Artikel 1, GG
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es immer um das Thema Recht.
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“: Über diese Redewendung habe ich oft nachgedacht und sie bisher infrage gestellt. Weil ich der Ansicht war, dass sich Probleme ohne Austausch nicht in Luft auflösen.
Am Montagabend, nach einer – aus meiner Sicht – katastrophal verlaufenen Podiumsdiskussion am Internationalen Tag gegen Rassismus, denke ich: Es reicht nicht, Probleme anzusprechen und über sie zu reden. Es gilt, den richtigen Ton zu treffen. Es kommt auch darauf an, dass Zuhörer den Willen und auch die Fähigkeit zum Verstehen des Gesagten haben. Vor allem kommt es darauf an, dass auf dem selben „Kanal“ kommuniziert wird.
Die erwähnte Podiumsrunde setzte sich zusammen aus vier Menschen, die eines gemeinsam haben: den Migrationshintergrund. Eine schwarze Künstlerin und eine Moderatorin italienischer Herkunft, ein Mitarbeiter einer Bildungseinrichtung mit Wurzeln in Nordafrika und ich. Wir tauschten uns über Alltagsrassismus aus und redeten die meiste Zeit aneinander vorbei. Nach der Veranstaltung war ich total platt und fühlte mich so, als hätte ich den ganzen Tag Schwerstarbeit gemacht.
Tagsdarauf denke ich, dass ich nicht mehr mitmachen sollte bei diesem Format, und schon gar nicht zu solch einem schwierigen Thema wie Rassismus. Andererseits will ich aber das Feld nicht denen überlassen, die hier Ansichten aus der us-amerikanischen Rassismusdiskursen vertreten und die Gesellschaft in „schwarz“ und „weiß“, in Rassifizierte und Priviligierte unterteilen. Mit meinen Einwürfen, zu differenzieren, Theorien auf den Grund zu gehen und Ideologien nicht aufzusitzen, drang ich nicht durch. Schon gar nicht mit meinem Vorschlag, beim Umgang miteinander grundsätzlich achtsam zu sein, aber auch auf mehr Gleichmut zu setzen und sich nicht nur von Gefühlen leiten zu lassen. Die einen scheine ich überfordert und die anderen provoziert zu haben.
Meine Erkenntnis: Mit drei Personen auf einem Podium lassen sich so komplexe Sachverhalte wie Rassismus, Ressentiments und Resilienz nicht erörtern.
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