Fußball

Krönt TuRa die unfassbare Aufholjagd?

| | 18.03.2022 17:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit einem 4:1-Sieg beim Tabellenersten Hansa Friesoythe (grüne Trikots) begann Mitte November die Erfolgsserie von TuRa. Den Schlusspunkt damals setzte Torjäger Frank Waden (rotes Trikot). Auf ihn wird es auch an diesem Sonntag ankommen. Foto: Damm
Mit einem 4:1-Sieg beim Tabellenersten Hansa Friesoythe (grüne Trikots) begann Mitte November die Erfolgsserie von TuRa. Den Schlusspunkt damals setzte Torjäger Frank Waden (rotes Trikot). Auf ihn wird es auch an diesem Sonntag ankommen. Foto: Damm
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Spannender könnte die Ausgangslage kaum sein: Gewinnt TuRa Westrhauderfehn am Sonntag gegen Papenburg, hat die Mannschaft den Klassenerhalt in der Landesliga sicher. Oder gibt es ein Firrel-Wunder?

Ostfriesland - Es könnte eine der größten Aufholjagden werden, die der deutsche Amateurfußball wohl je gesehen hat. TuRa Westrhauderfehn kann am Sonntag – ausgerechnet im Derby gegen BW Papenburg – noch die nicht mehr für möglich gehaltene Aufstiegsrunde der Fußball-Landesliga erreichen. Bei der an Spannung kaum zu übertreffenden Ausgangslage und der tollen Wetterprognose könnte es an der Werftstraße in Rhauderfehn gar eine Rekordkulisse geben.

Unser Tipp

TuRa – Papenburg 2:1. Es kommt auf die Psyche an. BW läuft Gefahr, die Aufstiegsrunde noch zu verpassen. TuRa kann jene mit einem Sieg „gewinnen“. Dieser Gedanke und die eigenen Zuschauer im Rücken könnten den Ausschlag geben.

Firrel – Leer 2:2. Beide Teams sind gut drauf, beide suchen ihr Glück in der Offensive. Es könnte eine unterhaltsame Partie werden, deren Resultat keinem wirklich weiterhelfen könnte.

Bis dato gelten rund 850 Zuschauer aus dem Mai 2018 – als Papenburg 2:0 gewann – als Höchstwert bei TuRa, wie Fußballobmann Christian Schulte durchblicken lässt. „Wir sind auf alles vorbereitet. Bier und Würstchen gibt es genug“, ist sich Schulte sicher. „Die Corona-Situation schreckt aber wohl doch noch den einen oder anderen ab. Da bin ich skeptisch, dass wir an die 850 Zuschauer rankommen.“ Lieber als mit dem „Drumherum“ beschäftigen möchte sich Schulte mit dem Sportlichen. Fakt ist, dass der Gewinner des am Sonntag um 14 Uhr beginnenden Derbys einen Platz in den Top-Vier und damit den direkten Klassenerhalt sicher hat. Westrhauderfehn und Papenburg haben also alles in eigener Hand.

Firrels Wende nach dem Katastrophenstart

Dagegen muss GW Firrel für das Erreichen der Aufstiegsrunde nicht nur das zeitgleich ausgetragene Ostfriesland-Derby gegen Germania Leer gewinnen, sondern ist auch mächtig auf Schützenhilfe angewiesen. Für das Firrel-Wunder müssten – sollte es keine ganz verrückten Ergebnisse geben – auch Papenburg, Werlte und Friesoythe ihre Spiele gewinnen.

Am Sonntag wird also maximal ein ostfriesisches Team den direkten Klassenerhalt feiern. Gelingt das, wäre es für das jeweilige Ostfriesen-Team die Krönung einer unglaublichen Aufholjagd. Denn Firrel hatte den Saisonstart komplett verpatzt. Die ersten sechs Spiele gingen verloren, sodass der Rückstand auf Platz vier bereits zehn Punkte betrug. Ein 2:0 am 24. September gegen Papenburg leitete die grün-weiße Wende ein. Das Derby gegen Leer bildet nun den Abschluss der Staffel. „Derbys will man immer gewinnen. Und zudem geht es um wichtige Punkte für die Abstiegsrunde“, sagt Leers Trainer Michael Zuidema. Firrels Klubchef Johannes Poppen, der etwa 500 Zuschauer vor Ort erwartet, bläst ins gleiche Horn: „Wir wollen Zähler für den Klassenerhalt sammeln.“ Vielleicht kann Firrel den Ligaverbleib schon am Sonntag bejubeln.

Konkurrenz spielte TuRa in die Karten

Eine noch unfassbarere Aufholjagd würde TuRa Westrhauderfehn vergolden, wenn sie es noch in die Aufstiegsrunde schaffen sollte. Anfang November hatte die Colak-Elf nach elf der 16 Staffel-Spielen nur acht Punkte auf dem Konto. Zehn Zähler betrug der Rückstand auf Platz vier – bei noch 15 möglichen TuRa-Punkten. Heißt: Westrhauderfehn durfte sich selber keine Niederlage mehr erlauben – und musste zugleich hoffen, dass die Konkurrenz mitspielt. Das tat sie. Seit Ende Oktober holten Papenburg, Wilhelmshaven und Werlte – die damals die Plätze drei bis fünf belegten – keinen einzigen Sieg mehr. TuRa gewann dagegen die vier folgenden Partien, angefangen mit dem furiosen 4:1 beim Ersten Friesoythe.

„Vor der Saison waren wir für viele der Abstiegskandidat Nummer eins“, erläutert TuRa-Trainer Erhan Colak. „Als der Rückstand immer größer und die Spiele immer weniger wurden, haben auch wir das Erreichen der Aufstiegsrunde kaum für möglich gehalten. Wir konnten dann einfach befreit aufspielen – ganz ohne Druck. Das hat uns zurück in die Erfolgsspur geführt.“ Nun liegt das Momentum aufseiten von TuRa. Auch die Personalsituation könnte kaum besser sein. Im Wochenverlauf konnten sich die vier mit Corona infiziert gewesenen Spieler freitesten. „Wir haben Selbstvertrauen und das Publikum im Rücken“, sagt Colak. „Wir wollen das Unmögliche möglich machen.“

Ein Debüt gegen den Ex-Klub?

Beim SC Blau-Weiß 94 Papenburg macht sich Trainer Alo Weusthof dagegen ein wenig Sorgen. „Wir hatten letzte Woche Dienstag das erste und leider auch einzige Mal alle 21 Spieler beim Training. Häufig waren es nur 12 bis 14 Spieler. Wir wollen ja eine bestimmte Erwartungshaltung erfüllen, aber so ist es sehr schwierig“, sagt Weusthof. Dennoch freut sich Weusthof auf das Endspiel in Westrhauderfehn. „Mehr Spannung geht auf dieser Ebene nicht, für solche Spiele spielt man ja schließlich Fußball. Wir haben in der Vorbereitung alles gegeben, damit wir am Sonntag konkurrenzfähig sind. Wir müssen schon einen richtig guten Job machen, damit es gegen TuRa klappt. Das habe ich bei deren 5:0 in Werlte gesehen. Ich hoffe, dass wir mehr PS auf den Platz bringen und nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen.“

Gedanken macht sich der Papenburger Trainer derweil noch um die Aufstellung. Gute Chancen auf einen Platz in der Startelf haben die Neuzugänge Janek de Buhr und Matthias Pallentin, die Weusthof in der Vorbereitung überzeugten. Für de Buhr wäre es das Pflichtspieldebüt im Papenburger Trikot ausgerechnet bei seinem Heimatverein. Ausfallen werden Daniel Lass (Rekonvaleszent) und Zolfaqhar Nazari, der einen großen Teil der Vorbereitung verpasste und zuletzt zudem krank war.

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