Neustart
Emder Feuerschiff öffnet wieder für Besucher
Nach Kernsanierung und Corona-Pause bereitet sich die Crew des Emder Museumsfeuerschiffs „Amrumbank/Deutsche Bucht“ auf einen Neuanfang vor. Am 1. April geht es los. Ein Problem bleibt dabei ungelöst.
Emden - Heinz-Günther Buß stehen die Erleichterung und die Freude ins Gesicht geschrieben: „Wir können endlich wieder anfangen, ein Schiff zu sein“, sagt der Vorsitzende des Vereins Museums-Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“. Er sitzt an Deck des mächtigen roten Wahrzeichens im Emder Hafen. Die Sonne scheint und hinter ihm herrscht Betriebsamkeit. Männer schleppen Kisten, es wird geräumt und jemand trifft Absprachen über das Telefon. Die Zeit drängt: Am 1. April sollen an Bord die ersten Gäste begrüßt werden. An dem Tag öffnet das Restaurant. Einen Monat später dürfen auch Besuchergruppen sich wieder umsehen.
Was und warum
Darum geht es: eines der markantesten Emder Wahrzeichen
Vor allem interessant für: alle, die das Feuerschiff im Ratsdelft vermisst haben, dort ins Museum oder Restaurant gehen oder sich an Bord trauen lassen wollen
Deshalb berichten wir: Am 1. April endet für den Trägerverein eine rund zweieinhalbjährige Durststrecke ohne Einnahmen und mit enorm hohen Sanierungsausgaben. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Die beiden Daten markieren das Ende einer rund zweieinhalbjährigen turbulenten Odyssee. Im August 2019 hatten sie das Schiff aus dem Ratsdelft geschleppt. Der ursprüngliche Plan: In der Werft sollte das schwimmende Wahrzeichen komplett entkernt, saniert und wieder zusammengesetzt werden. Am Ende kam vieles anders als gedacht und das Projekt wiederholt in die Schlagzeilen.
Verstörender Sabotageakt
Mal waren es die unvorhersehbaren Kosten und Probleme mit der Finanzierung, mal Querelen mit der Eisenbahnklappbrücke in den Emder Hafen, die nicht klappt und für überstürzte Überführungen sorgte, und dann gab es da ja noch die Pandemie und den verstörenden Sabotageakt im Juni vergangenen Jahres. Vor Gericht muss sich ein 45-Jähriger verantworten, der mehrere Löcher in den Rumpf des Stahlkolosses gebohrt haben soll.
Die Geschehnisse haben sie „an ihre Grenzen gebracht“, sagt Buß in der Frühlingssonne und stellt fest: „Manchmal hatten wir die Faxen dicke.“ Sie wollen auch deswegen endlich einen Schlussstrich ziehen. Jetzt sind die Blicke nach vorne gerichtet.
Der umtriebige Vorsitzende und das Millionenprojekt
Mit dem umtriebigen Vorsitzenden, dem es gelungen ist, mehrere Millionen Euro für die Sanierung aufzutreiben, sitzen am Mittwoch zwei Gastronomen an Deck: Onno Marahrens und Rainer Ahlers. Die beiden betreiben das Restaurant, das nach langer Durststrecke in der nächsten Woche wiedereröffnet. Am Konzept und der Karte wollen sie wenig ändern, sagt Marahrens: „Es bleibt ein Fischrestaurant.“ Klassiker wie Emder Matjes und Labskaus solle es wie vorher geben. Erneuert ist dagegen die Küche in der ehemaligen Kombüse. Es sei eine der modernsten im weiten Umkreis, lobt Buß.
Ab dem 1. Mai sollen Gäste nicht nur wieder unter und auf Deck essen können. Bis dahin wollen sie auf dem Feuerschiff die Dauerausstellung und auch das Trauzimmer wieder eingerichtet haben. Buß berichtet von neuen Ideen, die sie für Besuchergruppen entwickeln. Angedacht seien unter anderen Diskussionsrunden und Informationsveranstaltungen an Bord. Man wolle sich „neu ausrichten“, so der Vorsitzende.
Ziel: Hamburger Hafen
Noch offen ist dagegen, wann das 1914/1915 gebaute und rund 50 Meter lange Schiff zum ersten Mal wieder aus eigener Kraft in See stechen kann. „Wir haben zurzeit keine Fahrgenehmigung“, so Buß. Zu den erforderlichen Voraussetzungen zählen ein Krängungstest und eine Evakuierungsübung mit 120 Passagieren. All das soll baldmöglichst nachgeholt werden, wenn die „Amrumbank/Deutsche Bucht“ im September zusammen mit vier anderen Museumsfeuerschiffen zum Elbfest nach Hamburg fahren will. Es ist das Ziel des Vereins mit seinen gut 170 Mitgliedern.
Bis dahin soll dann auch feststehen, wie teuer die noch immer nicht vollständig abgeschlossene Kernsanierung ist. Genauere Zahlen oder Berechnungen gibt der Schatzmeister im Verein, Heinz Salewski, vor einer für Juni oder Juli geplanten Mitgliederversammlung nicht preis. Was er sagen könne, so Salewski am Mittwoch auf Nachfrage: „Es sind deutlich mehr als fünf Millionen Euro.“