Gedenken
Emden bekommt neue Stolpersteine
In der Stadt Emden werden an diesem Freitag 25 weitere Stolpersteine verlegt. Einige erinnern an die Familie Karseboom.
Emden - Emden bekommt 25 weitere Stolpersteine. Der Arbeitskreis Stolpersteine Emden lädt deshalb für Freitag, 18. März, zur Verlegung ein. Der Künstler Gunter Demnig, auf den die Idee für die Stolpersteine als Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zurückgeht, wird die Steine ab 9 Uhr verlegen. Stationen sind die Godfried-Bueren-Straße, die Okko-tom-Brook-Straße, die Große Straße, die Bollwerkstraße, die Wolthuser Straße sowie die Nordertorstraße.
Wer durch Uttum läuft, der kommt fast automatisch am Steinhaus vorbei. Es ist das älteste noch erhaltene Haus, nach der Kirche, in dem kleinen Krummhörner Dorf. Früher war Uttum eines der größten Dörfer der Krummhörn, früher stand hier eine Burg. Das Steinhaus gehörte dazu, es war das Haus des sogenannten Rentmeisters. Später, nachweislich ab 1884, gehörte das Haus der jüdischen Familie Karseboom. Für einen Teil der Familie sollen nun Stolpersteine in Emden verlegt werden. Das war der Wunsch von Gesine Janssen, die sich bis zu ihrem Tod Anfang des Jahres im Arbeitskreis Stolpersteine engagiert hat. Janssen hat zusammen mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern in den vergangenen Jahren viel über jüdische Familien in der Krummhörn, in Emden und Hinte recherchiert. Sie gehörte zum Vorstand der Max-Windmüller-Gesellschaft und hat in einem 32-seitigen Heft die Geschichte der Familie Karseboom nachgezeichnet.
Von Emden in die heutige Krummhörn
Verlegeort für die Steine der Familie Karseboom soll die Wolthuser Straße 20 in Emden sein, dem letzten Wohnort der jüdischen Familie. Früher war die Adresse „Außer dem Nordertor 26“. Doch wer waren die Karsebooms? Die Familie Karseboom war eine Schlachterfamilie. Seit den 1870er Jahren zogen viele in Emden lebende jüdische Schlachter mit ihren Familien in die Krummhörn und nach Hinte. „Hier konnten sie sich als Schlachter betätigen, Eigentum erwerben und vor allem leichter mit Bauern in der Krummhörn Viehhandel treiben“, schreibt Janssen in der Recherche zur Familie.
Josef Karseboom
Die folgenden Informationen stammen aus der Recherche von Gesine Janssen. Josef Karseboom wurde am 3. Juli 1870 in Emden als Sohn des Viehhändlers und Gastwirts Nathan Karseboom und Caroline geb. Pels geboren. Nathan Karseboom übte den Beruf des Schlachters aus und führte die Gastwirtschaft „Drei Kronen“ in der Daaler Straße. In den 1870er Jahren zog die Familie mit ihren Kindern nach Uttum, wo sie zunächst in einem kleinen Haus kurz vor der Kirche wohnten. Als das Steinhaus verkauft wurde, erwarb Nathan Karseboom dieses und betrieb dort eine Viehhandlung und Schlachterei.
Der Sohn Josef wurde ebenfalls Viehhändler und Schlachter und übernahm nach dem Tod des Vaters im Jahr 1898 den Betrieb. Die Karsebooms waren die einzige fromme jüdische Familie in Uttum, so ist es der recherchierten Biografie zu entnehmen. Josef Karseboom heiratete im November 1874 die in Aurich geborene Henriette Wolffs.
In Uttum wurden dem Ehepaar die Kinder Frieda, Carrie und Hermann geboren. Carrie starb im Alter von drei Jahren. Danach siedelten Karsebooms nach Hinte über und Josef Karseboom baute sich zusammen mit seinem Bruder Jacob eine Zuchtviehhandlung auf. In Hinte wurden Josef und Henriette Karseboom noch drei Kinder geboren: die Zwillinge Bernhard und Meinhard und Grete. 1926 zog die Familie nach Wolthusen und baute dort ein Einfamilienhaus mit Veranda und Garten. Die Brüder betrieben nun eine Schlachterei mit Valk Gossels in der Großen Straße. „Bewahrt vor den Verfolgungen der Nationalsozialisten starb Josef Karseboom am 15. April 1934. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt“, endet die Biografie.
Henriette Karseboom und Grete Wolff
Henriette Karseboom musste ihr Haus verkaufen, weil die Sparkasse jüdischen Kunden alle Darlehen und Hypotheken gekündigt hatte. Mit 63 Jahren wagte sie die Flucht mit dem Post- und Passagierdampfer Pretoria über Rotterdam nach Südafrika. Im Jahr 1958 verstarb Henriette Karseboom in Johannesburg.
Nach Südafrika, genauer ins heutige Namibia, floh zuvor bereits Grete Wolff, geborene Karseboom, mit ihrem Mann Iwan (Yitzchak) Wolff und ihrer Tochter Ryka. 1942 wurde die Familie in Südafrika eingebürgert, 1944 siedelten sie nach Johannisburg über, später zogen sie nach Israel. Grete Wolff starb im Jahr 1995 in Israel.