Fussball
Hunderte Ostfriesen beim grün-weißen Fußball-Fest
Es war ein Spektakel mit 41.000 Zuschauern in Bremen. Die Fans waren ein wichtiger Faktor für den Sieg von Werder. Wir haben hiesigen Anhängern nach ihren Erlebnissen und Einschätzungen gefragt.
Ostfriesland - Der Samstag wurde für Fans des SV Werder Bremen zu einem Feiertag. Erstmals in diesem Jahr durften 41.000 Zuschauer im Weserstadion mit dabei sein – und die haben während des Fußball-Zweitliga-Topspiels gegen Darmstadt (1:0) auch von sich hören lassen. „Die Stimmung war einfach genial. Das war auch nicht vergleichbar mit der aus dem Dresden-Spiel vor zwei Wochen, wo 25.000 Fans dabei waren“, schwärmt Manfred Kramer aus Leer. Er war mit weiteren Mitgliedern und Nicht-Mitglieder des Fanclubs Werder-Ossis aus Leer in einem Kleinbus nach Bremen gefahren, um das Spektakel live mitzuerleben. Insgesamt waren etliche Hundert Ostfriesen im Weser-Stadion mit dabei.
Allein mit 50 Personen und einem Bus angereist war der Fanclub WerderSzene Ostfriesland mit Sitz in Rechtsupweg. Dass die Pandemie noch nicht vorbei ist, hat auch Tourorganisator Henrik Hinrichs gemerkt. „Wir hatten wegen Corona zwei kurzfristige Absagen. Auch unsere Busfahrerin ist deswegen ausgefallen. Es wurde aber kurzfristig Ersatz gefunden“, berichtet der Kassenwart des Fanklubs. Corona-Ärger vor der Abfahrt, doch auf der Rückfahrt herrschte nach dem 1:0-Sieg beste Stimmung. Zur Krönung feierte der Fanklub dann auch noch in den Geburtstag von Mitglied und „Bus-DJ“ Marcell Meyer hinein. „Marcel guckte ziemlich verdutzt, als wir um 24 Uhr den Stecker der Musikbox gezogen und ein Ständchen angestimmt haben“, berichtet Henrik Hinrichs.
Ultras zurück im Stadion
Im Bus des Fanclubs Werder-Szene Ostfriesland galten im Übrigen dieselbe Regeln wie im Stadion auch: Maskenpflicht außer am Sitzplatz. Grölen und Singen war also problemlos möglich. Da auch die Leistung trotz der Personalnot des SV Werder und das Ergebnis stimmten, feierten die Bremer Anhänger während der 90 Minuten ein wahres Fußball-Fest wie in Vor-Corona-Zeiten.
Die gelockerten Regeln – beispielsweise galt nur noch 2G statt 2G+ – lockten auch die lange fern gebliebenen Werder-Ultras zurück ins Stadion – zurück in die legendäre Ostkurve. „Das hast du sofort gehört“, sagt der Holtlander Daniel Kleen, der Vorsitzender des Werder-Fanclubs Moormerland ist. „Ohne die Ultras herrschte zuletzt eher eine Art Theaterkulisse.“ Mit den Ultras wurde es im Weserstadion nicht nur wesentlich lauter. Es gab auch erstmals in diesem Jahr eine Choreographie. Ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Forza Werder“ war vor Anpfiff inmitten eines grün-weißen Fahnenmeers zu sehen.
War Anfangs Ende der Anfang?
Mutmaßlich hatten die vielen Bremer Anhänger auch einen Anteil am Erfolg ihrer Mannschaft. „Die Fans waren wichtig für uns. Sie haben das gesamte Spiel über Stimmung gemacht und uns getragen“, sagte beispielsweise Werders Trainer Ole Werner nach der Partie. Siegtorschütze Niclas Füllkrug äußerte sich bei Sky ähnlich: „Wir haben geile Fans, ein geiles Stadion und eine geile Atmosphäre.“
Bei den Bremern, die punktgleich mit Spitzenreiter St. Pauli auf Platz zwei stehen, läuft es derzeit. Einen „großen Anteil“ daran habe aus Sicht der ostfriesischen Fanclub-Vorsitzenden Coach Ole Werner. „Er hat neuen Schwung reingebracht“, sagt Henrik Hinrichs. Daniel Kleen hebt vor allem den „neuen Teamsprit“ hervor. Ob Werder auch unter Markus Anfang, dem im November ein gefälschter Impfpass den Job gekostet hatte, tabellarisch so gut dastehen würde? „Das ist ein Blick in die Glaskugel“, sagt Kleen. „Unter Anfang stimmten die Ergebnisse zwar nicht immer, aber er musste den Kader auch erst mal zusammen haben. Diesem hat Werner nun den Feinschliff verpasst.“ Auch Manfred Kramer aus Leer will Anfangs Geleistetes bei Werder – bis auf den Impfskandal – nicht schlechtreden. „Anfang hat die Basis gelegt. Davon profitiert auch Werner.“ Sieben Spiele muss Werder noch bestreiten. „Gewinnen wir davon fünf, steigen wir auf“, lautet die Rechnung von Daniel Kleen. Bei einem Aufstieg wird die grün-weiße Party gewiss noch größer ausfallen als nach dem 1:0-Sieg am Samstag.