Rede von Selenskyj

Schmerzhafte Botschaft von Selenskyj

Rena Lehmann
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Ein Kommentar von Rena Lehmann
| 17.03.2022 17:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Eindringliche Worte: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach im Deutschen Bundestag. Foto: Kappeler/dpa
Eindringliche Worte: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach im Deutschen Bundestag. Foto: Kappeler/dpa
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Nicht zimperlich: Der ukrainische Präsident Selenskyj erinnerte im Bundestag schonungslos an historische Fehler Deutschlands. Eine Antwort bekam er nicht. Vielleicht war das auch besser so.

Die Worte des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj trafen mitten ins Herz des deutschen Selbstverständnisses. Selenskyj brachte es ins Wanken. Und er hat ja mit vielem recht: Deutschland hat sich zu lange in der Rolle des außenpolitischen Leisetreters gefallen. Es war bequem, mit Verweis auf die eigene Geschichte gelegentlich den Moralapostel zu geben und sich ansonsten in Zurückhaltung zu üben. In fahrlässiger Weise hat man sich im Fahrwasser dieser Nicht-Haltung in Abhängigkeit von Russland begeben.

Das rächt sich nun bitter. Denn so eindringlich die Hilferufe des ukrainischen Präsidenten sind: Die Fehler der Vergangenheit sind gemacht worden und für den Moment unumkehrbar. Weder kann Deutschland in Kürze auf russisches Gas verzichten, noch kommt ein militärisches Eingreifen infrage. Wo weitere Sanktionen möglich sind, sollte Deutschland sie ab jetzt wenigstens nicht mehr als letztes ergreifen. Doch zur bitteren Realität gehört, dass man dem Sterben und dem Leid der Ukrainer im Wesentlichen wird zusehen müssen. Es ist der bittere Preis für die Fehler der Vergangenheit.

Insofern war es vielleicht nur ehrlich, dass Olaf Scholz nach Selenskyj nicht im Bundestag sprach und die Parlamentarier einfach zur Tagesordnung übergingen. Die Bundesregierung hat Selenskyj derzeit nichts anzubieten als warme Worte. Da schweigt man besser.

Die Autorin erreichen Sie unter mantel@zgo.de

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