Hannover
Weniger Klausuren wegen Corona: Niedersachsens Rücksicht ist übertrieben
Das Land Niedersachsen nimmt wegen Corona bei den Klausuren Druck von den Schülern. Aber gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht.
Weniger Klausuren? Dass das Kultusministerium in Niedersachsen aufgrund der Corona-Pandemie bei den schriftlichen Leistungsüberprüfungen Milde walten lässt, dürfte bei der Mehrheit der Schüler gut ankommen.
Sicher: Gerade Kinder und Jugendliche haben unter Corona in besonderem Maße zu leiden gehabt. Da mag der „Rabatt“ bei den Klausuren wie eine kleine nachträgliche Entschädigung wirken.
Doch Vorsicht: Ist es nicht so, dass gerade der Lernstoff, der zu Hause in Vorbereitung auf eine Arbeit noch einmal vertiefend und eigenständig bearbeitet und in der Klausur niedergeschrieben wird, besonders gut im Kopf bleibt? Und ist es nicht so, dass Kinder und Jugendliche zuweilen auch mal zeigen wollen, was sie aus dem Unterricht mitgenommen haben?
Letztlich müssen auch Lehrer wissen, wo sie mit ihrer Klasse oder ihrem Kurs stehen und egal, ob es nach der Schule in eine Ausbildung oder ein Studium geht: Wenn hier deutliche Bildungslücken erkennbar werden, fragt am Ende keiner mehr nach dem Warum, sondern muss dort aufgearbeitet werden, was in der Schule versäumt wurde.
Und was ist eigentlich mit den stilleren Schülern, die sich nicht so oft melden und ihre Punkte vor allem im schriftlichen Teil sammeln? Hier droht eine Benachteiligung.
Kurzum: In den vergangenen Wochen und Monaten hat es glücklicherweise überwiegend Unterricht in Präsenz gegeben. Das ist zweifellos auch ein Verdienst der umsichtigen Politik des Kultusministeriums. Mit der übertriebenen Nachsicht bei den Klausuren allerdings wird diese Bravourleistung konterkariert.