlow am Dienstag – und ein wenig erinnerte sie an die Flirt-Show „Herzblatt“ mit Rudi Carrell. Für die Jüngeren: Drei Kandidaten rangen darin um die Gunst einer hinter einer Trennwand sitzenden Angebeteten. Die durfte nach einer Zusammenfassung von Susi – einer Stimme aus dem Hintergrund – frei wählen. In diesem Fall ging es aber nicht um eine Dame, sondern um Flächen entlang der Autobahn 31 an der Abfahrt Riepe - und entscheiden muss der Gemeinderat.

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinde Ihlow hat viele Bewerber für Solar-Parks und überlegt, selbst ins Geschäft einzusteigen.

Vor allem interessant für: Energieverbraucher und Investoren

Deshalb berichten wir: Die Interessenten stellten sich im Wirtschaftsausschuss persönlich vor.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Darum sind die Flächen so besonders

An der Autobahn hält die Gemeinde Ihlow Flächen für das Industriegebiet Simonswolde vor. Schon zu Beginn seiner Amtszeit im vergangenen Jahr brachte Ihlows Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos) die Idee ins Spiel, für die Versorgung des Industriegebiets Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu errichten.

Es sieht relativ gut aus für den ersten Solar-Park in der Gemeinde Ihlow. Verwaltung und Politik ziehen an einem Strang. Foto: Archiv
Es sieht relativ gut aus für den ersten Solar-Park in der Gemeinde Ihlow. Verwaltung und Politik ziehen an einem Strang. Foto: Archiv

Diese Flächen sind für solche Anlagen besonders interessant, denn in einem 200 Meter breiten Streifen entlang von Autobahnen fallen sie in den Geltungsbereich des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Dadurch ist die Abnahme des hier produzierten Stroms zu einem festen Preis gewährleistet. Da diese Flächen nicht als landwirtschaftliche Vorrangflächen im regionalen Raumordnungsprogramm verzeichnet sind, haben solche Projekte hier gute Chancen – wenn die Politik mitspielt.

Das sagt Susi zu Kandidat Nummer eins

Die Ansätze der Bewerber könnten nicht unterschiedlicher sein. Dadurch hat die Gemeinde Ihlow die Chance – wenn sie an einer ernsthaften Beziehung interessiert ist –, den passenden Bewerber genau auszusuchen. Zur Auswahl steht die Wattmanufactur mit Sitz im nordfriesischen Galmsbüll. Das Unternehmen bietet Komplettlösungen samt Aufbau, Betrieb, Unterhaltung und ökologischer Entwicklung der Flächen an. Ein Schwerpunkt ist die ökologische Vielfalt auf den Flächen. Das Unternehmen ist angesiedelt auf einem seit acht Generationen bestehenden landwirtschaftlichen Betrieb, der ökologisch bewirtschaftet wird. Es hat bereits Solar-Projekte mit insgesamt 200 Megawatt Leistung realisiert und betreut Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 250 Megawatt.

Das ist Kandidat Nummer zwei

Zweiter im Ring ist der Projektierer SolarWind aus Pewsum. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg übernimmt ausschließlich die Projektplanung und verkauft die Projekte dann weiter an das Unternehmen Enerparc mit Sitz in Hamburg. Das übernimmt die weiteren Arbeiten und wird den Park auch betreiben. Enerparc gehört zu den Schwergewichten der Branche mit einer Stromleistung von 2.500 Megawatt bei den eigenen Photovoltaik-Anlagen.

Kandidat Nummer drei überraschte alle

Eine Überraschung war, dass auch die Wisona Energie GmbH in Zusammenarbeit mit der Entwicklungs- und Dienstleistungsgesellschaft Ihlow (Edi) Windpark GmbH den Hut in den Ring werfen. Die Wisona verwaltet den Windpark Riepsterhammrich und die Edi ist eine 100-prozentige Tochter der Gemeinde Ihlow.

Offenbar hatte die Gemeinde die beiden vor ein paar Wochen ins Boot geholt und überlegt jetzt, das Projekt selbst mit umzusetzen. Erfahrungen haben die beiden Unternehmen im Bau und Betrieb von Solar-Parks bisher nicht.

Die Wahl ist also schwierig – allerdings müsste sich niemand allein für einen Kandidaten entscheiden. Denn die Flächen der Bewerber weichen voneinander ab. Um die nördliche hat sich zum Beispiel nur die Wattmanufactur beworben.

Das haben die Gemeinde und die Bürger davon

Für die Gemeinde Ihlow lohnt sich das Projekt bereits ohne direkte Beteiligung, was auch ihren Bürgern zugutekommt. Denn die Bundespolitik hat in den letzten Jahren zahlreiche Regelungen auf den Weg gebracht, mit denen sie es den Kommunen schmackhafter macht, den regenerativen Energien den Weg zu ebnen. Dazu gehört, dass sie selbst dann konstant von der Gewerbesteuer profitieren, wenn der Betreiber seinen Sitz außerhalb der Gemeinde hat – und zwar zu 90 Prozent. Bei einer Anlage mit einer Leistung von zehn Megawatt kommen pro Jahr so etwa 18.000 Euro Gewerbesteuer zusammen.

Freiwillige Zahlungen laut EEG an die Gemeinde

In der letzten Novelle des EEG wurde zusätzlich eine freiwillige Zahlung der Betreiber an die Kommunen verankert. Denn die sind es, die die Planungshoheit für solche Projekte haben und mit den Folgen direkt vor der eigenen Haustür leben müssen. 0,2 Cent pro produzierte Kilowattstunde können Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern um neue Anlagen herum erhalten. Die wandern in die Gemeindekasse und kommen damit auch den Bürgern zugute. Ohne Gegenleistung. Die Zahlung ist zwar freiwillig, aber naheliegend. Darüber hinaus wollen alle Interessenten eine Bürgerbeteiligung anbieten.

Das wollen Gemeinde und Politik

Passend zur Vorstellung der Firmen war im Ausschuss ein Antrag der Grünen-Fraktion eingegangen, Flächen für Solar-Freiflächenanlagen nach den geltenden Vorschriften gezielt festzulegen. Dem stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Die Zeichen stehen also gut, dass in der Gemeinde Ihlow in näherer Zukunft noch mehr grüner Strom produziert wird. Arno Ulrichs betonte, dass es allerdings keinen Flickenteppich geben werde und auch die Flächenkonkurrenz zur Landwirtschaft vermieden werden soll.

Dann fließt der Strom

Wie lange es noch dauert, bis es so weit sein wird, hängt auch davon ab, wie schnell der Gemeinderat sich einigt. Die Verwaltung plant, bereits im Mai die Weichen für den Bebauungsplan zu stellen. Wenn sich die Politik einig ist, könnte es also schnell gehen mit dem neuen Solar-Park. Etwa eineinhalb weitere Jahre braucht die Baugenehmigung, dann können die Arbeiten am neuen Park starten. Spannend bleibt, für welches Herzblatt sich Gemeinde und Politik entscheiden. Im Unterschied zur Fernsehsendung könnten auch alle drei zum Zug kommen. Noch ist die Konstellation ungewiss, sicher scheint aber, dass es bald einen Solar-Park geben wird.

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