Wohnraummangel
Aurich: Wohnungen der Stadt werden Schritt für Schritt entmietet
26 Wohnungen am Schlehdornweg und am Hohegaster Weg in Aurich sollten vor Jahren abgerissen werden. Dann ging der Stadt das Geld aus. Jetzt gibt es immerhin einen Hoffnungsschimmer.
Aurich - Wer vom Hoheberger Weg in den Schlehdornweg in Aurich einbiegt, sieht rechts und links der Straße nur gepflegte Einfamilienhäuser. Kein störrischer Zweig trübt die klare Linie der akkurat geschnittenen Formgehölze. Die Rasenflächen sind bilderbuchmäßig kurz geschoren. Zottelig wird es erst auf der linken Straßenseite ab Hausnummer 17. Fensterscheiben sind mit Pappe beklebt, aus der Dachrinne wachsen Grasbüschel. In fast jedem zweiten Gebäude sind die Rollläden heruntergezogen. Die Häuser wirken verlassen.
Lediglich ein Haus in der Mitte der Reihe wirkt gepflegt. Osterglocken sprießen in einem kleinen Beet. „Wir halten das alles in Ordnung hier und haben in den vergangenen 40 Jahren schon viel an dem Haus selbst repariert“, sagt Anneliese Kleen. Die 82-Jährige ist in der Siedlung aufgewachsen und fühlt sich hier wohl. „Dass so viele Häuser leer stehen, stört mich nicht“, sagt sie im Gespräch. Schade sei es trotzdem, weil die Gebäudesubstanz schleichend zerstört werde. „Es bildet sich Schimmel, das ist doch klar“, sagt die Auricherin.
An Vermietung nicht mehr zu denken
Den Schuh wegen dieser misslichen Umstände muss sich die Stadt anziehen. Ihr gehören 26 Wohnungen am Schlehdornweg und am Hohegaster Weg. „13 davon stehen derzeit leer“, sagt Gerhard Boekhoff. Der Leiter des städtischen Gebäudemanagements bestätigt, dass an eine Vermietung nicht mehr zu denken sei. Die Substanz der 1928 errichteten Häuser sei zu schlecht. Es lohne sich nicht, eine Sanierung in Angriff zu nehmen. Deshalb würden die Wohnungen, wenn ein Mieter gestorben oder ausgezogen sei, nicht wieder vermietet.
Vor fünf Jahren hatte die Stadt in einem aufwendig von einem Fachbüro erstellten Wohnraumkonzept festgelegt, dass die Häuser abgerissen und durch neue, moderne ersetzt werden. Sie sollten Teil des Projekts „Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“ werden. Dafür hatte die Politik einen Betrag in Höhe von zwölf Millionen Euro veranschlagt. Darin waren auch Finanzmittel für den Bau von Wohnungen an der Norderstraße enthalten. Dann wurden die Pläne durch die Finanzmisere der Stadt wegen der eingebrochenen Gewerbesteuern weitgehend zunichte gemacht. Derzeit ist nicht absehbar, ob sie wieder aufgegriffen werden.
Linke zeigt sich enttäuscht
In einer Sitzung des Finanzausschusses hatte Reinhard Warmulla (Linke) massive Kritik an dieser Verwahrlosung geäußert: „Warum passiert da nichts? Wie will die Verwaltung das Gebiet neu entwickeln? Wir kriegen keinen preiswerten Wohnraum hin. Wir sind mehr als enttäuscht.“ Bei der Durchsicht der Ziele, die die Stadt definiert hatte, war der Linken-Ratsherr nämlich darüber gestolpert, dass 30.000 Euro in den Haushalt für das kommende Jahr eingestellt werden sollen. Dieser Betrag soll als eine Art Anschubfinanzierung dienen, um Expertisen für die Entwicklung der Häuser am Schlehdornweg und Hohegaster Weg einzuholen. Weitere Schritte sind allerdings nicht geplant.
Damit der Bereich am Schlehdornweg und am Hohegaster Weg nicht vollends verwahrlost, räumen Mitarbeiter des Baubetriebshofs dort regelmäßig auf. Sie schneiden den Rasen und die Büsche. „Wir wollen nicht, dass die Anwohner Anlass zur Klage haben“, sagte Gerhard Boekhoff. Anneliese Kleen nimmt das wohlwollend zur Kenntnis: „Ja, die machen hier alles in Ordnung. Im September waren sie zuletzt hier.“ Die 82-Jährige hofft, dass sie weiter am Schlehdornweg wohnen kann: „Ich möchte hier sterben.“