Für den Frieden

Emder Jugendlager in St. Desir soll stattfinden - mit russischer Begleitung

| | 18.03.2022 14:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Stephan Oelrichs ist seit 2011 Leiter des Jugendcamps in der Normandie. Als Jugendlicher nahm er selbst daran teil und lernte dort auch seine heutige Verlobte Maria Reznikova aus Archangelsk kennen. Foto: privat
Stephan Oelrichs ist seit 2011 Leiter des Jugendcamps in der Normandie. Als Jugendlicher nahm er selbst daran teil und lernte dort auch seine heutige Verlobte Maria Reznikova aus Archangelsk kennen. Foto: privat
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Seit 54 Jahren fahren Jugendliche aus Emden und Russland in die Normandie, um Kriegsgräber zu pflegen und über den Frieden zu sprechen. In diesem Jahr soll das Jugendlager „definitiv“ stattfinden.

Emden - Man merkt es Stephan Oelrichs an, dass er mit ganz viel Leidenschaft hinter dem Thema steht: Seit 2011 leitet er das Workcamp in St. Desir (Normandie), bei dem insbesondere Jugendliche aus Emden und der russischen Partnerstadt Archangelks zusammen Kriegsgräber pflegen und über den Frieden sprechen. Seit mehr als 50 Jahren gibt es schon dieses jährliche Jugendlager. In der Pandemie konnte es aber nicht stattfinden - und jetzt bombardiert Russland die Ukraine. „Wir haben uns entschieden, uns in diesem Jahr nicht bremsen zu lassen“, sagte Oelrichs mit Nachdruck im Jugendhilfeausschuss des Emder Rates am Mittwoch. „Ein größeres Zeichen für den Frieden können wir nicht setzen.“

Bei dem Workcamp würden Vorurteile abgebaut und man beschäftige sich intensiv mit dem Schicksal der im Krieg gefallenen Soldaten. Rund 10.000 Gräber gibt es auf dem Kriegsfriedhof. „Wir arbeiten dort für den Frieden“, so der Emder. Der Plan ist, dass wie gewohnt rund 35 Jugendliche im Sommer in die Normandie fahren können. Zwar könnten die „Freunde aus unserer Partnerstadt Archangelsk nicht einreisen“, es seien aber russische Jugendliche bereits in Deutschland und Emden für Arbeit oder Studium. Es hätten sich schon fünf gemeldet, „die uns unterstützen wollen“. Auch jemand aus San Francisco, USA, habe sich schon angemeldet. „Wir haben auch Platz für ukrainische Jugendliche“, betont Oelrichs. Insgesamt stünde das Camp für alle offen. „Die Nachfrage ist extrem groß.“

Normalerweise wird das Jugendlager logistisch stark von dem Bundeswehr-Stützpunkt in Wittmund unterstützt. Auf Nachfrage könne man dort noch nicht sagen, inwieweit das auch in diesem Jahr so sein werde. Zumindest aber ein Bus und ein Fahrer würden gestellt, so der Camp-Leiter. „Alles andere können wir mit Ehrenamtlichen kompensieren.“ Aus einem Geldtopf des Landes für Jugendliche könnte eine Förderung kommen. Auf die Zusage warte man noch. Aber: „Es wird definitiv ein Jugendlager geben“, betont er.

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