Welttag des Recyclings

Rund 600 Kilo Müll verursacht jeder Ostfriese im Jahr

| | 18.03.2022 09:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Was im gelben Sack oder der gelben Tonne landet, soll seit diesem Jahr zu 90 Prozent verwertet werden. Foto: Ortgies/Archiv
Was im gelben Sack oder der gelben Tonne landet, soll seit diesem Jahr zu 90 Prozent verwertet werden. Foto: Ortgies/Archiv
Artikel teilen:

Am Welttag des Recyclings schauen wir uns an, wie viel Müll in Ostfriesland entsteht und welchen Weg er eigentlich nimmt. Und: So trennt man den Abfall richtig.

Ostfriesland - Fast 270.000 Tonnen Müll fallen im Jahr in Ostfriesland an. Auf die Einwohnerzahl runtergerechnet bedeutet das eine Pro-Kopf-Menge von 600 Kilo. Damit liegen die Ostfriesen im deutschlandweiten Schnitt. Europaweit ist das aber keine gute Bilanz. Laut dem Statistischen Bundesamt fallen in Rumänien nur 287 Kilogramm Müll pro Person an, in Polen 346 Kilo.

Was und warum

Darum geht es: Wir produzieren immer noch zu viel Müll. Umso wichtiger ist es, dass zumindest das Müll-Sortieren und Recycling klappt.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Umweltthemen und Ressourcenschonung interessieren

Deshalb berichten wir: An diesem Freitag, 18. März, ist Welttag des Recyclings.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Die „gute“ Nachricht: In den vergangenen Jahren ist es laut Stadt- und Kreissprechern zumindest nicht deutlich mehr geworden. Im Landkreis Aurich beobachtet man auch einen guten Trend, da der Bioabfall etwas weniger und dafür der Restabfall etwas mehr geworden sei. „Diese Mengenanpassungen dürften unter anderem daraus resultieren, dass der Bioabfall besser sortiert und darin bisher enthaltene Fremdstoffe korrekterweise als Restabfall über den Hausmüll entsorgt werden“, so Yves Knoblich vom Abfallwirtschaftsbetrieb. Zum Welttag des Recyclings, der an diesem Freitag ist, schauen wir zum einen auf das „schwarze“ Schaf in Ostfriesland und zeigen auch auf, wie das mit dem Recyclen zu Hause besser klappt und überhaupt Müll erst gar nicht verursacht wird.

Neue Recyclinggesetze seit dem 1. Januar

Die Wege des Mülls sind je nach Art ganz unterschiedlich. Altpapier ist beispielsweise ein sehr wertvoller Rohstoff. Laut Gesetz soll ab diesem Jahr eine Recyclingquote von mindestens 90 Prozent erreicht werden. In Ostfriesland werden im Jahr rund 37.550 Tonnen Altpapier eingesammelt. Kunststoffe sollen seit dem 1. Januar zu mindestens 70 Prozent werkstofflich verwertet werden, das heißt, aus dem Material sollen neue Rohstoffe entstehen.

Bei Verpackungen aus Aluminium, Eisen oder Glas sind es jetzt 90 Prozent, die wiederverwendet oder recycelt werden müssen. Im Landkreis Wittmund wird pro Kopf rund 49 Kilogramm Verpackungsmüll verursacht, in Emden rund 40 Kilo und im Landkreis Leer rund 43 Kilo. Der niedersächsische Durchschnitt beträgt rund 34 Kilo.

Emden lässt bis zu 8500 Tonnen Müll verbrennen

Restmüll ist da eine andere Sache. Der Anteil ist zum einen viel größer als die anderen Müllsorten. 200 Kilo sind es im Landkreis Wittmund jährlich pro Person, in Emden 170 Kilo. Optimalerweise sollte aber nur das in den Restmüll, was absolut nirgends anders hinein darf. Zum anderen kann vom Restmüll nichts recycelt werden. Stattdessen kommt dieser Abfall in eine Mechanisch-Biologischen-Abfallbehandlungsanlage (MBA). Für den Landkreis Leer ist diese in Wilsum (Grafschaft Bentheim), für den Landkreis Aurich in Großefehn. „In der MBA werden zunächst Metalle und heizwertreiche Bestandteile zur energetischen Verwertung abgetrennt. Zurück bleibt eine sogenannte Deponiefraktion, die nach einer biologischen Behandlung (Rotte, Vergärung) mit einer sehr geringen biologischen Restaktivität auf der Deponie in Wiefels abgelagert wird“, erklärt Jan Becker für den Landkreis Wittmund. Verbrannt werde nichts.

Damit ist Wittmund alleine in Ostfriesland. Nach der MBA geht es für das Material aus dem Kreis Aurich von Großefehn weiter nach Bremen zum Müllheizkraftwerk (MHKW), wo auch der Leeraner Müll landet. Von Emden aus geht der Restmüll zum MHKW nach Bremerhaven. Das sind jährlich rund 8500 Tonnen. Zum Vergleich: Von Leer aus sind es rund 11.400 Tonnen, von Aurich 19.000 Tonnen. Heizkraftwerke verbrennen den Müll und erzeugen dadurch Strom, der ins Netz eingespeist wird. Sie stehen in der Kritik, weil vermutet wird, dass die Rauchgase und Asche giftige Stoffe enthalten könnte. Die Schlacke, die nach dem Verbrennen übrig bleibt, wird deponiert.

Müll richtig trennen

Damit der Abfall bestmöglich recycelt oder wiederverwertet werden kann, sollte man ihn richtig trennen. Das heißt: In den gelben Sack oder die gelbe Tonne kommen Verkaufsverpackungen aus Kunststoff (etwa Spülmittelflaschen oder Joghurtbecher), aus Verbundstoffen (etwa Milchverpackungen und Kaffee-Vakuumverpackungen), aus Metall (etwa Konserven, Getränkedosen, Aluminiumschalen) und aus Styropor. Ins Altpapier dürfen beispielsweise nur Zeitungen, Bücher oder Kartons. Taschentücher und verschmutztes Papier haben darin nichts zu suchen.

Hat man keinen Komposthaufen, keine grüne Tonne oder keine kostenlose Abgabestelle für Bio-Müll wie in Emden, dann kommen in die graue/schwarze Tonne Küchen- und Gartenabfälle. Zudem kann man etwa Katzenstreu dort entsorgen. Außerdem: Staubsaugerbeutel, Porzellan, Zahnbürsten, Gummiprodukte, Fotos und Zigarettenkippen. Im Landkreis Leer gehört der Müll in die entsprechenden Säcke für Bio- oder Restmüll.

Was viele nicht wissen: In die schwarze Tonne gehört auch Fensterglas und Trinkgläser. Im Altglas-Container sind sie falsch, da sie eine andere Schmelztemperatur als Trinkflaschen haben. Und: Elektrogeräte, Leuchtstoffröhren und Batterien gehören nicht in den Hausmüll. Es gibt Annahmestellen dafür.

Wer weniger Müll verursachen will, kann sich vielleicht an diesen fünf Tipps versuchen:

  • Besser Mehrweg- statt Einweg-Flaschen und -Behälter verwenden.
  • Unverpackt einkaufen (das wird im Supermarkt auch einfacher).
  • Bewusster einkaufen und häufiger frisch und regional kochen als Fertigprodukte verspeisen.
  • Lieber etwas noch einmal reparieren als wegzuwerfen.
  • Akkus statt Batterien verwenden.
Ähnliche Artikel