Betreuung

Was Hinteraner Kitas von anderen unterscheidet

Michael Hillebrand
|
Von Michael Hillebrand
| 22.03.2022 18:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Regelt der Landkreis Aurich künftig auch, wie Kinder in Hinte betreut werden? Darüber wird gestritten. Symbolfoto: Pixabay
Regelt der Landkreis Aurich künftig auch, wie Kinder in Hinte betreut werden? Darüber wird gestritten. Symbolfoto: Pixabay
Artikel teilen:

Der Landkreis Aurich will alle Kitas übernehmen, aber der Protest dagegen ist in Hinte lauter als in anderen Kommunen. Woran liegt das und was sagen die Parteien zu der dortigen Entwicklung?

Hinte - Die Kinderbetreuung in Hinte ist etwas Besonderes, ist Tessa Duve-Nanninga überzeugt. Gleichzeitig ist das der Grund dafür, warum in der Gemeinde besonders öffentlichkeitswirksam gegen die Pläne des Landkreises Aurich protestiert wird, macht die Leiterin der Loppersumer Hummelburg im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Diese und 125 weitere Kitas sollen nämlich künftig vom Kreis verwaltet werden – nicht mehr von den einzelnen Städten und Gemeinden. Bereits vor einigen Tagen wehrten sich Duve-Nanninga und die drei anderen Einrichtungsleiterinnen in Hinte auch in einer gemeinsamen Pressemitteilung dagegen. Außerdem wurden alleine online bereits mehr als 1000 Unterschriften gesammelt (siehe https://chng.it/hZd5krWp). Und das aus guten Gründen, wie Duve-Nanninga betont.

Was und warum

Darum geht es: Auch die Hinteraner Kitas sollen vom Landkreis Aurich übernommen werden. Die Meinungen dazu gehen im Gemeinderat auseinander.

Vor allem interessant für: Familien in Hinte

Deshalb berichten wir: Wir hatten uns gefragt, warum der Protest gegen die geplanten Einrichtungs-Übernahmen in Hinte lauter als in anderen Kommunen ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Unter anderem sei in Hinte ein Qualitätsmanagement für die eigenen Einrichtungen erarbeitet worden und es gebe viele kostenlose Angebote. Sei es das Frühstück für die insgesamt 250 Kinder, Windeln und Feuchttücher, eine Elternberatung oder die Vorschulbildung, für die eine eigene Mitarbeiterin die vier Einrichtungen abwechselnd besuche. Duve-Nanninga befürchtet, dass all das nach einer Übernahme wegfallen würde. Auch seien die Wege nach Aurich weiter, wenn mal etwas geklärt werden muss. Alles werde anonymer und unpersönlicher.

Bürgermeister verweist auf laufende Gespräche

Dazu komme noch, dass es derzeit in Hinte eine Zusatzkraft gebe, die als Springerin zwischen den vier Einrichtungen wechseln könne. Würde aber ein zentraler Pool an Aushilfskräften für den ganzen Landkreis geschaffen, käme häufiger fremdes Personal in die Gemeinde, das die Kinder nicht kennen und das eingearbeitet werden müsse. Auch stelle sich die Frage, ob zukünftig weiterhin einer Hauswirtschafterin zusammen mit den Kindern koche oder geliefert werde. Was die Öffnungszeiten der Kitas angeht, könnten diese durch eine Zentralisierung zwar besser werden. Aber Umfragen unter den Eltern ergäben, dass das gar nicht nötig sei, betont die Leiterin.

Hintes Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) sagt auf Nachfrage, dass er die Angelegenheit im Moment nicht kommentiert. Der Landkreis stehe mit ihm und den anderen Hauptverwaltungsbeamten in Gesprächen. Bereits vor einer Woche hatten diese und die Kreisverwaltung eine gemeinsame Pressemitteilung verschickt, in der es hieß, dass die Kommunen der Kreisverwaltung zeitnah Informationen über ihre Kitas zur Verfügung stellen. Nach der Auswertung der Unterlagen werde man gemeinsam das weitere Vorgehen besprechen – erst einmal hinter verschlossenen Türen.

Grüne warnen vor vorschnellem Urteil

Dahingegen nehmen jetzt in Hinte einige Ratsfraktionen Stellung. Die CDU und die SPD verweisen zwar auf ihre jeweiligen Fraktionssitzungen an diesem Mittwoch. SPD-Fraktionschef Andreas Weerda äußert sich auf Nachfrage aber schon einmal vorab zur voraussichtlichen Position seiner Partei. Die Übernahme durch den Landkreis werde man wohl „eher kritisch“ sehen, vermutet er. Natürlich sei der Haushalt der Gemeinde defizitär und man rede schon seit Jahrzehnten über mögliche Kostenübernahmen durch den Landkreis. Dessen kürzliche Ankündigung sei dann aber schon ein „Hammer“ gewesen. Natürlich seien Kitas teuer. Eben weil man in den vergangenen Jahren aber viel Geld in deren Infrastruktur und Qualität gesteckt habe, sei es aber wohl besser, wenn sie in Gemeindehand blieben, so Weerda. Noch seien aber ohnehin noch viele Fragen offen.

Grünen-Fraktionschef Jelto Arends hingegen spricht sich dagegen aus, die Pläne des Landkreises von vornherein kritisch zu sehen und kritisiert die SPD für die Politik der vergangenen Jahre. So hätten sich ihr Parteigenosse und früherer Bürgermeister Manfred Eertmoed und dessen Frau und Gemeindemitarbeiterin Silvia zwar für Investitionen in Schulen und Kitas eingesetzt und die Sozialdemokraten hätten damit glänzen wollen. Darunter habe aber der Haushalt stark gelitten. Darum mache es nun auch Sinn, sich einmal vom Landkreis vorrechnen zu lassen, ob es am Ende für die Gemeinde nicht doch günstiger kommt, wenn dieser alle Kitas betreibt.

„Keine Nachteile für Kinder und Eltern“

Was die von Übernahme-Kritikern befürchteten Nachteile für Kindern und ihre Eltern angeht, so würden diese davon gar nichts mitbekommen, ist sich Arends sicher. Das wisse auch seine Frau und Fraktionskollegin Agnes aus 30 Jahren Kita-Arbeit in Emden nur zu gut. Lediglich die Hinteraner Einrichtungsleiterinnen müssten in Zukunft vielleicht mal öfter nach Aurich fahren, um etwas zu klären. Bei den Kitas der reformierten Kirche sei das aber schon lange der Fall. Deren Zentrale befinde sich in Leer. „Sind diese Einrichtungen dadurch etwa zweitklassig?“, fragt Jelto Arends. Er geht zudem nicht davon aus, dass sich die Qualität in den vier Hinteraner Kitas durch eine Übernahme verschlechtern würde, denn auch der Landkreis gebe bestimmte Standards vor.

Die Gruppe FDP/FLH wiederum schließt sich in einer Pressemitteilung der Kritik der Hinteraner Kita-Leitungen an. „Zwar liegt derzeit noch gar kein schlüssiges Konzept zur Übernahme vor, jedoch kann man ja erahnen, worum es letztendlich gehen soll, Zentralisation und Kosteneinsparung“, schreibt Martin Gronewold, Vorsitzender der Gruppe.

Ähnliche Artikel